Battenberg

Still Collins und ein bisschen Gabriel

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- Battenberg (ahi). Vierzig Jahre einer einzigartigen musikalischen Karriere in einem einzigen Auftritt: Beim Still-Collins-Konzert in der Burgberghalle reichte die Bandbreite vom Einstieg des Namenspatrons bei Genesis mit „Musical Box“ (1971) bis zu „Heatwave“ vom jüngsten Album.

Die schaurige Art­rock-Ballade vom Geist, der seine Rechte an seiner fröhlich weiterlebenden Schwester geltend macht, die ihn beim Krokettspiel enthauptet hat, war ebenso Teil der ersten Stunde wie „Follow you, follow me“. Jener Hit, mit dem der Schlagzeuger, der sich eher zufällig als der ideale Stellvertreter für Peter Gabriel erwiesen hatte, aus dem Schatten des ehemaligen Frontmans getreten war (1978). Der frisch eingespielte Soul-Klassiker „Heatwave“ stand im Programm für die zweite Hälfte, bei der das spielfreudige Sextett die angepeilte Stunde Auftrittszeit locker überschritt.

Sonst scherten sich Frontman Sven Komp und seine Mitspieler nicht allzu sehr um chronologische Vorgaben, auch wenn sich zu Beginn des zweiten Sets mit „Mama“ und „Home by the Sea“ ein Schwerpunkt auf das 1983er-Album herauskristallisierte. Sven Komp lachte bei „Mama“ noch ein wenig gehässiger als das Vorbild, bei seinen knappen Gitarrenakzenten präsentiert sich Uli Opfergelt als Axeman erster Güte und eine Spur dämonischer als seinerzeit Mike Rutherford.

Individuelle Akzente von Musikern mit perfekter Bühnenpräsenz und einem gesunden Sinn für Humor. Etwa wenn Sven Komp bei der Vorstellung des Facebook-Auftritts von Still Collins erwähnt, dass unlängst sogar Roger Whittaker den „Gefällt-mir-Button“ gedrückt habe. Eine nette Geste, die mit einem Lied des Schmusesängers für die Ü80-Generation gewürdigt werden sollte. Passend zur Ankündigung schnallten sich Leadsänger und Gitarrist denn auch akustische Klampfen um. Doch auf banges Warten folgt großer Jubel bei den ersten Aufbruchstimmung verheißenden Akkorden von „Solsbury Hill“, jenem Hit, mit dem sich Peter Gabriel einst von Genesis emanzipiert hatte. Still heißt eben „immer noch“ auf Deutsch, aber eben nicht „nur“, wiewohl Phil Collins und Peter Gabriel in unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere wechselseitig voneinander profitiert haben.

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