Karl-Hermann Völker berichtete in Löhlbach über die Bekennende Kirche

Steinwürfe auf das Pfarrhaus

Erinnerungen an die Bekennende Kirche: Bei einem Vortragsabend der evangelischen Kirchengemeinde Hohes Lohr zeigten Heinz Brück (links) und Karl-Hermann Völker auch Bilder (von links) der Pfarrer Möller, Dannert und Hammann. Foto: hz

Löhlbach. Die Hakenkreuzfahne am Viermündener Pfarrhaus, zwei überfüllte Gottesdienste mit SA-Leuten in Bottendorf am 1. Mai 1933, Pfarrer Hermann Sauers Wunsch, dass in der Liebfrauenkirche „nach dem Willen auch des Kanzlers Gottes Geist herrschen soll“ – im Frankenberger Land stand die evangelische Kirche nach der Machtübergabe an Hitler zunächst wie überall auf Seiten der NS-Ideologie. Wie sich daraus später eine starke „Bekennende Kirche“ im Widerstand entwickelte, schilderte Karl-Hermann Völker (Wiesenfeld) bei einem Vortragsabend im Paul-Gerhardt-Haus in Löhlbach.

Eingeladen hatte die evangelische Kirchengemeinde Hohes Lohr, denn ihre früheren Kirchspiele Löhlbach und Haina waren während der Nazi-Zeit besondere Orte der Verfolgung und Bedrohung von Gemeindepfarrern, die sich gegen die NS-konforme „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ (DC) stemmten.

Für den Kirchenvorstand begrüßte Heinz Brück viele Zuhörer aus der Gesamtgemeinde sowie die früheren Pfarrer Dr. Arnd Friedrich, Gerdfried Dressler, Pfarrer Uwe Hesse (Rengershausen) und Dekanin Petra Hegmann. Im Publikum saßen auch Nachfahren von Löhlbachern, die als Zeugen im Spruchkammerverfahren für den Pfarrer Wilhelm Möller ausgesagt hatten oder auf Konfirmandenfotos zu sehen waren – alle abgebildeten Personen wurden von Heinz Brück namentlich vorgestellt.

Obwohl im Kirchenkreis Frankenberg intensiv für die Deutschen Christen („SA Jesu Christi“) geworben wurde, folgten die Pfarrer schon bald Vorbildern wie Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer, dem „Pfarrernotbund“, dem „Brüderrat“ und der Barmer Bekenntnissynode vom Mai 1934. Karl-Hermann Völker zitierte aus dem Rundbrief des Pfarrers Bernhard Heppe (Cölbe) vom 5. November 1934: „Die Amtsbrüder aus dem Kreis Frankenberg sind bis auf einen geschlossen der Bekennenden Kirche beigetreten.“ Ihr Obmann war der spätere Dekan Lic. Ferdinand Hoffmann (Vöhl) Auch Heinrich Balzer in Rengershausen, später Frankenberg, ging aktiv in den Widerstand.

Besonders eindrucksvoll schilderte Völker die Schicksale der Pfarrer Gustav Hammann (1890-1953) und Wilhelm Möller (1901-1964) in Löhlbach sowie Theodor Dannert in Haina (1875-1959). Hainaer SA-Leute warfen Steine in die Fenster des Löhlbacher Pfarrhauses und beschimpften Hammann als „Landesverräter, Lump, Schuft“, nachdem er sich mehrfach NS-kritisch geäußert und demonstrativ die Scheinwahl vom 12. November 1933 verweigert hatte. Er musste Löhlbach fluchtartig verlassen.

Für Verfolgte eingesetzt

Pfarrer Wilhelm Möller gehörte der NSDAP an, wechselte aber schon nach vier Monaten von den Deutschen Christen zur Bekennenden Kirche, setzte sich für verfolgte Mitbürger und betete öffentlich für sie in der Kirche.

Pfarrer Theodor Dannert in Haina, so berichtete Völker, wurde wegen „Hetzreden von der Kanzel“ und Flugblattverteilen auf dem Weg zum Sonntagsgottesdienst verhaftet.

Dennoch, so der Referent: „Der Widerstand der Bekenntnisbewegung im Kreis Frankenberg wurde weiter mit großem Mut geführt.“ (hz)

Quelle: HNA

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