Allendorf: Viessmann nimmt Biogas-Anlage in Betrieb

Strom für 1650, Wärme für 370 Häuser

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Auf dem Dach der neuen Biogasanlage informieren sich (von links) Horst Seide, Vorsitzender des Fachverbands Biogas, Firmenchef Dr. Martin Viessmann, Bürgermeister Claus Junghenn, Dr. Tino Weber, Geschäftsführer von Schmack Biogas, Ministerin Lucia Puttrich und Annette Viessmann. Links im Hintergrund ist die erste, vor drei Jahren eröffnete Biogasanlage zu sehen.

Allendorf (Eder) - Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich, Firmenchef Dr. Martin Viessmann und rund 120 weitere Gäste haben am Montag gemeinsam den Startschuss zum Betrieb der Anlage gegeben. Sie dient nicht nur der Energieerzeugung, sondern auch Forschung und Entwicklung.

Es ist die zweite Biogasanlage am Stammsitz des Unternehmens. Sie befindet sich direkt neben der bereits vor drei Jahren in Betrieb genommenen Anlage. Es handelt sich um eine Nassfermentationsanlage der Viessmann-Tochterfirma Schmack, in der unter anderem Gras, Pflanzensilage und Rindermist zu Biogas vergoren werden. Der Anteil von Mais als Substrat solle reduziert werden, kündigte Dr. Martin Viessmann an. Jährlich werden etwa 15000 Tonnen Substrat benötigt. Die Viessmann-Werke kooperieren mit heimischen Landwirten und dem Maschinenring Waldeck-Frankenberg.

Das Allendorfer Unternehmen hat sieben Millionen Euro in die neue Anlage investiert. Die Besonderheit: Das erzeugte Roh-Biogas wird auf Erdgasqualität aufbereitet und kann im öffentlichen Gasnetz gespeichert und transportiert werden.

Diese Tatsache lobte auch Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich. „Ich freue mich, dass der Bau von großen Biogasanlagen, die in das Erdgasnetz einspeisen, in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen hat“, sagte sie. Durch die Einspeisung ins öffentliche Gasnetz könne Biomethan zur Strom- und Wärmeerzeugung überall dort genutzt werden, wo es einen Gasanschluss gibt. „Das eröffnet uns große Potenziale für den Erfolg der Energiewende.“ Viessmann zeige, dass gleichzeitig die Schonung von Ressourcen und wirtschaftlicher Erfolg möglich seien. Die neue Anlage erzeugt jährlich 1,5 Millionen Kubikmeter Biogas. Das reicht aus, um 1650 Haushalte mit Strom und 370 Haushalte mit Wärme zu versorgen.

Martin Viessmann erinnerte daran, dass das Unternehmen mit dem Projekt „Effizienz Plus“ bereits bewiesen habe, dass die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung schon heute erreichbar sind. „Die neue Biogasanlage ist nicht nur ein weiterer Meilenstein unseres Nachhaltigkeitsprojekts Effizienz Plus“, sagte Viessmann. „Sie ist auch ein Beitrag, das Potential der erneuerbaren Energien besser zu nutzen und die Energiewende zum Erfolg zu führen.“

Mit Effizienz Plus spare das Unternehmen zwei Drittel fossile Brennstoffe ein. Durch die Inbetriebnahme der neuen Biogasanlage sinke der CO2-Ausstoß um weitere acht Prozent. Das Unternehmen setzt auf Biomasse. „Es ist ein heimischer Energieträger, der ganzjährig zur Verfügung steht und speicherbar ist.

Die Heizungsbranche sei der Schlüssel zum Gelingen der Energiewende, betonte Viessmann. Die hessische Landesregierung sei mit Einrichten des Energie-Gipfels „beispielhaft“ vorgegangen.

Und nicht nur das: Das Unternehmen will mit der Anlage forschen, um das Konzept „Power to Gas“ weiterzuentwickeln. Ziel ist, überschüssigen Strom aus Windkraft- und Solaranlagen durch Elektrolyse in Wasserstoff und in einem zweiten Schritt in synthetisches Methan umzuwandeln, um es ins Erdgasnetz einzuspeisen. Bei Viessmann sehen die Entwickler darin einen Schritt, das Problem der Speicherung erneuerbarer Energien zu lösen.

Horst Seide, Vorsitzender des Fachverbands Biogas, verwies auf das Potenzial von Biogas. „Unternehmen, die so innovativ sind, bringen unsere Branche nach vorne. Heinrich Heidel, Vize-Präsident des hessischen Bauernverbands, erinnerte an die Rolle der Landwirte. Sie seien in der Lage, hochwertige Lebensmittel zu produzieren und zugleich auch Energie bereitzustellen. „Und es gelingt, Wertschöpfung in der Region zu halten“, sagte Heidel.

Allendorfs Bürgermeister Claus Junghenn zeigte sich „froh über das klare Bekenntnis zur Region“. Viessmann habe in den vergangenen Jahren mehrere 100 Millionen Euro am Standort in Allendorf investiert. Die neue Biogasanlage sei ein weiterer „Meilenstein“ in der Unternehmensgeschichte.

Wegen schlechten Wetters war der erste Teil der Inbetriebnahme ins Info-Center der Viessmann-Werke verlegt worden. Die eigentliche Eröffnung mit einem symbolischen Druck auf den Startknopf fand wie geplant an der neuen Biogasanlage statt. In Gruppen wurden die Besucher durch die Anlage geführt.

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