18 Straftaten in sechs Wochen: 19-Jähriger muss trotz Verurteilung nicht ins Gefängnis

Frankenberger Land. Trotz einer Verurteilung zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung wegen einer Vielzahl von Einbrüchen und Diebstählen muss ein 19-Jähriger aus dem Frankenberger Land zunächst nicht ins Gefängnis.

Ihm kommt eine Besonderheit des Jugendstrafrechts zu Gute, die Vorbewährung.

Das Marburger Amtsgericht hatte den jungen Mann im Januar zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Gegen den Richterspruch hatte der Angeklagte Berufung eingelegt, diese allerdings auf das Strafmaß beschränkt. Eine erneute Beweisaufnahme mit Zeugen blieb daher aus.

Laut Tenor des Urteils des Amtsgerichts hat er im Spätsommer vergangenen Jahres in nur gut sechs Wochen 18 schwere Straftaten begangen. Mehrfach brach er in Geschäftsräume und einmal in ein Privathaus ein und entwendete unterschiedliche Gegenstände. Einige Male blieb es beim Versuch. Zweimal hat er laut eigenen Angaben auch Autos aufgebrochen und vergeblich versucht, sie kurzzuschließen.

„Es war ganz knapp, Sie sind ein Grenzfall“, betonte der vorsitzende Richter Thomas Wolf jetzt in der Urteilsbegründung. Die Kammer folgte weder dem Antrag von Verteidiger Peter Thiel, der eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung gefordert hatte, noch Staatsanwalt Kurt Sippel, der auf Verwerfen der Berufung plädiert hatte.

Das Jugendstrafrecht gebe dem Gericht die Möglichkeit, dem jungen Mann aufzuerlegen, „sich die Bewährung zu verdienen“, so Wolf. In einem halben Jahr werde die Kammer dann erneut über eine Aussetzung der Strafe beraten.

Bereits seit einem halben Jahr sitzt der 19-Jährige in Untersuchungshaft. Das habe in ihm ein Umdenken bewirkt, beteuerte er. Er wolle arbeiten, sich eine Ausbildung suchen und straffrei leben. „Es hat mir keinen Spaß gemacht, Straftäter zu sein, es ist nun mal so, dass ein Krimineller kaum eine Zukunft hat.“

Die Taten seien unter Geldmangel geschehen, berichtete der Angeklagte. Kurz zuvor sei er zuhause rausgeflogen und seine Eltern hätten nur die Miete gezahlt. Wie der Vertreter der Jugendgerichtshilfe berichtete, sei der Jugendliche mehrfach aus der Familie genommen worden und habe in Heimen gelebt. Er sehe jedoch trotz damals begangener kleinerer Diebstähle bei dem jungen intelligenten Mann eine Chance, für ein normales Leben. Soweit wollte das Gericht noch nicht gehen. „Wir wissen noch nicht, was aus Ihnen werden wird.“ Gleichwohl gebe es eine Chance.

Er werde unter anderem durch einen Bewährungshelfer und Hilfen für junge Erwachsene unterstützt so Wolf, der abschließend mahnte, den Auflagen nachzukommen, unter anderem sich schnell um Arbeit zu bemühen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. (kse)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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