Vortrag über Piraterie

Stete Gefahr für jede Handelsnation

Die Piraterie hat sich vom Horn von Afrika verschoben – und tobt jetzt besonders im Westen des Kontinents. Der GfW-Vortrag zum Thema gab einen Überblick über die Situation.Foto: Archiv

Frankenberg - Viele Konflikte haben die Piraterie auf den Weltmeeren aus dem Blickfeld verdrängt. Und auch wenn sich das Problem verlagert hat: Für Handelsnationen wie Deutschland bleibt sie eine ständige Gefahr.

Als unscheinbare Fischer nähern sie sich dem riesigen Frachtschiff - und schlagen dann zu mit Kalaschnikow, Enterhaken und Treppen: Piraten. Das Problem wird im Rahmen vieler internationaler Operationen bekämpft, an denen auch Deutschland beteiligt ist. Über die ersten Erfolge - und weitere Herausforderungen, sprach am Mittwochabend auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GFW) der ehemalige Konteradmiral Sigurd Hess. Er hat unter anderem die Europäische Kommission in Fragen der maritimen Sicherheit beraten und wusste viel Positives, aber auch einige wenig erfreuliche Details zu berichten.

Sein Fazit vorab: Die Einsätze zur Eindämmung der Piraterie haben sich gelohnt. Die Straße von Malakka im Indischen Ozean sei dank einer Zusammenarbeit von Indonesien, Malaysia und Singapur so gut wie piratenfrei, die Europäer und Amerikaner würden rund um Somalia für Ordnung sorgen. Zunehmend bedrohlich aber werde die Situation in Westafrika, mahnte er - und kritisierte, dass Deutschland nie ein Gefühl für die Bedeutung der See gewonnen habe.

Europa sei schließlich eine Halbinsel - und 70 Prozent der Staaten hätten Seezugang. Deutschland habe die weltweit größte Frachtcontainerflotte und die drittgrößte Handelsflotte. Deshalb drohten weitere Risiken: „Wenn Terroristen durch die Sprengung eines Schiffes den Sueskanal dichtmachen, haben wir hier innerhalb von zwei Wochen eine Wirtschaftskatastrophe“, mahnte er.

Auf solche Situationen sei Deutschland faktisch nicht vorbereitet - auch, weil es bis heute keine Rechtssicherheit auf See gebe und Zuständigkeitsgerangel zwischen Marine und Küstenwache herrsche. Und das Thema sei von der Agenda der Großen Koalition völlig verschwunden.

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