Erzieherungs-Gewerkschafter in Franken

Auf der Spur des Wagner-Clans

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Die Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft haben Franken besucht und sich dabei auch das Festspielhaus in Bayreuth angeschaut.

Frankenberg - Ein Konzert der Bamberger Symphoniker und eine Führung im Festspielhaus von Bayreuth gehörten zu den eindrucksvollsten kulturellen Erlebnissen einer Studienfahrt nach Franken, zu der der Kreisverband Frankenberg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) seine Mitglieder eingeladen hatte.

Während des gemeinsamen Wochenendes wohnten die Bildungsgewerkschafter in Coburg, wo sie sich am ersten Abend auch auf der Veste Coburg im Restaurant „Burgschänke“ zu einem gemeinsamen Essen trafen.

Die Stadtführungen in Bamberg und Bayreuth konnten unterschiedlicher nicht sein: Während in Bamberg eine Vielzahl von Touristen und die Einheimischen, die am Samstag auf dem Markt ihre Einkäufe tätigten, der Stadt ein lebendiges Flair verliehen, wirkte Bayreuth am Sonntagmorgen eher verschlafen. Nachfragen ergaben, dass die Wagner-Stadt vor allem in den Festspielmonaten Juli und August vor Leben sprüht. Thematisch war den Stadtführungen gemein, dass beide Städte zu Beginn des 18. Jahrhunderts von mittelalterlichen Städten zu barocken Kleinodien wurden.

Im einen Fall, so erfuhren die GEW-Besucher, war es eine preußische Prinzessin, die den Herzog von Bayreuth geheiratet hatte und eine angemessene Repräsentation forderte, im anderen Fall war es der Fürstbischof von Bamberg, der das gleiche Ziel verfolgte. Auf die Bruchstellen hingewiesen zu werden, stieß auf das Interesse der Pädagoginnen und Pädagogen aus Frankenberg.

Im Festspielhaus von Bayreuth setzten sich die Gewerkschafter intensiv mit der Geschichte des Wagner-Clans auseinander: Der geniale Richard Wagner hatte dieses Konzerthaus bauen lassen, um fern jeder Konkurrenz in einem schlichten Bau mit hartem Gestühl, einer riesigen Bühne, dem tiefen Orchestergraben mit zu wenig Platz für bis zu 120 Musiker, aber einer genialen Akustik sein Publikum zu begeistern - was ihm bis auf den heutigen Tag gelungen ist.

Einige GEW-Mitglieder zeigten sich tief erschüttert angesichts des massiven Antisemitismus Wagners, der zu Zeiten der NS-Herrschaft unter Winifred Wagner die Entlassung aller jüdischen Musiker und Mitarbeiter zur Folge hatte, was für jene, die nicht emigrieren konnten den Tod im KZ bedeutete. „Ich kann mir jetzt nicht mehr vorstellen, hier eine Oper zu besuchen; das Elend der Opfer lässt das nicht zu“, erklärte eine Gewerkschafterin beim Betrachten der Tafeln, auf denen abseits des Festspielhauses dieser ermordeten Künstler gedacht wird.(vk)

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