Amtsgericht

Strafe für Drohungen gegen Bürgermeister Gleim

Gemünden - Mit derben Worten hat ein Gemündener den Bürgermeister und einen städtischen Mitarbeiter bedroht und zudem einen Rentner aus Mohnhausen beleidigt - das sieht das Gericht als erwiesen an.

Es sind harte Worte, die an einem eisig kalten Morgen im Februar in der Gemündener Altstadt gefallen sind: „Da kommt ja das Arschloch, den bringe ich um“, hallte es über die Straße, und: „Ich brauche jetzt was zum Draufschlagen, den schlage ich tot“. Adressat dieser Zurufe war Bürgermeister Frank Gleim - und dass diese Worte tatsächlich so gefallen sind, bestätigten gestern Vormittag vor dem Frankenberger Amtsgericht mehrere Zeugen.

Den Angeklagten, einen 52-jähriger Frührentner, bezeichneten die Zeugen als in der Stadt durchaus bekannt. „Es ist noch aus jugendlichen Zeiten bekannt, dass da eine gewisse Gewaltbereitschaft besteht“, beschreib etwa Gleim den Angeklagten. Zugleich betonte der Bürgermeister aber auch, dass er vor dem Vorfall im Februar allenfalls dienstliche Differenzen mit dem Angeklagten gehabt habe. Er duzte den Frührentner sogar.

Nach Schilderungen des Bürgermeisters habe sich der Vorfall ereignet, als Anfang des Jahres extreme Kälte herrschte. Wegen einer zugefrorenen Wasserleitung seien Mitarbeiter des Bauhofes zu dem Haus gefahren, in dem der Angeklagte zu dieser Zeit lebte. Das Objekt gehört der Stadt. Frank Gleim gab an, wegen eines Außentermins auf dem Weg zu seinem Dienstwagen gewesen zu sein, als er eine verbale Auseinandersetzung gehört habe. Da er annahm, dass es um die zugefrorene Wasserleitung ging, habe er nachschauen wollten - da seien die Worte gefallen. Der Angeklagte habe sie ihm aus dem Fenster seiner Wohnung zugerufen.

Wie es zu der Auseinandersetzung gekommen war, schilderte ein Bauhofsmitarbeiter, der beauftragt worden war, die Leitung mit Kollegen zu reparieren. Der 59-jährige schilderte, dass die Haustür bei -18 Grad Celsius Außentemperatur offen festgestellt gewesen sei, wohl für ein Haustier. „Das ist ein Haus ohne Zentralheizung. Da muss man bei solchen Temperaturen Fenster und Türen geschlossen halten, sonst friert da schnell was zu“, beschrieb er die Problematik. Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als das Wasser abzustellen und den Bewohnern je einen Zehn-Liter-Kanister Wasser zur Verfügung zu stellen. Der Angeklagte habe daraufhin vom Fenster aus mit seinen Beleidigungen begonnen. „Das waren keine schönen Worte, sondern Dinge, die ein kleines Kind verboten bekommt“, umschrieb der Zeuge das Gesagte, bevor ihn Richterin Andrea Hülshorst aufforderte, die Worte zu Wiederholen.

Tage später sei er erneut an dem Haus vorbeigefahren und habe die Tür offen gesehen. Wütend habe er sie zugeschlagen und dabei geschimpft, berichtete der Bauhof-Mitarbeiter. Später habe der Angeklagte ihn dann bis zum Rathaus verfolgt. „Er hat mich provoziert und wollte offenbar, dass ich zuerst zuschlage“, berichtete der 59-Jährige. Er sei stattdessen im Rathaus verschwunden. Wenige später bewirkten sowohl er, als auch Bürgermeister Frank Gleim, dass sich der Angeklagte ihnen nicht mehr nähern dürfe. Diese Verfügung lief mit dem gestrigen Tage aus. Beide gaben an, dass sie sich von dem Angeklagten durchaus auch körperlich bedroht gefühlt hätten.

Der Frührentner war zudem wegen Beleidigung angeklagt: Auf der Kreisstraße 99 zwischen Lehnhausen und Oberholzhausen soll er nahe auf einen 72-Jährigen aufgefahren sein und ihm den Stinkefinger gezeigt haben. Als der vorausfahrende Rentner daraufhin ausgestiegen ist, sei es beinahe zu einer Handgreiflichkeit mit dem Beifahrer des Angeklagten gekommen. Das aber habe der Angeklagte verhindert, sagte der Geschädigte.

Der Angeklagte selbst bestritt nicht, den Bürgermeister oder den Bauhofsmitarbeiter beleidigt zu haben, wohl aber die Drohungen. Er erklärte auch: „Das, was ich gebrüllt habe, habe ich noch nie umgesetzt“ - das wüsste jeder, der ihn kenne. Er selbst habe sich durch die Stadt schikaniert gefühlt - zudem hätte sich diese als Vermieterin nie um den Schimmel in seiner Wohnung gesorgt. Seine Verteidigerin nannte den Vorfall im Februar dieses Jahres einen Ausbruch aufgestauter Wut und Frustration. „Er fühlte sich hilflos und übervorteilt“, sagte sie - deshalb sei er letztlich auch aus der Wohnung ausgezogen. Die Heftigkeit seiner Worte beschrieb sie als seine Art, mit Frust umzugehen - „man kennt ihn in Gemünden und weiß auch, wie er tickt“.

Richterin Hülshorst verurteilte den Mann schließlich zu einer Strafe von 60 Tagessätzen zu je 20 Euro, insgesamt also 1200 Euro. Er gilt damit nicht als vorbestraft. Die Vorsitzende machte deutlich, dass sie an den Aussagen der Zeugen, die von mehreren anderen Zeugen bestätigt worden waren, nicht den geringsten Zweifel habe.

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