Musiker Paddy Schmidt erzählt vom Road-Trip bis an die Nordspitze Europas

Auf der Straße der Freiheit

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Frankenberg - Vom Streben nach Freiheit und von Fernweh handelt Paddy Schmidts Buch „Far Away“. In Frankenberg nahm der Folk-Rock-Musiker die Gäste bei einer Konzertlesung mit auf seine unterhaltsame und nicht immer stressfreie Reise zum Nordkap.

Unterwegs mit nicht viel mehr als Kaffee, Zigaretten, Aspirin, einer zerlegbaren Gitarre und einer Flasche Whiskey: Wer mit einer Harley-Davidson innerhalb von 18 Tagen einen rund 8000 Kilometer langen Trip angeht, der hat auf dem Motorrad nur Platz für das Nötigste. Paddy Schmidt und sein Freund Andrew Friedrich erfüllten sich im Juni 2012 einen Lebenstraum. Der Sänger der Folk-Rock-Band „Paddy 
Goes To Hollywood“ hat die Erlebnisse in seinem Buch „Far Away“ niedergeschrieben. Am Sonntagvormittag war er mit seiner Konzertlesung im „Klimperkasten“ in Frankenberg.

Bei Kaffee oder auch einem Guiness lauschen die rund 30 Zuhörer den Geschichten von Paddy Schmidt, der mit bürgerlichem Namen Harald Kligge heißt. Ein kleines Publikum – so wie es sich der Künstler bei seiner Tournee wünscht. Dann kann er seine Stücke akustisch spielen.

Wenn der Regen ABBA spielt

Seit über 20 Jahren steht Paddy Schmidt auf den Bühnen der Republik und weit darüber hinaus. Dem Publikum aus seinem eigenen Buch vorzulesen, ist etwas Neues für ihn. Statt in Kneipen und Hallen tritt der charismatische Musiker jetzt auch schon mal in Büchereien auf. „Das ist spannend, oft weiß ich nicht, was oder wer mich dort erwartet.“

Das ist auch in Frankenberg ähnlich. Langjährige Fans, Menschen die selbst schon am Nordkap waren oder Motorrad-Fahrer sind zur eher ungewöhnlichen Zeit um 11 Uhr sonntags in den Klimperkasten bekommen. Und schnell zeigt, sich, dass sie es nicht bereuen sollten.

Wie bei seinen Konzerten mit Gitarre zeigt Paddy Schmidt auch mit Buch und Kaffee auf dem Barhocker vollen Einsatz. Er nimmt die Gäste anhand von Musik und Bildern mit auf eine eindrucksvolle Reise.

Über allem steht die Frage: Warum ausgerechnet zum Nordkap? „Weil ich es will“ ist da nur die kurze Version. Schon als junger Moped-Fahrer habe er von den endlosen Straßen Skandinaviens geträumt. „Easy Rider brachte die Sehnsucht nach Freiheit, doch eine Reise in die USA war vielen zu teuer.“ Und so entdeckte er in Magazinen und durch Erzählungen den Nordkap. „Es entstand ein unbeschreibliches Fernweh-Gefühl.“

Als es dann viele Jahre später endlich auf den langen Weg nach Finnland geht, da bleiben er und Andrew Schmidt natürlich von keiner Panne verschont. Ob defekte Navigationsgeräte, die erfolglose Hotel-Suche nachts um zwei oder einfach nur schlechtes Wetter. Paddy Schmidt beschreibt das Abenteuer humorvoll und selbstironisch. Er sei mit der Zeit ein Schön-Wetter-Fahrer geworden. „Der Regen wird zum Platzkonzert. Alle je erschienenen ABBA-Melodien trommeln auf meinen Helm“ heißt es dann.

Schmidt verklärt die Reise dabei aber nicht. Er beschreibt, wie sich grenzenlose Freiheit nach vielen Tagen auf dem Zweirad in endlose Monotonie verwandelt. „Wenn es nur noch Schönes gibt, dann kann auch Schönheit abstumpfen.“ Seine Texte umrahmt er mit den passenden Liedern wie „Whiskey In The Jar“ oder „Dirty Old Town“, zu denen seine Fans mit einstimmen.

Letztendlich erreicht Paddy Schmidt sein Ziel: Er tritt am Eisenglobus mit seiner zerlegbaren Gitarre sowie Mundharmonika auf. Und er denkt an Francesco Negri, der bereits 1664 bei seiner Reise zum Nordkap schrieb: „Hier, wo die Welt zu Ende ist, hört auch meine Sehnsucht auf und ich kehre zufrieden nach Hause zurück.“ (tt)

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