Frankenberg

Stadtsanierung: Startschuss verhallt

- Frankenberg (jos). Wo vor knapp einem Jahr Stadtplaner, Politiker und Investoren auf den Startschuss zur Stadtsanierung angestoßen haben, ist seit Monaten Baustopp. Aus dem ersten (privaten) Projekt im Zuge des Förderprogramms in der Stapenhorststraße wird nichts.

Gottfried Spahn und Anne Heidenreich aus dem Rauschenberger Ortsteil Josbach wollten eigentlich schon zum Ende des vorigen Jahres ein Wohn- und Geschäftshaus in der Stapenhorstraße 4 gebaut haben. Die Familie betreibt in Josbach eine Töpferei und einen Kachelofenbau. Beide Geschäftsfelder sollten ab diesem Jahr in Frankenberg fortgeführt werden. Dafür wollten sie das Förderprogramm zur Stadtsanierung nutzen.

In der Stapenhorststraße 4 entdeckte die Familie Spahn eine seit Jahren leer stehende Ruine. Deren Abriss nutzte Bürgermeister Christian Engelhardt im Februar vorigen Jahres für einen öffentlichkeitswirksamen Startschuss zur Stadtsanierung. Gemeinsam mit Stadtplaner Alexander Inden, Wirtschaftsförderin Evelin Jacobs und Stadtverordnetenvorsteher Rainer Hesse gratulierte der Rathauschef den Josbacher Geschäftsleuten zu ihren Plänen, nach Frankenberg zu ziehen.

Zwei Jahre lang hatte die Stadt der Familie Spahn zuvor bereits bei der Suche nach einer für die privaten und geschäftlichen Zwecke geeigneten Immobilie oder einem Grundstück geholfen. Der Abriss der Ruine in der Stapenhorststraße werde zu 100 Prozent aus dem Stadtsanierungsprogramm finanziert, hieß es seinerzeit.

Doch nach dem Abriss hat sich auf dem Grundstück seit Monaten nichts Sichtbares verändert. Auf FZ-Nachfrage erläuterte Gottfried Spahn am Dienstag, dass ein Einsatz des Kampfmittelräumdienstes und Probleme mit dem Grundwasser die Arbeiten verzögert hätten.

Grundstück verkaufen

Ob und wie es mit den Bauplänen weitergeht – „dazu werden wir uns jetzt erst mal bedeckt halten“, erklärte Spahn. Nach Informationen der FZ hat sich der Unternehmer allerdings längst von dem Projekt in Frankenberg verabschiedet. Stattdessen will er das Grundstück verkaufen.

Den Abriss mit Fördergeld finanzieren und dann den Bauplatz gewinnbringend verkaufen? So funktioniert das „Geschäft“ zwischen der Stadt und dem Investor nach Auskunft von Bürgermeister Christian Engelhardt nicht. Wenn das Projekt nicht umgesetzt werde, bekomme der Bauherr auch die Förderung für den Abriss nicht, betonte der Rathauschef auf FZ-Nachfrage. Generell müsse zuerst der Investor zahlen. Erst zum Schluss zahle die Stadt das Fördergeld aus. Familie Spahn habe bislang keine Zahlung erhalten.

Projekte verzögern sich

Die Stadtsanierung im Ganzen komme durch den Baustopp in der Stapenhorststraße keineswegs ins Stocken, betonte Engelhardt. Es sei bei derartigen Sanierungsprogrammen durchaus üblich, dass zunächst öffentliche Projekte umgesetzt werden und dadurch dann nach und nach auch Privatleute investieren und Fördergeld beantragen.

Der neue Vorplatz des Landratsamtes, der Kreisel in der Röddenauer Straße – und es gibt noch weitere Projekte, deren Umsetzung Engelhardt für das Jahr 2009 angekündigt hatte. Mahlen die bürokratischen Mühlen doch so langsam? „Ja, das ist manchmal so, dass Hindernisse im Ablauf des Zusammenwirkens verschiedener Behörden oder auch Zuschussgeber etwas größer sind, als man sich das wünscht“, gestand Engelhardt kürzlich in einem Interview mit der FZ ein.

Der Beihilfebescheid des Landes Hessen für den Kreisel in der Röddenauer Straße habe die Stadt erst im September 2009 erreicht. Bevor der Zuschuss nicht bewilligt wurde, dürfe mit einer Baumaßnahme nicht begonnen werden. „Da es aber keinen Sinn macht, in den Wintermonaten den Knotenpunkt Röddenauer Straße/Jahnstraße/Am Grün aufzureißen, haben wir diese Baumaßnahme in das Frühjahr 2010 verschoben“, betonte Engelhardt.

Auch für die Öffnung des Landratsamtes zur Bahnhofstraße hin sollen erst nach Ende der Kältephase die ersten Bagger anrollen.

Engelhardt gab sich am Dienstag optimistisch, dass in diesem Jahr viele – auch private – Projekte im Zuge der Stadtsanierung umgesetzt werden. „Denn Frankenberg ist attraktiv“, unterstrich der Bürgermeister. Es lohne sich, in dieser Stadt zu investieren. Derzeit führe die Verwaltung mit mehreren Hausbesitzern im gesamten Stadtsanierungsgebiet Beratungsgespräche über förderfähige Investitionen.

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