Frankenberg: Kunstwerk sorgte 1994 für Aufsehen

Stelen wieder ins Bewusstsein rücken

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Frankenberg - 1994 haben 25 Künstler aus der ganzen Welt ein besonderes Kunstprojekt geschaffen: 37 in der Stadt verteilte Stelen bilden den "Stelen-Mensch". Doch im Laufe der Jahre sind einige der Kunstwerke zerstört oder bei Bauarbeiten entfernt worden - oder einfach verrottet. Nun sollen die verbliebenen und vergangenen Objekte wieder ins Bewusstsein der Frankenberger gerückt werden und auch Touristen locken.

Drei Monate lang haben die Künstler im Frankenberger Lokschuppen an den Stelen gearbeitet. So verschieden wie ihre Herkunft waren auch die Kunstwerke (siehe Hintergrund). „Stadt-Kunst-Stelen-Mensch“ hieß das internationale Kunstfestival, das vor 19 Jahren Teil der 750-Jahr-Feier der Stadt war. Verbindet man die einzelnen Standpunkte im Stadtplan, entstehen die Umrisse einer Menschengestalt. Der Lokschuppen bildet dabei ein zwinkerndes Auge. Von dem historischen Gebäude, das in den 90er-Jahren für Theateraufführungen, Konzerte und Kunstausstellungen genutzt wurde, stehen nach einem Brand im Juni 2005 allerdings nur noch die Grundmauern.

1999, zum fünfjährigen Bestehen des Projekts, wurde noch mal gefeiert. Doch dann gerieten die Stelen in Vergessenheit. Frankenberger beachten sie nicht mehr weiter, Touristen mögen sie auffallen, doch die können mangels Hinweisschildern nichts damit anfangen. Einige Stelen sind verrottet, andere bei Bauarbeiten entfernt und nicht wieder aufgestellt worden. 22,5 der einst 37 Figuren sind nach Angaben des städtischen Hauptamtsleiter Manfred Greif aber noch vorhanden - wenn auch oft nicht mehr im Originalzustand. Die halbe Stele befindet sich am Thonet-Brunnen in der Fußgängerzone: Der „Minotaurus auf dem Einrad“ ist nur noch teilweise vorhanden.

Diese Vergänglichkeit ist für Reta Reinl ein Teil des Kunstprojekts, weil dafür auch Materialien wie Holz oder Plastik verwendet wurden. Reinl steuerte selbst zwei Stelen bei und organisierte das Kunstfestival damals mit.

Zwei der Stelen sind im Zuge der Bauarbeiten am Landratsamt entfernt worden. Eine steht schon wieder, die zweite wird in der nächsten Woche wieder aufgebaut. Künftig sollen sie stärker beachtet werden. Bürgermeister Rüdiger Heß stellt aber klar, dass der städtische Betriebshof keine Ausbesserungen an den Kunstwerken vornehmen könne. „Wir wollen die Sachen in Ordnung halten.“

Wo die fehlenden Stelen abgeblieben sind, lässt sich nur teilweise nachvollziehen. Eine sei schon kurz nach dem Kunstprojekt bei einem Verkehrsunfall zerstört worden, berichtet Manfred Greif. Andere wurden bei Bauarbeiten auf nicht städtischen Grundstücken entfernt und nicht wieder aufgebaut. Besonders kurios: Die Stele auf dem Gelände der Polizeistation sei offenbar erst kürzlich verschwunden, ohne dass sich die Beamten ihren Verbleib erklären könnten, sagt Greif, den die fehlende Beachtung nicht wundert: „Man geht wie selbstverständlich daran vorbei.“

Wie der Stelen-Mensch künftig vermarktet wird, steht laut Heß noch nicht fest. Denkbar sei, dass anstelle der fehlenden Kunstwerke Hinweise angebracht werden. „Es ist ein tolles Projekt, das wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden muss.“ An einem zentralen Punkt, beispielsweise dem Landratsamt, könnte eine Tafel über das einmalige Projekt informieren. „Es könnte auch besondere Stadtführungen geben“, sagt der Bürgermeister. Denn dabei würden Touristen durch die ganze Stadt geleitet.

Die besondere Topografie ist es in den Augen von Reta Reinl auch, die das Kunstwerk in Frankenberg zu etwas Besonderem macht: „Nur dadurch werden die Skulpturen zum Stelen-Mensch.“ Bei der Tourismuswerbung spielt das Projekt bislang keine Rolle. Das soll sich ändern. So wirbt Frankenberg seit Dienstag auf seiner Internetseite mit dem Stelen-Menschen. Laut Heß gibt es auch Pläne, im nächsten Jahr das 20-jährige Bestehen des Kunstfests zu feiern. Dann sollen auch die damaligen Künstler eingeladen werden.

Reta Reinl begrüßt die Pläne, die Stelen stärker zu vermarkten. „Es ist eigentlich eine ständig offene Skulpturenausstellung. Und das ist etwas ganz Besonderes.“

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