Neues Frankenberger Stadtviertel

Startschuss für das Thonet-Quartier

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Noch wenig attraktiv, künftig aber ein Hauptentwicklungsfeld in der Frankenberger Kernstadt: das alte Thonet-Werk I an der Adalbert-Stifter-Straße. Das Parlament hat den Bebauungsplan für das Gebiet geändert.Fotos: Malte Glotz, Google Maps /Grafik: Willi Hirth

Frankenberg - Im Sommer 2012 überraschte Thonet die Frankenberger mit der Idee, aus dem stillgelegten Werk I einen neuen Stadtteil namens Thonet-Quartier zu entwickeln. Doch dann wurde es rasch still um das Projekt. Jetzt soll es Schritt für Schritt doch Realität werden.

Wohnen, arbeiten, einkaufen, die Freizeit genießen – alles in einem Stadtviertel. Was die „Hafen-City“ für Hamburg ist, könnte das Thonet-Quartier in kleinem Maßstab für Frankenberg werden: Im Sommer 2012 stellte das Traditionsunternehmen seine Pläne für ein integriertes städtebauliches Quartier vor und begeisterte wenig später bei der Fachmesse „Expo Real“ in München die Fachpresse und Stadtplaner. Dann wurde es ruhig um das Konzept. Doch nach einem positiven Votum des Bauausschusses am Mittwoch und der Stadtverordnetenversammlung am gestrigen Abend ist jetzt der erste Schritt hin zu einem neuen Stadtviertel gemacht.

Durch das Aufstellen eines Bebauungsplans wird das nicht mehr genutzte Gelände des Thonet-Werks I umgewidmet vom Gewerbegebiet in Wohngebiet beziehungsweise Mischgebiet. Beginn der Umnutzung ist die Adalbert-Stifter-Straße, von dort zieht sich das Vorhaben schrittweise bis an das noch in Betrieb befindliche Werk II heran.

Etwa 30 Bauplätze

mit 120 Bewohnern

Der Plan aus dem Jahre 2012, den Thonet gemeinsam mit der Entwicklungsgesellschaft „NH Projektstadt“ ausgearbeitet hatte, sah ein 30000 Quadratmeter großes Quartier mit gemischter Nutzung vor. Insgesamt 30 Bauplätze sollten Wohnraum für etwa 120 Menschen schaffen. Hinzu sollten Kleingewerbe und Handwerk kommen, gekrönt von einem Thonet-Campus für Arbeiten und Lernen mit dem bestehenden Werk und weiteren Räumen im Zentrum, in denen etwa auch eine Sommer-Akademie angedacht war. Als Industrie-Denkmäler sollten das Kesselhaus und der lang gezogene Riegel an der Bahn, in dem früher die Holzverarbeitung untergebracht war, erhalten bleiben. Dort stellten sich die Entwickler etwa eine Kletterhalle oder eine andere Einrichtung für den Sport vor.

Inzwischen wird jedoch etwas kleiner gedacht. Der Riegel soll auf jeden Fall bestehen bleiben, auch aus Lärmschutzgründen. Das Kesselhaus jedoch steht zur Disposition – auch wenn noch nichts endgültig entschieden ist: In der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten ging es lediglich um ein Gebiet zwischen Breslauer Straße und Adalbert-Stifter-Straße, auf dem derzeit die Moschee steht – und weiter stehen bleiben soll –, sowie um einen schmalen Streifen südlich der Adalbert-Stifter-Straße. Wie auch vor zweieinhalb Jahren angedacht, sollen vornehmlich Einfamilienhäuser entstehen. Insgesamt sieben Baugrundstücke zu je rund 800 Quadratmetern entstehen vorerst – auf zweien davon wird bereits gebaut, da dort noch altes Baurecht bestand.

Die Kosten für das Bauleitverfahren trägt allein Thonet. Als Eigentümer der Grundstücke gehen dem Unternehmen folglich aber auch die Einnahmen zu. Sie sollen für die weitere Entwicklung des Quartiers in mehreren Etappen genutzt werden.

Frankenbergs Innenstadt

vielseitig weiterentwickeln

Die Pläne für das Thonet-Quartier fanden im Jahr 2012 auch deshalb große Beachtung, weil sie statt auf Außenentwicklung durch Neubaugebiete auf eine städtische Innenentwicklung setzen: Eine Industriebrache soll zu einem lebhaften Viertel mit gemischter Arbeits- und Wohnbebauung umgenutzt werden. Bei der „Expo Real“ in München im Oktober 2012 wurde gelobt, dass das Projekt „durch seinen Variantenreichtum bestens geeignet ist für vielfältige Kooperationen“.

Als vorteilhaft wurde ebenfalls die große Nähe zum Frankenberger Stadtzentrum angesehen: Nur gut zehn Fußminuten liegt das Thonet-Quartier von der Fußgängerzone entfernt. Durch das Einkaufszentrum Frankenberger Tor und den im Umbau befindlichen Bahnhof wird das Quartier deutlich aufgewertet. In unmittelbarer Nähe geht es zudem in die Natur. Auch das überregionale Radwegenetz ist nicht weit entfernt. Schulen und Kindergärten liegen in unmittelbarer Nähe – so sind auch junge Familien die Kernzielgruppe.

Ursprünglich war der Startschuss für das Projekt bereits für Mitte 2013 vorgesehen gewesen.Ziel des Gesamtprojektes ist es, den Randbereich der Stadt weiterzuentwickeln und dabei das Thonet-Erbe so weit wie möglich einzubeziehen.

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