Windenergie in Dodenau

Strom aus Wind im Luftkurort

So würden die Windkraftanlagen vom Hotel Waidmannsheil in Dodenau aus zu sehen sein: Diese Montage stellten die Planer in Dodenau vor.Montage Krug Energie

Battenberg-Dodenau - An der Grenze zu Nordrhein-Westfalen soll der vorerst letzte Windpark im Altkreis entstehen. Am Montag stellte der Investor seine Pläne erstmals den Dodenauer Bürgern vor. Der Einladung waren allerdings nur knapp 20 Interessierte gefolgt.

Die Firma Krug Energie aus Wollmar, Schwesterunternehmen von Krug Immobilien, will vier Windräder zwischen Dodenau und Elsoff bauen. Im Regionalplan Nordhessen soll die Fläche als Windvorranggebiet ausgewiesen werden. Die Firma Krug betreibt unter anderem die Solarparks in Laisa und Oberasphe und plant außerdem weitere Windkraftanlagen bei Wollmar, Rauschenberg, Münchhausen und Marburg.

Geschäftsführer Steffen Krug und seine Mitarbeiter stellten am Montag im Hotel Sassor die Pläne für den Windpark bei Dodenau vor. Es handelt sich um eine knapp 53,87 Hektar große Fläche in der Nähe der Außengehöfte Burghelle, Rudolfsgraben und Hof Binsenbach. Der Windpark befände sich also in etwa fünf Kilometer Entfernung (Luftlinie) zu Dodenau, wäre aber recht dicht an den Wittgensteiner Dörfern Elsoff und Alertshausen.

Hessen will zwei Prozent seiner Fläche für Windkraftanlagen zur Verfügung stellen – dabei soll es sich möglichst nicht um Naturschutzgebiete handeln. Weil gegen viele Flächen allerdings Proteste laufen, kommen auch Flächen wie die bei Dodenau in Frage. Alle vier geplanten Windräder befänden sich im Wald.

Fakten zum geplanten Dodenauer Windpark:

- Höhe: Die geplanten Flächen befinden sich in einer Höhe von etwa 550 Metern. Deshalb erwarten die Planer, dass der Wind stark genug bläst – errechnet wurden 6,3 Meter in der Sekunde. „Das lässt wirtschaftlichen Erfolg erwarten“, sagte Ralf Oberländer vom Planungsbüro IGU. Die Windräder wiederum sind etwa 200 Meter hoch, die Nabenhöhe liegt bei 140 Metern. Die Rotoren mit einem Durchmesser von 120 Metern sind auch von Dodenau aus zu sehen.

- Leistung: Die vier Nordex-Anlagen liefern je 2400 Kilowatt. Das würde rechnerisch ausreichen, um etwa 2200 Haushalte pro Jahr und Anlage mit Strom zu versorgen.

- Lautstärke: In Wohngebieten darf der Schall 45 Dezibel nicht übersteigen. „In Dodenau kommt an Schall mehr an“, sagte Oberländer über Dodenau. Auch für Elsoff und Alertshausen seien keine Auswirkungen zu erwarten, „das ist nicht wahrnehmbar“. Allerdings werden nach den Berechnungen an den Außengehöften die 45 Dezibel „angekratzt“. Im tatsächlichen Betrieb liege der Schall aber erfahrungsgemäß darunter.

- Schatten: Auch dabei sind vor allem die beiden Höfe betroffen. Weil die Grenzwerte überschritten werden, müssen die Windräder mit einer Abschaltautomatik ausgestattet werden: Scheint die Sonne zu lange, werden die Anlagen ausgeschaltet.

- Außengehöfte: Weil die Höfe besonders betroffen sind, kündigte Steffen Krug Gespräche mit den Besitzern an. „Wir suchen die Zustimmung und wollen das im Einvernehmen regeln“, betonte der Geschäftsführer. Zwei der Besitzer der Höfe besuchten die Informationsveranstaltung und hatten keine Einwände gegen die Windräder.

- Naturschutz: Schwarzstörche, Rotmilane und Fledermäuse leben vermutlich nicht in dem Gebiet. Allerdings müsse die Vogelwelt ein Jahr lang beobachtet werden, sagte Uwe Meyer vom Planungsbüro Meyer in Erndtebrück. Vorher darf kein Windrad gebaut werden. Im Extremfall scheitert das Vorhaben, weil die Tierwelt beeinträchtigt würde. „Das ist das unternehmerische Risiko“, sagte Steffen Krug. Die Anlagen wären wegen ihrer Größe auch ein Eingriff ins Landschaftsbild, gab er zu: „Letztendlich müssen sie aber irgendwo stehen.“ Das sah auch die Mehrheit der Besucher so.

- Stromtrassen: Ein Erdkabel würde von den Windrädern unter bestehenden Waldwegen zum Einspeisepunkt verlegt werden – möglicherweise am Auhammer. Die Entscheidung darüber treffe der Netzbetreiber.

- Jagd: „Wir rechnen nicht mit Jagdpachtbeeinträchtigungen“, sagte Uwe Meyer. Auf das jagdbare Wild hätten die Anlagen keine Auswirkungen, wenn sie in Betrieb sind. Während der Bauarbeiten erstattet Krug die Jagdpacht.

- Bürgerbeteiligung: Eine Genossenschaft ist nicht vorgesehen. Allerdings will Krug ein Sparbriefkontingent in Höhe von einer Million Euro auflegen. Bürger in Dodenau und Elsoff sollen dafür ein 14-tägiges Vorkaufsrecht erhalten. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

- Geld für die Stadt: Krug will 100000 Euro pro Windrad als Einmalzahlung an die Stadt überweisen. Außerdem würde Battenberg von der Gewerbesteuer profitieren. Der Betreiber will vor Ort eine Projekt-GmbH gründen, die den Windpark betreibt.

- Wege: Zu den Außengehöften führen enge Waldwege. Wie die riesigen Teile der Windräder zu den Standorten gebracht werden, ist noch offen, wird aber Bestandteil der Planung.

- Weitere Anlagen: Auf Dodenauer Gebiet sind keine weiteren Windräder mehr möglich, wenn das Gebiet in den Regionalplan aufgenommen wird. Allerdings ist die Firma Krug in Elsoff im Gespräch: Dort sollen Windkraftanlagen gebaut werden. Diese Planungen seien aber bei weitem noch nicht so weit wie in Dodenau, sagte Steffen Krug.

- Grundstücke: Schon vor längerer Zeit hat die Firma Krug bei den Grundstücksbesitzern nach der Bereitschaft gefragt, Flächen für den Bau von Windkraftanlagen abzugeben. Sie wollen die Gebiete verpachten. Unter anderem gehört die Kirchengemeinde Elsoff zu den Eigentümern.

- Flugplatz: Der Allendorfer Flugplatz ist bei der Vorauswahl der Windvorrangflächen schon berücksichtigt worden. Beim endgültigen Genehmigungsverfahren muss geklärt werden, ob der Bau von Windrädern den Flugbetrieb gefährdet.

- Stromverkauf: Noch ist es nicht möglich, doch Branchenkenner gehen davon aus, dass die Firma Krug den selbst erzeugten Strom langfristig direkt vermarkten möchte.

Wie die Situation am geplanten, beinahe dreimal so großen Windpark in Gemünden aussieht, lesen Sie in der FZ vom Mittwoch, 15. Oktober 2014.

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