Hans-Viessmann-Schule und Friedrich-Trost-Schule sind Kooperation eingegangen

Stärken beider Schulen nutzen

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Frankenberg - „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, auch diese Schüler an eine Ausbildung heranzuführen", sagt Carsten Placht. Der Schulleiter bezieht sich mit diesen Worten auf junge Menschen mit einem erhöhten Förderbedarf. Ein neues Modell soll für diese Schüler, aber auch für zwei Schulen Vorteile bringen.

Die Hans-Viessmann-Schule (HVS) und die Friedrich-Trost-Schule (FTS) sind eine Kooperation eingegangen. Bisher beschränkte sich die Zusammenarbeit der beruflichen Schule und der Förderschule darauf, dass der größte Teil der Friedrich-Trost-Schüler nach dem Förderschulabschluss auf die Hans-Viessmann-Schule wechselten, um dort an berufsvorbereitenden Bildungsgängen teilzunehmen.

Seit 2009 besteht die Möglichkeit, dass auch Förderschüler die Prüfung zum Hauptschulabschluss ablegen können. Voraussetzung dafür ist, dass an ihrer Schule eine Kooperation mit einer anderen Schule besteht, die diesen Abschluss anbieten darf - so wie die Hans-Viessmann-Schule.

Ziel der Kooperation ist nicht nur, den Hauptschulabschluss für die stärkeren Förderschüler zu ermöglichen. Die Stärken beider Schulformen sollen genutzt werden, sagt Elke Mitze, stellvertretende Leiterin der Friedrich-Trost-Schule. Bei der HVS sei dies die berufspraktische Förderung der Jugendlichen, bei der FTS die Kontinuität und die sonderpädagogische Betreuung.

Im Rahmen der „Koop-Klasse 10“ bereitet sich ein Teil der Schüler auf den Hauptschulabschluss vor. Dabei gibt es zwei besondere Schultage pro Woche: Am ersten erhalten die Schüler gezielte Förderung in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, einen weiteren verbringen sie in der Hans-Viessmann-Schule im fachpraktischen Bildungsangebot. Je nach Interesse und Stärke stehen die Berufsfelder Holz, Metall, Küche und Textiles Gestalten zur Verfügung.

Auch Schüler, die den Hauptschulabschluss nicht anstreben, nach neun Jahren aber keinen Ausbildungsplatz haben, können für das zehnte Schuljahr an der Friedrich-Trost-Schule bleiben und sich im Rahmen der Koop-Klasse an zwei Praxistagen pro Woche schon einmal mit der Berufsorientierung befassen, ohne dabei den gewohnten Rahmen ihrer Schule verlassen zu müssen.

Die Schüler der Förderschule nehmen an den Praxistagen am Unterricht mit Schülern der EIBE (Einstieg in den Beruf)-Klassen und des Berufsvorbereitungsjahres teil. Aber nicht nur Schüler der FTS kommen an die Berufsschule: Förderschullehrerin Elke Mitze begleitet sie und unterstützt dann auch die pädagogische Arbeit in den EIBE- und BVJ-Klassen, etwa bei förderdiagnostischen Fragen oder bei individueller Förderung.

Auch die Lehrer sind im Gespräch miteinander und tauschen Unterrichtsmaterial aus. Auch gemeinsame Praktika gehören zum Kooperationskonzept.

Für die Hans-Viessmann-Schule bedeutet die Kooperation ebenfalls Sicherheit: Denn so bestehe weiterhin die Chance, dass Friedrich-Trost-Schüler nach ihrem Abschluss zur Hans-Viessmann-Schule kommen - und mit konstanten Schülerzahlen sind auch die Lehrerzuweisungen verknüpft. „Wir sind fest davon überzeugt: Ohne regionale Partnerschaften wird es in Nordhessen, auch in Waldeck-Frankenberg, bei diesen demografischen Voraussagen nicht mehr gehen“, betonte Placht.

Durch die zusätzlichen Schüler werde der Bildungsgang an der HVS aufgewertet: Schließlich bringe Mitze Fachwissen mit, von dem auch die Schüler von EIBE- und BVJ-Klassen profitieren könnten.

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