Rosenthal

Stadtverordnete befürworten Seniorenzentrum

- Rosenthal (sg). Mit Familienförderung die Altstadt beleben und Pflege und Betreuungsangebote für Senioren schaffen – so stellt sich die Stadt dem Bevölkerungswandel.

Rosenthal. Arzt, Apotheker, Lebensmittelmarkt, Handwerker, Gasthäuser – die Burgwaldstadt hat eine gute Infrastruktur. Doch die lässt sich nur halten, wenn es genügend Einwohner gibt. Das ist auch den Parlamentariern bewusst, die am Dienstagsbend im Rathaus über die Zukunftssicherung diskutierten.

In einem Punkt waren sie sich gleich einig: Damit Senioren möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, soll der Magistrat auf Antrag der FDP-Fraktion schon bis zur nächsten Parlamentssitzung ausloten, welche Chancen es für ein Senorenzentrum oder andere Formen der Pflege und Betreuung in der Stadt gibt.

Diskussionsbedarf sahen die Stadtverordneten hingegen bei einem neuen Förderprogramm, das Leerstände bei Häusern verhindern soll: Wer in der Rosenthaler Altstadt oder in den historischen Kernen der beiden Stadtteile künftig für sich ein Haus kauft, könnte einen Zuschuss von 3000 Euro von der Stadt erhalten – plus 2000 Euro für jedes Kind der Familie. Das sieht eine neue Richtlinie vor, die der Magistrat im Auftrag der Stadtverordneten „zur Förderung des Erwerbs von Wohneigentum“ ausgearbeitet hat.

Auch für den Kauf eines Bauplatzes „Am Hasengraben“ sollen danach Zuschüsse fließen. Gefördert wird auch der Umbau von nicht mehr für die Landwirtschaft benötigten Scheunen und Ställen zu Wohnungen. Die Stadt will mit dem Programm Leerstände verhindern und wenn möglich neue Familien nach Rosenthal locken.

Die CDU hatte das Programm bereits im Januar beantragt, bei der Ausarbeitung hat sich der Magistrat an ähnlichen Richtlinien und den Fördersätzen anderer Kommunen orientiert. „Das sind gut ausgearbeitete Unterlagen, über die man gut diskutieren kann“, betonte Parlamentschef Erich Kirchhainer. Doch auch Bürgermeister Hans Waßmuth verwies darauf, dass noch Fragen offen seien. Beispiel: Ab wann soll es gelten? Erst ab dem nächsten Jahr oder rückwirkend zum Januar? Wolfgang Möscheid bat die Verwaltung um Berechnungen, wie viel Geld bei einer rückwirkenden Auszahlung benötigt würde. Die Richtlinien werden zunächst in den drei Parlamentsausschüssen beraten, die laut Empfehlung von Dr. Wolfgang Lay und Dirk Golde zunächst getrennt tagen und dann einen gemeinsamen Beschlussvorschlag ausarbeiten sollen.

Einstimmig angenommen wurde hingegen der FDP-Antrag zur Planung eines Seniorenzentrums. Es fördere die Lebensqualität von Senioren und schaffe Arbeitsplätze, sagte Fraktionschef Dr. Lay. Deshalb sollten Verhandlungen mit möglichen Betreibern aufgenommen werden. Schon Anfang des Jahres hätten Privatleute und der Bürgerhilfeverein „Wir für uns“ über das Projekt gesprochen, doch dann sei die Aktion wieder eingeschlafen.

„Wir halten es für wichtig für Rosenthal, dass wir Senioren heimatnah unterbringen können“, sagte Dr. Lay. Die Stadt müsse am Ball bleiben. Der DRK-Kreisverband hat wie berichtet die Pläne für ein Seniorenzentrum in Frankenberg vorgestellt, wenn auch in der Umgebung wie in Burgwald noch ein Heim gebaut werde, „haben wir endgültig verloren“.

Bürgermeister Hans Waßmuth begrüßte den Antrag. Er habe schon als Privatmann Gespräche mit möglichen Betreibern geführt, jetzt könne er auch offiziell als Magistratschef nachfragen. „Eingeschlafen“ sei die Aktion keineswegs.

Er erinnerte an Gespräche mit dem DRK – allerdings stünden die für die Jahresmitte angekündigten Informationen über eventuelle Planungen in Rosenthal noch aus. Gedacht war an ein Projekt zum betreuten Wohnen, ähnlich wie es in Bromskirchen derzeit umgesetzt wird. Damals gab es offenbar Probleme, einen geeigneten Standort zu finden, der möglichst nah an der Altstadt liegen sollte. Inzwischen gebe es neue Betreuungskonzepte, etwa zum Zusammenleben von Senioren in Wohngruppen, sagte Waßmuth – so wie für den Frankenberger DRK-Neubau geplant.

Auch Dr. Lay hielt das betreute Wohnen nicht für alle Fälle für optimal. So seien Demenzkranke dort nur zu Beginn zu halten, sagte der Mediziner. Daher plädierte er für den Bau eines „richtigen Seniorenzentrums“, das auch die arbeitsintensive Pflege möglich mache. Der Magistrat solle aber ruhig die Chancen für alle Varianten ausloten.

Er habe bereits versucht, mit zwei privaten Betreibern Kontakt aufzunehmen, berichtete Waßmuth – allerdings nicht wegen eines klassischen Seniorenzentrums, dabei sei es um Pflegedienste für die Seniorenbetreuung zu Hause gegangen.

Auch die CDU und die Bürgerliste Roda unterstützen den FDP-Antrag. Dirk Golde rief alle Fraktionen auf, an einem Strang zu ziehen. Das Zentrum sei „ein Mosaikstein“ im Konzept, das die Union schon seit Jahren diskutiere, kommentierte Helmut Lapp. Er forderte eine „Rundumversorgung für die Bürger zu gewährleisten“. Viele wollten im Alter lieber zu Hause bleiben, für sie müsse ihre Versorgung dort sichergestellt werden. „Aber es ist sicher, dass wir auch das Seniorenzentrum als letzten Baustein brauchen.“ Dafür müssten jetzt die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden.

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