Neuer Lebensraum im Dainroder Steinbruch

Steinbruch sichert Geburtshelferkröten den Fortbestand

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Solche Flächen mögen die Erdkröten. Über die Lebensbedingungen der Tiere informierten gestern (von links) der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf, Hartmut Kaiser und Peter Hankel von der Unteren Naturschutzbehörde, Forscher Harald Nicolay, Mütze-Betriebsleiter Wilhelm Eckel und Steinbruch-Inhaber Ulrich Mütze.Fotos: Mark Adel

Frankenau-Dainrode - In der freien Natur kommen Geburtshelferkröten heute kaum noch vor. Ihr Revier ist von Menschenhand geschaffen: In Steinbrüchen finden sie ideale Lebensbedingungen. Bei Dainrode können sie an abgelegenen Tümpeln für Nachwuchs sorgen.

Über Jahrhunderte hinweg hatten viele Tierarten ihre Heimat in den Flussauen. Dann wurden Straßen, Dörfer, Fabriken und Eisenbahnlinien gebaut - und viele Lebewesen verloren ihre Heimat. Viele sind inzwischen ausgestorben.

Über ein Artenschutzprogramm setzt sich der Landkreis seit einigen Jahren für den Erhalt bedrohter Tiere ein - vor allem für Amphibien, berichtete der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf im Steinbruch Mütze. Gemeinsam mit Biologe Harald Nicolay, Eigentümer Ulrich Mütze, Peter Hankel und Hartmut Kaiser von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises informierte er über die Untersuchung der Erdhelferkröten-Vorkommen im Landkreis berichtete. Insgesamt gibt es etwa 30 bis 40 Vorkommen im Landkreis.

Vor allem in Steinbrüchen können Lebensräume geschaffen oder gesichert werden. Dort fänden die Geburtshelferkröten gute Bedingungen vor, berichtete Nicolay - zum Beispiel wechseln die kleinen Kröten gerne zwischen verschiedenen Tümpeln. „Das sind von Menschenhand geschaffene Ersatzbiotope“, sagte Nicolay über die Lebensbedingungen im Steinbruch. Früher seien Feuerlöschteiche und unverfugte Mauern in Dörfern gute Lebensräume gewesen.

Vielen Arten fehlen die Lebensräume. „Die Situation ist dramatisch“, erklärte der Forscher. Als einer der größten Steinbrüche im Landkreis bietet das Mütze-Gelände zwar ausreichend Lebensraum für die Kröten. Fest stehe aber, dass die Population auch im 13,5 Hektar großen Steinbruch Mütze zurückgeht.

Wie viele Geburtshelferkröten nahe Dainrode leben, weiß der Forscher nicht. Im April seien zusätzliche Teiche angelegt worden. Wenn tagsüber gearbeitet wird, suchen die Tiere Unterschlupf in Felsspalten oder Geröllhaufen. Nachts werden sie aktiv. Mensch und Tier kommen sich deshalb nicht in die Quere.

Bauunternehmer Ulrich Mütze habe schon vor einigen Jahren die Bereitschaft signalisiert, den Artenschutz im Steinbruch zu unterstützen, sagte Harald Nicolay. „Die Sensibilität ist eine andere geworden“, bestätigte Mütze. Vor allem in Nordhessen gebe es mehrere Unternehmer, die den Artenschutz unterstützen würden, sagte Harald Nicolay. Das Bewusstsein habe sich seit einigen Jahrzehnten geändert. Die Geburtshelferkröten sind nicht die einzigen bedrohten Tiere, die im Dainroder Steinbruch leben. Unter anderem befindet sich dort ein Uhu-Paar und weitere Arten, die auf der Roten Liste stehen.

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