Dodenau: Hotel Sassor besteht seit 125 Jahren

Statt Bussen kommen heute Biker

Battenberg-Dodenau - Die Familie Sassor hat den Aufstieg Dodenaus zum bedeutenden Urlaubsort erlebt, die Busse mit feierwilligen Kegelclubs, den rapiden Rückgang der Gästezahlen in den 90ern - und die Entwicklung des Motorradtourismus, der zum wichtigsten Bestandteil des Familienbetriebs geworden ist. Die Tradition hat vor 125 Jahren begonnen.

Damals, im Jahr 1887, wurde das Haus an der Ortsdurchfahrt gebaut - „und es war wohl von Beginn an eine Wirtschaft“, sagt Wirt Axel Sassor, der mit Ehefrau Ulli das Hotel seit 1999 führt.

Historische Unterlagen gibt es nicht. Fest steht, dass in den 60er-Jahren Adolf Noll die Wirtschaft und eine Bäckerei betrieb. Heinz Sassor, gebürtiger Dodenauer, arbeitete damals in einer Bäckerei in Hamburg. Als Adolf Noll Verstärkung für den Betrieb suchte, kam Sassor in die Heimat zurück.

Weil Adolf Noll keine Kinder hatte, übernahmen 1969 Heinz Sassor und seine Frau Renate den Betrieb. Es gab schon Fremdenzimmer, weitere folgten 1972 - wie damals üblich mit Toiletten und Duschen für eine ganze Etage. Eine alte Scheune wurde dafür abgerissen. In dieser Zeit nahm der Tourismus in Dodenau zu. Dem legendären „Kurdirektor“ Bernie Sonneck ist das zu verdanken, aber auch dem Engagement von Heinz Sassor, der von allen „Heino“ genannt wurde. Fast jede Familie vermietete damals Fremdenzimmer. „Unter der Woche machten die Senioren hier Urlaub, am Wochenende kamen die Kegelclubs“, sagt Heinz Sassors Sohn Axel Sassor.

Heinz Sassor reiste vor allem durch Norddeutschland, um mit der Drehorgel und mit Schnaps für den Urlaub in Dodenau zu werben - mit Erfolg. Auch aus dem Ruhrpott strömten die Gäste nach Dodenau, ebenso aus Holland. Laufend brachten Busse neue Urlauber. Die Bäckerei schloss Sassor Anfang der 80er-Jahre.

Vor 20 Jahren nahm die Bedeutung Dodenaus als Urlaubsort plötzlich rapide ab. Vor zehn Jahren war die Zukunft des Hotels Sassor ungewiss, gibt Axel Sassor zu. „Das war eine schwere Zeit.“ Doch dann hatte er die Idee, verstärkt um Motorradtouristen zu werben - auch andere Wirte hatten dieses Konzept schon erfolgreich umgesetzt. „Wir sind ja hier im Paradies“, sagt Ulli Sassor. Vor acht Jahren begann Axel Sassor damit, in Fachzeitschriften und auf Messen für einen Motorradurlaub zu werben.

Sassor, der nach der Ausbildung zum Koch im Posthotel in Usseln in den elterlichen Betrieb zurückgekehrte, war schon länger begeisterter Biker, und das kommt ihm heute zugute. Denn mit seinen Motorrad fahrenden Gästen unternimmt er gemeinsam Touren durch die Region. „Der persönliche Kontakt war uns schon immer wichtig“, erklärt Ehefrau Ulli, die in diesem Jahr selbst den Motorradführerschein gemacht hat.

Elf Mitarbeiter

60 Betten bietet das mehrfach umgebaute, modernisierte und erweiterte Hotel und ist damit einer der großen Betriebe in der Region. Auf 6000 Übernachtungen schätzt Sassor allein den Anteil der Motorradfahrer. Doch auch alle anderen Urlauber sind willkommen, ebenso Gäste aus der Region. Beliebt ist das Hotel auch bei Feiern, der Saal bietet 100 Menschen Platz. Einen großen Anteil haben auch Monteure und Firmenkunden mit etwa 1500 bis 2200 Übernachtungen im Jahr.

Elf Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste, darunter auch die ganze Familie Sassor. Seniorchefin Renate packt ebenfalls fleißig mit an.

Zwei oder drei Wochen wie früher bleiben die Gäste nicht mehr. Doch Axel Sassor möchte, dass die Urlauber wieder mehr Zeit in Dodenau verbringen. Dabei setzt er auf Radler und Wanderer, die verschiedene Touren und Strecken im oberen Edertal zur Verfügung haben. Um sie will er künftig verstärkt werben, „es soll ein weiteres Standbein werden“.

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