Geismarer hat mit vier Bürgermeistern zusammengearbeitet

Stadtkämmerer Seibert feiert 40-jähriges Dienstjubiläum

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Frankenberg - Sein 40-jähriges Dienstjubiläum hat in dieser Woche Peter Seibert gefeiert, der seit 1985 die Finanzabteilung der Stadt Frankenberg leitet.

Im Stadthaus ist er der Mann der Zahlen: Kämmerer Peter Seibert. Doch der Rechnung von Hauptamtsleiter Manfred Greif konnte der Geismarer anfangs nicht folgen. Sein 40-jähriges Dienstjubiläum stünde seiner Rechnung nach doch erst 2013 an, war sich Seibert sicher. „Personalchef“ Greif sorgte aber für Aufklärung: Seibert hat sich, wen wundert es, nicht verrechnet. Er hat nur nicht gewusst, dass seiner Dienstzeit das eine Jahr bei der Bundeswehr ebenfalls angerechnet wird. Und so nahm Seibert ruhigen Gewissens am Mittwoch die Glückwünsche von Greif, von Karl-Heinz Eckel, dem Vorsitzenden des Personalrates, und von Bürgermeister Rüdiger Heß entgegen.

Dem wollte Seibert keineswegs verbal auf die Füße treten, sondern mit der Aussage nur auf die lange Zeit hinweisen, in der er schon für die Stadt arbeitet: „Ich hätte gerne unter fünf Bürgermeistern gedient“, sagte er. Denn am 1. Juli 1973, als er als Angestellter der Stadtkasse seine Verwaltungslaufbahn begann, hatte noch Bürgermeister Sepp Waller das Sagen in Frankenberg. Es folgten Helmut Eichenlaub, Rüdiger Heß, Christian Engelhardt - und nun eben nicht der fünfte, sondern erneut der „dritte“ Bürgermeister, Rüdiger Heß.

Der stellte das hohe Ansehen heraus, dass Seibert als Leiter der Finanzabteilung in der gesamten Verwaltung genießt. „Ich schätze Sie sehr“, sagte der neue Bürgermeister und verwies darauf, dass angesichts der Kassenlage der Arbeit des Kämmerers auch in den nächsten Jahren eine besondere Bedeutung zukommen werde.

Freund guter Rotweine

Für das von Greif überreichte Weinpräsent dankte Seibert. Wie groß die Freude darüber sein wird, das wird sich noch herausstellen: Denn Seibert ist ein Liebhaber und ausgewiesener Kenner guter Rotweine. Von seinem unglaublichen Wissen schwärmte zuletzt Christian Engelhardt bei seiner Verabschiedung aus dem Bürgermeisteramt. Ohnehin weiß Seibert nicht nur mit Zahlen etwas anzufangen, sondern auch mit den schönen Dingen des Lebens: der Familie, aber auch der Literatur. Derzeit liest er einen spannenden Roman über die Rolle der Kirche in England um 800 nach Christus.

Bei Raiffeisen gelernt

In seiner gewohnt sachlichen Art und Weise werde Peter Seibert diese Aufgabe aber meistern, sagte Heß und skizzierte die diversen Aufgaben, die in den Zuständigkeitsbereich des Kämmerers fallen: von der Darlehensaufnahme über die Betriebsleitung des Eigenbetriebs „Betriebshof Frankenberg“ bis zur Erstellung der Haushaltspläne. „Wir werden vertrauensvoll zusammenarbeiten“, sagte der neue Bürgermeister.

Als hilfsbereiten, freundlichen und beliebten Kollegen bezeichnete Eckel den Jubilar. „Und das ist lobens- und ehrenwert, wenn man dies über einen Abteilungsleiter sagen kann“, betonte der Personalratsvorsitzende. Rund 15 Mitarbeiter groß ist das Team der Finanzabteilung.

„Eigentlich hat es nur einmal schnell klack gemacht“, und schon seien die 40 Jahre rum gewesen, sagte Seibert. Dass er diesen langen Zeitraum als so kurz empfunden habe, erklärte er mit der interessanten und vielfältigen Arbeit. Und auf Neuerungen muss sich der Vater von vier Kindern und stolze vierfache Opa auch weiterhin einstellen. Vergangenen Montag, am ersten richtigen Arbeitstag von Rüdiger Heß, gab der neue Bürgermeister dem Kämmerer in der ersten Sitzung der Abteilungsleiter gleich einen Auftrag mit auf den Weg. Künftig will er wöchentlich über die Einnahmen und Ausgaben unterrichtet werden, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben - im Vergleich zu den Neuerungen der vergangenen Jahre eine kaum erwähnenswerte Aufgabe. Die Umstellung von der kameralistischen auf die doppische Haushaltsführung war eine wesentlich härter zu knackende Nuss. Doch dabei profitierte Seibert von seiner Ausbildung. Denn er hat nicht bei der Stadt, sondern als Großhandelskaufmann bei der Raiffeisenbank in Geismar gelernt. Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen waren ihm deshalb nicht fremd.

Fünf Jahre bis zur Pension

Fünf Jahre will Seibert noch arbeiten. Und es könnte durchaus sein, dass dieses halbe Jahrzehnt aus finanzieller Sicht erfreulicher sein könnte als die vergangenen fünf Jahre - als trotz größter Anstrengungen die Haushalte der Stadt Frankenberg einfach nicht auszugleichen waren. Unumwunden gibt Seibert zu, dass er trotz seiner 28-jährigen Erfahrung als Abteilungsleiter in der ein oder anderen Nacht gegrübelt habe, „ob ich vielleicht doch irgendwo schuldig bin“. Doch als Zahlenmensch stand dann spätestens am nächsten Morgen wieder fest: „Die Vorgaben der Politik haben den Ausgleich des Etats schlicht und einfach nicht zugelassen.“ Der Haushalt 2011 war nun wieder der erste mit einem positiven Abschluss. Und Seibert geht davon aus, dass die Vorzeichen in diesem Jahr noch nicht direkt wieder umdrehen werden.

Plus im Haushalt 2011

Und so stehen die Zeichen nicht schlecht, dass sich bis zu seiner Pensionierung auch das Verhältnis von Vermögens- zu Verwaltungshaushalt wieder zum Positiven für die Stadt verändert. Auch wenn die Zahlen nach der Umstellung von der Mark auf den Euro und der Kameralistik auf die Doppik nicht unmittelbar zu vergleichen sind: In den 70er-Jahren war der Verwaltungshaushalt rund 3,5 Millionen Mark schwer, der Vermögenshaushalt etwa 14 Millionen Mark. Heute umfasst der Erfolgsplan einen Ansatz von 24 Millionen Euro, der Finanzplan, aus dem zum Beispiel die Bauarbeiten in der Stadt finanziert werden, weist nur einen Betrag von zwei Millionen Euro aus.

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