Stall der Q-Fieber-Herde gesäubert: Kalk tötet die Erreger ab

In Schutzkleidung: Mitarbeiter des Veterinäramtes löschen den mit Branntkalk versetzten Mist ab. Foto: Eisenberg

Frankenau. Mit einem Radlader haben Schäfer Holger Backhaus und sein Bruder Mario am Donnerstag den Dung aus einem Schafstall bei Frankenau geräumt. In dem Gebäude waren in den vergangenen Monaten Mutterschafe aus einer Herde untergebracht, in der das auf dem Menschen übertragbare Q-Fieber ausgebrochen war.

Gemischt mit Branntkalk wurde der Schafsdung in der Feldgemarkung auf einen Haufen aufgeschichtet und von Mitarbeitern des Veterinäramtes mit Wasser abgelöscht. Dadurch entstehe Wärme und eine starke Lauge, die mögliche im Mist enthaltene Erreger abtöte, erläuterte Amtstierärztin Bettina Elsner vor Ort. Die Kosten für den Kalk übernehme das Amt. Zehn Wochen müsse der Dunghaufen nun lagern, bevor er bedenkenlos ausgebracht werden dürfen.

Wenn die Temperatur abgesunken ist, soll er mit einer Folie abgedeckt werden. Auf Anweisung des Regierungspräsidiums Darmstadt und des Sozialministeriums waren im September 100 Mutterschafe aus einer mit dem Q-Fieber infizierten Herde aus Gießen in den Stall nach Frankenau gebracht worden. Der Transport hatte für heftige Proteste in der Frankenauer Bevölkerung gesorgt.

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Schäfer Holger Backhaus hofft, dass nun Ruhe für ihn und seine Familie einkehrt. Unmittelbar nach dem umstrittenen Transport hatte der Schäfer von Drohanrufen berichtet. Im Stich gelassen fühlt sich Backhaus allerdings von der Frankenauer Bevölkerung. „In den Diskussionsveranstaltungen haben alle betont, sie hätten nichts gegen meine Familie“. Als es darum gegangen sei, den mit Branntkalk versetzten Mist abzulöschen, habe die Feuerwehr dies abgelehnt. Diesen Vorwurf will Bürgermeister Björn Brede so jedoch nicht stehen lassen.

Die Stadt habe Backhaus in einem Schreiben Hilfe angeboten. Der Schäfer selbst habe sich jedoch nie darauf gemeldet. Eine Anfrage des Veterinäramtes habe er an die Feuerwehr weitergeleitet. Frankenaus stellvertretender Stadtbrandinspektor Stefan Maurer bestätigt, dass das Veterinäramt bei der Feuerwehr nach freiwilligen Helfern gefragt habe. Wegen möglicher Gesundheitsgefahren habe sich jedoch niemand dafür gefunden. Zudem verfüge die Frankenauer Wehr nicht über die nötige Schutzausrüstung. Ein solcher Einsatz zähle nicht zu den Kernaufgaben der Feuerwehr, sagte Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick auf Anfrage, weil es dabei nicht um eine akute Gefahrenabwehr gehe.

Quelle: HNA

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