Gedenken am Volkstrauertag

Steinernes Gedächtnis lebendig machen

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Volksbund-Kreisgeschäftsführer Rainer Schellenberg (Mitte) gedachte am Frankenberger Ehrenmal mit Bürgermeister Rüdiger Heß und Landrat Reinhard Kubat der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Terror und Katastrophen.

Frankenberg - Die persönliche Trauer ist knapp 70 Jahre nach dem alle Familien betreffenden Zweiten Weltkrieg selten geworden - wie wichtig es dennoch ist, der Opfer von Gewalt und Krieg zu gedenken, wurde bei der zentralen Veranstaltung zum Volkstrauertag deutlich.

Stille, getragene Musik, nachdenkliche Wort sind seit jeher Bestandteil des Volkstrauertages. Doch ist dieser Tag überhaupt noch nötig? Diese Frage stellte Pfarrer Horst Schiffner bei der zentralen Gedenkfeier des Kreises auf dem Frankenberger Friedhof. Schließlich seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen positiv - da würden viele Menschen diesen Tag als überflüssig ansehen. Er nicht: „Wir brauchen den Trauertag unbedingt, solange es durch Krieg und Katastrophen tote Menschen und Schrecken gibt, solange Waffen aufeinander gerichtet sind, weil Menschen grenzenlos hassen.“ Die Eindrücke von den zerstörten Städte auf den Philippinen - erinnern diese nicht an Kassel vor 70 Jahren? Und die Flüchtlinge im Mittelmeer, haben sie nicht ein ähnliches Schicksal wie jene auf der Ostsee am Ende des Weltkrieges?

„Sind wir fähig zum Mitgefühl?“, fragte der Pfarrer. In Stalingrad, in den Konzentrationslagern sei dem nicht so gewesen: „Wo zuerst das Mitgefühl stirbt, werden unmenschliche Taten möglich“, mahnte Schiffner. Frieden hingegen sei erreichbar durch Menschen, die Frieden wollen, durch Menschen, die die Fähigkeit nicht verlernt haben, aus der Geschichte zu lernen. So solle aus dem Stein gewordenen Gedächtnis - dem Ehrenmal, an dem Vertreter von Politik, Bundeswehr und Feuerwehren Kränze ablegten - immer wieder ein lebendiges Gedächtnis werden.

Leid als Verpflichtung

Bürgermeister Rüdiger Heß leitete aus vergangenem Leid die Verpflichtung ab, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen. Kriegsgräber seien - wie auch historische Schlachtfelder - Stätten an denen deutlich werde, wozu Gewalt führt. Dabei sei die ganz persönliche Trauer heute, Jahrzehnte nach dem Krieg, kaum mehr vorhanden - umso wichtiger sei es, innezuhalten.

Heß erinnerte an die vor gut zehn Jahren bei einem Anschlag verstorbenen Soldaten des Frankenberger EloKa-Bataillons. Er mahnte aber auch, die Opfer der Terrorzelle NSU nicht zu vergessen: „Das war ein kleiner Privatkrieg gegen alles, was fremd, was nicht deutsch anmutete“, rief er zur Offenheit auf.

Pater Norbert Rasim sprach im Sinne der Ökumene eine Fürbitte und das Vaterunser. Die „Liedertafel“ sang, der Posaunenchor spielte getragene Lieder.

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