Facebook-Veröffentlichung von Ariane Friedrich

Stalker wohnt nicht in Allendorf (Eder)

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Hochspringerin Ariane Friedrich beim Finale der Leichtathletik-WM 2009 in Athen. Friedrich zeigt jetzt symbolisch mit dem Finger auf einen sexuellen Belästiger im Internet.Archivfoto: Rainer Jensen

Darmstadt/Allendorf - Die Hochspringerin Ariane Friedrich hat auf Facebook Namen und Wohnort eines Mannes veröffentlicht, der ihr eine obszöne Nachricht schickte. Im Internet wird Jagd auf den Mann gemacht - und auf der Seite eines Bloggers ist gar zu lesen, er lebe in Allendorf (Eder).

„Hat Ariane Friedrich recht?“ Diese Frage stellt der Spiegel auf seiner Internetseite am Dienstag. Und bringt damit die Frage auf den Punkt, die auch in den etwa 2500 Kommentaren zu Friedrichs zweitem Facebook-Eintrag zum Thema diskutiert wird.

Mit dem Hinweis „Ich wurde in der Vergangenheit beleidigt, sexuell belästigt und einen Stalker hatte ich auch schon. Es ist Zeit, zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger.“ schließt Friedrich am vergangenen Samstag eine längere Erklärung darüber, warum sie am 16. April eine eindeutig obszöne Nachricht eines Users mit Namen und Ort in ihrem Profil veröffentlicht hat.

Die Sportlerin hat Namen und Wohnort des Mannes genannt: Allendorf. Doch laut dem Internet-Lexikon Wikipedia gibt es bundesweit insgesamt eine Stadt, drei Gemeinden und 14 Ortsteile mit diesem Namen. Wer gestern im Internet gesucht hat, ist jedoch im Zusammenhang mit der Namensnennung von Ariane Friedrich schnell auf Allendorf (Eder) gestoßen. Die Gemeinde wird von einem Blogger mit Hinweisen auf Industrie und Flugplatz beschrieben - doch ein Mann mit jenem Namen lebt dort gar nicht. Andere Internetnutzer haben nach einem Blick ins Telefonbuch andere Allendorfs ausgemacht und Adressen veröffentlicht.

Auf der Internetseite einer mittelhessischen Gemeinde mit Namen Allendorf häufen sich Anfeindungen. Ein Ortsvertreter sagt: „So lange nicht bewiesen ist, dass es dieser Mann war, sage ich dazu nichts. Die Polizei soll das ermitteln.“ Im Ort sei es ruhig und viele Anwohner wollten ebenfalls abwarten, was die Ermittlungen ergeben. „Wenn er es war, soll er gesetzlich bestraft werden, aber auch wenn er es nicht war, ist er jetzt schon bestraft“, sagt der Ortsvertreter.

Friedrich hatte die Nachricht: „Willst du mal einen schönen Schw*** sehen, Gerade geduscht und frisch rasiert.“ ins Netz gestellt, dazu geschrieben, wie der User heißt und wo er wohnt, und geantwortet“. Nein, Herr xxx, ich möchte weder Ihr Geschlechtsteil, noch die Geschlechtsteile anderer Fans sehen. Anzeige folgt.“ Kontrovers diskutieren die User den Schritt Friedrichs. Die Befürworter unterstützen ihr Anliegen, sexuelle Belästigung aus der Anonymität herauszuholen.

Die Kritiker prangern die dunkle Seite des Internets an, das zuletzt beim Mord an der 11-jährigen Lena in Emden zu einer Hatz auf einen 17-Jährigen Tatverdächtigen beigetragen hatte, der sich kurz nach seiner Verhaftung als unschuldig herausstellte.

Friedrich, selbst Kriminalkommissarin, hat Strafanzeige wegen sexueller Belästigung gestellt. Beim Polizeipräsidium Darmstadt wird dies bestätigt, und jeder weitere Kommentar abgelehnt. „Die Ermittlungen dauern nach wie vor an“, sagt Polizeipressesprecher Ferdinand Derigs. Bei der Bereitschaftspolizei, die die Anzeige aufgenommen hat, heißt es ebenfalls: „keine Stellungnahme“. Es werde möglicherweise eine gemeinsame Presseerklärung mit dem Landespolizeipräsidium geben. Wann? Kein Kommentar.

Eines aber steht schon jetzt fest: Das Ereignis hat längst eine Dynamik erlangt, die weder Ariane Friedrich, noch einzelne andere im Netz kontrollieren können.

von Gabriele Neumann und Mark Adel

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