Komödie Frankenberg plant Theater an historischen Orten

Stadtführung mit dem gewissen Extra

Frankenberg - Wenn von der Hexenverbrennung nicht nur die Rede ist, sondern das Urteil vor den eigenen Augen am Hexenturm gesprochen wird, wenn Philipp Soldan auf Wigand Gerstenberg trifft - dann steckt die "Komödie Frankenberg" dahinter.

Sie tüfteln bereits seit einem halben Jahr: Die drei „Komödianten“ Harald Hörl, Nadine Oberender und Karl-Willi Hirth entwerfen eine Theater-Führung durch die historische Altstadt. Darin sollen berühmte Persönlichkeiten zu Wort kommen und zu sehen sein - mit einem Schuss Phantasie und Humor, aber immer mit einem historisch wahren Kern.

Im vergangenen Jahr war die Stadt mit der Idee der damaligen Geschäftsführerin der Ederbergland-Touristik, Silvia Fries, auf die Theatergruppe zugekommen - und der Vorstand mit Harald Hörl an der Spitze sprach sich dafür aus, Konzeption und Umsetzung zu übernehmen.

Karl-Willi Hirth und Nadine Oberender begeisterten sich für das Projekt und übernahmen gemeinsam mit Hörl die Planung. Hirth ist in der Frankenberger Altstadt aufgewachsen und kennt die Häuser und Gassen seit seiner Kindheit. „Mir ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt er. Nadine Oberender hingegen bringt einen frischen Blick auf alte Mauern mit: Sie ist erst vor sechs Jahren an die Eder gezogen. Aber auch sie hat sich mit Begeisterung in die Arbeit gestürzt, denn sie mag ihre Wahlheimat sehr.

Das erklärte Ziel ist es, eine regelmäßige Veranstaltung zur Geschichte der Stadt zu entwickeln, die historischen Wahrheitsgehalt mit kurzweiliger Unterhaltung kombiniert. Und so wird der Stadtschreiber Wigand Gerstenberg auf den Bildhauer Soldan treffen, ein legendärer Blitzeinschlag ist ebenso Thema wie die berühmte Frankenberger „Hexe“ Barbara.

Das Konzept erstellt die „Komödie“ in Eigenregie. Die Stadt lässt dem Verein freie Hand bei der Planung - und dafür ist Hörl dankbar, ebenso wie für die positiven Reaktionen und die hilfreichen Tipps der Stadtführer, die ihr Wissen mit den „Komödianten“ teilten.

Denn die Theater-Führungen sollen eine Ergänzung zu den bisherigen Stadtführungen sein, die bewährten Stadtführer sind dabei eingebunden. „Das ist eine Partnerschaft, keine Konkurrenz“, sagt Hörl.

Nadine Oberender und Karl-Willi Hirth sind mit den Vorbereitungen schon weit gekommen: Sie haben die Spielorte ausgewählt (siehe Kasten) und Texte für die einzelnen Szenen geschrieben - mal haben sie sich dabei an vorhandenen Skripten oder Gedichten orientiert, andere sind ihrer eigenen Kreativität zu verdanken. „Da ist natürlich viel künstlerische Freiheit dabei“, sagt Karl-Willi Hirth. „Ob Wigand Gerstenberg wirklich einmal auf Soldan getroffen ist, weiß niemand. Aber es wäre theoretisch möglich.“

In den nächsten Monaten stehen die Kostümauswahl und die Besetzung an. Alle Rollen - und es gibt einige - müssen doppelt besetzt werden. Das ist besonders bei den zahlreichen Männer-Rollen eine Herausforderung. Jeder Darsteller soll zudem pro Führung in mehr als eine Rolle schlüpfen. „Fast alle wollen mitmachen“, freut sich Harald Hörl über gute Resonanz auch in seinem Ensemble.

Sind die Rollen besetzt, müssen Proben und Testläufe stattfinden - wie bei einem normalen Theaterstück auch. Auch die Kosten, etwa für Kostüme, eventuelle Technik und ähnliches, müssen noch ermittelt werden.

Hörl freut sich über die neue Aufgabe: „Es ist wahnsinnig spannend, nach ‚Die Bürger von Frankenberg‘ und dem Stück in der Liebfrauenkirche wieder etwas Neues zu machen.“ Ein solches Projekt bringe nicht nur die Komödie weiter, sondern auch die Stadt, deren kulturelles Angebot dadurch wachse.

Ab dem nächsten Frühjahr sollen die Führungen einmal monatlich stattfinden. Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich. Über Gruppengröße, Preise und Termine ist noch nicht endgültig entschieden. (apa)

Kommentare