Experte für Klauenpflege aus den USA informiert Landwirte, Wissenschaftler und Tierärzte

Spezielle Pediküre hält Rinder gesund

Für das Praxis-Seminar in Ellershausen tauschte Karl Burgi Anzug und Krawatte gegen einen Plastikoverall und zeigte den Landwirten und Tierärzten, worauf sie bei der Klauenpflege achten müssen und welche Techniken er empfiehlt.Fotos: Andrea Pauly

Frankenau - Für manche Menschen ist eine Pediküre reiner Luxus. Für Tiere ist Fußpflege von großer Bedeutung für die Gesundheit. Karl Burgi, Experte für Klauenpflege aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, war in den vergangenen Tagen im Kellerwald zu Gast - und lockte Zuhörer aus ganz Deutschland an.

In einem charmanten Deutsch mit Schweizer Akzent und einigen englischen Brocken informierte Karl Burgi am Dienstag zunächst 120 interessierte Zuhörer in der Kellerwaldhalle. Gekommen waren nicht nur Rinderhalter aus der Region, sondern auch Vertreter von Hochschulen und Klauenpflegespezialisten aus ganz Deutschland und aus den Niederlanden. Sie nutzten auch die Gelegenheit, sich bei den Ausstellern rund um das Thema Rinderhaltung in der Kellerwaldhalle zu informieren.

Ein Landwirt muss seine Tiere genau beobachten, empfahl Burgi seinem Publikum - auch dann, wenn sie auf den ersten Blick keine Anzeichen für Lahmheiten zeigen. Wer genau hinschaue, könne schnell erkennen, ob eine Lahmheit vorliege oder drohe. Als entscheidenden Hinweis nannte er die Rückenlinie. „Eine Kuh mit geradem Rücken und langen Schritten ist gesund“, sagte Burgi. Er teilte Lahmheiten in fünf Grade ein, wobei der erste Grad einer gesunden Kuh ohne Auffälligkeiten entspreche. Stufe zwei sei eine leichte Lahmheit aufgrund einer zu dünnen Sohle, die sich nur durch einen leicht gekrümmten Rücken beim Laufen zeigen. Dagegen könnten schon Gummimatten im Stall und eine höhere Achtsamkeit beim Klauenschneiden helfen: fünf bis sechs Millimeter dick müsse die Sohle der Klaue mindestens sein.

Eine Lahmheit dritten Grades äußere sich durch Schmerzen beim Stehen, die sich beim Laufen noch verstärke. Sie zeige sich durch einen nach oben gekrümmten Rücken schon im Stand und noch deutlicher in der Bewegung. „Eine Nummer-Drei-Kuh hinkt noch nicht“, betonte der Experte.

Lahmheiten der Stufen vier und fünf seien akut und deutlich zu erkennen: Die Kuh hinkt. Eine Behandlung dürfe in diesem Fall nicht aufgeschoben werden, bis der Tierarzt oder der Klauenpfleger ohnehin das nächste Mal auf den Hof komme, warnte Burgi.

Der Referent ging auf die verschiedenen Ursachen für Lahmheiten ein, die in Horndefekten und Infektionen zu finden sind. Dazu zählen Horngeschwüre, Sohlenbrüche, Defekte der Weißen Linie sowie die so genannte Erdbeerkrankheit und Panaritium.

Der Experte machte deutlich, dass die Ausrüstung - also der Klauenpflegestand - dabei eine wichtige Rolle spiele. „Für gute Arbeit brauche ich gute Geräte“, sagte er und zog einen Vergleich aus dem Handwerk heran: Eine Bohrmaschine mache zwar auch Löcher, aber niemals so präzise wie eine CNC-Maschine.

Am Mittwoch folgte ein Intensivseminar in Ellershausen, bei dem Burgi seine Technik zeigte. Auf dem Hof Garthe-Metz in Ellershausen tauschte Karl Burgi seinen Anzug gegen Arbeitskleidung und griff selbst zum Werkzeug. Er zeigte den 15 Teilnehmern, wie Klauen ausgeschnitten werden, worauf dabei geachtet werden muss. Er erläuterte die Auswirkungen des Kürzens von Innen- und Außenklaue, erklärte, welche Maßnahmen bei welchen Erkrankungen ergriffen werden sollten. Unter den Teilnehmern war auch die Münchner Tierärztin Dr. Andrea Fiedler, die deutschlandweit als Expertin für Klauengesundheit bei Rindern gilt.

Initiator und Tierarzt Franz Zimmer zeigte sich gestern sehr zufrieden mit der Resonanz auf die Veranstaltungen mit Karl Burgi und freute sich über das deutschlandweite Interesse.

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