Allendorf

Straf-Rabatt für gewalttätigen Erpresser

- Allendorf (jos). Weil er „Aufklärungshilfe“ geleistet hat, muss ein 29-jähriger Allendorfer nach mehreren schweren Straftaten nicht wie zunächst geurteilt für fünf Jahre, sondern nur für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Das erste Urteil gegen den Allendorfer vom Juni vorigen Jahres war vom Bundesgerichtshof gerügt worden, weil beim Strafmaß die „Aufklärungshilfe“ des Angeklagten nicht hinreichend berücksichtigt worden sei – er hatte vor dem ersten Prozess seinen Mittäter genannt, der laut Aussage der Staatsanwaltschaft sonst nicht ermittelt worden wäre.

Das Marburger Landgericht verhandelte deshalb gestern erneut in der Strafsache. Zum Tathergang traf das Gericht dabei keine neuen Feststellungen, es milderte lediglich das Strafmaß, indem es einen „Rabatt von 25 Prozent“ gewährte, wie Richter Thomas Wolf es formulierte. Was war passiert? In der Nacht zum 9. Februar 2009 fließt in einer Wohnung in der Gemeinde Allendorf viel Alkohol. Es ist die Wohnung der Lebensgefährtin des Angeklagten, der dort mit dem Bruder seiner Lebensgefährtin jede Menge Bier und Schnaps trinkt. Zu später Stunde fahren die beiden Trinkkumpane mit ihren Fahrrädern durch das Dorf, wo sie an einem Zigarettenautomat auf ihr Opfer treffen.

Es ist gegen 2 Uhr, als die beiden Russlanddeutschen den Mann, der nur eben Zigaretten holen wollte, brutal ausrauben. Doch mit dem, was sie dem Mann abnehmen, geben sich die beiden Räuber nicht zufrieden. Als ihr Opfer wegrennen will, schlagen sie es zu Boden. Dann zwingen sie den Mann, zur Sparkasse zu gehen, um mit seiner EC-Karte Geld abzuheben. Immer, wenn sich der Mann umdreht, schlagen sie ihn ins Gesicht. Mehr als eine halbe Stunde dauern der Fußmarsch und die Schläge an. Am Geldautomat angekommen, hebt der Überfallene 400 Euro ab und gibt das Geld seinen Peinigern. Doch die geben sich damit nicht zufrieden. Sie zwingen ihr Opfer, noch einmal in die Bank-Filiale zu gehen. Der Mann hebt weitere hundert Euro ab und bleibt am Geldautomat stehen. Er hofft, dass die Täter sich von den Überwachungskameras abschrecken lassen. Doch die beiden Männer maskieren sich, gehen in den Raum und zwingen ihr Opfer nach draußen.

Damit ist das Martyrium für den Mann aus Allendorf aber immer noch nicht beendet. Die brutalen Schläger zwingen den Mann, sie in seine Wohnung zu führen. Nach erneutem längeren Fußmarsch dort angekommen, fesseln die Täter ihr Opfer und stehlen aus der Wohnung mehrere Wertgegenstände. Als die Täter die Wohnung verlassen haben, kann sich der Mann befreien und Hilfe alarmieren.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 3. März.

Kommentare