Frankenberg

Auf den Spuren der „Dam Busters“

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- Frankenberg (mba). Am Mittwoch waren die Dokumentarfilmer für Aufnahmen an der Edertalsperre, die 1943 durch einen Bombentreffer zerstört wurde – mit im Bild eine alte Propellermaschine, allerdings keiner der Lancaster-Bomber, die tatsächlich bei dem Angriff eingesetzt wurden.

Es ist ein sensibles Thema, dessen sich das britische Kamerateam um Historiker James Holland und Regisseur Aaron Young angenommen hat: Für die BBC drehen sie einen Dokumentarfilm über die Angriffe der Royal Air Force (RAF) auf deutsche Staumauern – darunter auch die Edertalsperre.

Die Operation „Chastise“, zu deutsch: „Züchtigung“, bei der in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 mehrere Talsperren in Hessen und Nordrhein-Westfalen attackiert wurden, kostete insgesamt mehr als tausend Menschen das Leben. Doch auch für die britischen Flugzeugbesatzungen waren die Flüge ins feindliche Deutschland sehr oft ein „Himmelfahrtskommando“:

So berichtet der Film auch über den Abschuss des am Angriff beteiligten Lancaster-Bomber des Piloten Robert Barlow, bei dem die gesamte Besatzung starb. Es gibt also auf beiden Seiten schmerzliche Erlebnisse. Holland und Young sind sich dessen bewusst. Sie lassen in ihrem Film sowohl britische Veteranen als auch deutsche Zeitzeugen zu Wort kommen und von ihren Erinnerungen an die Angriffe berichten, um beide Seiten angemessen zu berücksichtigen.

Sie wollen das Geschehen nicht allein aus der britischen Perspektive darstellen: „Wir wollen eine 360-Grad-Ansicht geben“, sagt Holland. Das Bild in der britischen Öffentlichkeit sei wesentlichen durch den Film „The Dam Busters“ (übersetzt: „Staudamm-Knacker“) aus dem Jahr 1954 geprägt, sagt der Historiker: „Aber das ist eine Hollywood-Perspektive.“ Sie stelle das Geschehen nicht angemessen dar.

Die BBC hat einen anderen, einen dokumentarischen Anspruch. „Es geht uns um die Taktik, die Strategie und die Ausführung der Angriffe, aber auch um das Vermächtnis der Menschen“, sagt Holland.„Wir haben auch viele deutsche Veteranen interviewt.“ Dabei habe er festgestellt, dass sich die Kriegserlebnisse für die britischen und die deutschen Soldaten in einer wesentlichen Sache kaum unterschieden: Das ganze Geschehen lag völlig außerhalb ihrer Kontrolle. „Sie haben alle für ihr Land oder für ihre Familien gekämpft“, sagt der Historiker.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 12. August.

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