Grenzsteintour in Rosenthal

Steine sind Epochen zuzuordnen

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Rosenthal - "Jeder Stein ein Denkmal", so lautete das Motto der zweiten Grenzsteintour des Rosenthaler Vereins für naturnahe Erholung.

Einst markierten sie die Grenzen, heute geht es um ihren Erhalt: Historische Grenzsteine sind steinerne Zeugen der Lokalgeschichte. Helmuth Vaupel, Obmann für historische Grenzsteine, und Heimatforscher Günther Klingelhöfer bemühen sich darum, ihre Geschichte lebendig zu erhalten und Neugier zu wecken sowie Kenntnisse über die manchmal versteckt liegenden Objekte und ihre Bedeutung zu vermitteln. Mit ihren Grenzsteinexkursionen wollen Vaupel und Klingelhöfer zeigen, welche verborgenen Schätze der Burgwald bereithält.

Entlang der ehemaligen Grenze des Deutschordenshofs Merzhausen waren die Führer mit 14 Wanderern unterwegs. Zu der Rundwanderung startete die Gruppe an den Köhleröfen. Dort wurde über die lange Tradition der Kohlenbrennerei im Burgwald berichtet, die in den 1940er und 1950er Jahren ein kurzes Aufblühen infolge des Rohstoffmangels nach dem Zweiten Weltkieg erfuhr. In den Kriegsjahren wurde medizinische Kohle produziert, in der Nachkriegszeit war es Holzkohle für die mit Holzvergaser umgerüsteten Kraftfahrzeuge. HessenForst hat gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege einen gemauerten Köhlerofen restauriert und dauerhaft vor dem Verfall geschützt.

Gebäude in Privatbesitz

Der Deutschordenshof Merzhausen gehörte zur Niederlassung der Deutschherren in Marburg. 1256 überließ Graf Berthold von Ziegenhain dem Deutschen Orden seine Güter in Merzhausen mit allem Zubehör. Bereits 1261 lässt sich ein von Mitgliedern des Marburger Konvents geführter Gutsbetrieb fassen. Durch die Auflösung geistlicher Besitzungen im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses verlor der Deutsche Orden 1809 seine Güter in der Ballei Hessen. Der Waldbesitz wurde Staatswald, das Hofgut Merzhausen in Erbleihe gegeben und dem Ortsverband Rosenthal eingegliedert. Das Anwesen wurde Privatbesitz. 1880 erfolgte der Verkauf an den Forstfiskus, der die Anlage als Forsthof nutzte. 1888 schied Merzhausen aus dem Ortsverband Rosenthal aus und wurde dem Gutsbezirk Oberförsterei Bracht und damit dem Kreis Marburg zugeschlagen. Heute befindet sich der Gebäudekomplex in Privatbesitz und wurde sorgfältig renoviert.

Von kulturhistorischer Bedeutung sind die zum Teil über 300 Jahre alten Grenzmarken des einstigen Deutschordenshofs. Etwa 60 Grenzsteine sind auf dem Plan des „Teutschen Freijen Ordens Hoffs Mertzhausen“ verzeichnet. Die von Geometer Hermann Rudolphi im Jahr 1700 aufgenommene farbige Handzeichnung zeigt durch Grenzlinien und Grenzsteine den scharf abgegrenzten Bereich von Merzhausen und dem zugehörigen Mönchwald. Nur 25 Grenzmarken sind heute in überwiegend gut erhaltenem Zustand zu sehen. Dieser historischen Karte folgten die Wanderer bei ihrem Grenzbegang. Sie wurden mit den Symbolen und Inschriften auf den Grenzsteinen vertraut gemacht.

Info-Tafeln am Wanderweg

Zu sehen sind Grenzmale mit dem eingemeißelten romanischen Ordenskreuz, dem Kreuz der Ordensritter (Tatzenkreuz), dem Ordenskreuz auf Gütersteinen und das Andreaskreuz. Dem gegenüber steht das eingemeißelte H (Landgrafschaft Hessen mit der Jahreszahl 1736), das R (Rosenthal) und M (Merzhausen). Diese Steine mit unterschiedlich eingemeißelten Ordenskreuzen sind einer jeweiligen Epoche zuzuordnen. So sind auch Steinblöcke mit Symbolen und Steinnummern anzutreffen, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen.

Die Steine im Ordenswald tragen an der schmalen Steinseite eine laufende Nummer. Die Informationstafeln entlang der Grenzsteinwanderwege geben weitere Auskunft.

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