Studentin schildert im Interview ihre Erlebnisse in Kairo

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Dörnholzhäuserin in Kairo: Die Besichtigung von Kulturstätten wie hier auf dem Foto ist für Sarah van Bentum im Moment nicht möglich. Sie erlebt in Kairo die politischen Unruhen mit. 

Frankenberg/Kairo. Sarah van Bentum wusste natürlich von der politisch unklaren Lage in Ägypten, als sie vor drei Monaten ihr Praktikum in Kairo begann.

„Dass ich jedoch zu dem historischen Zeitpunkt der größten Demonstrationen seit dem Sturz Hosni Mubaraks mitten in Kairo dabei sein sollte, konnte ich nicht ahnen“, sagt die 24-jährige Studentin aus Dörnholzhausen. Sie schildert der HNA, wie sie diese Situation erlebt.

Frau van Bentum, wie geht es Ihnen angesichts der Unruhen um Sie herum?

Sarah van Bentum: Im Moment hat man das Gefühl, mit jedem Wort eine Aussage zu machen, die im nächsten Moment schon nicht mehr gültig ist. Es geht mir so weit gut, bis Montagabend war die Atmosphäre in der Stadt sehr positiv und euphorisch, seit Dienstagnachmittag – dem Ablauf des Ultimatums der Oppositionsgruppe Tamarod, die Mursis Rücktritt fordern – herrscht auf einmal eine angespannte Stimmung.

Wie leben Sie in Kairo und können Sie sich ungehindert bewegen?

van Bentum: Das Leben in Kairo in den vergangenen Wochen war sehr frei, man konnte zu Fuß oder auch im Taxi überall hinkommen. Meine Wohngemeinschaft mit zwei Frauen, die ebenfalls ein Praktikum absolvieren, befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Nil im Zentrum Kairos. Es ist ein ägyptisches Viertel mit vielen Straßen- und Shishacafés. Schleichend scheinen sich jedoch die Alltagsmöglichkeiten zu ändern. Die Revolution des 30. Junis sorgt auch dafür, dass am Mittwoch mein erster „Home-Office“- Tag war. Selbst unser Bawab - der traditionelle ägyptische Hausherr - mahnt uns an, heute Abend nicht mehr das Haus zu verlassen, nachdem es erste Schießereien gegeben hat.

Was bekommen Sie von den Unruhen mit?

van Bentum: Egal, wo man sich zurzeit in Kairo aufhält, entkommen kann man der Revolution nicht. Sie ist durch die Schlachtrufe „Go Out“ (Geh’ raus) , Trommelschläge, das Kreisen der Militärhubschrauber und die überall wehenden ägyptischen Fahnen zu hören und zu sehen. Selbst wenn man sich in einem Gebäude aufhält, kann man das Revolutionsflair, was durch die Straßen weht, durch die offenen Fenster spüren.

Waren Sie etwa auf dem Tahrirplatz?

van Bentum: Auf dem Tahrirplatz war ich zuletzt am Samstagmorgen. Es war ruhig und friedlich, fast ein wenig schläfrig. Am Tag der Revolution des 30. Juni war ich nicht auf dem Tahrirplatz. Schließlich ist es die Revolution der Ägypter! Auch wenn es für mich als Europäerin interessant ist, so ein historisches Ereignis hautnah mitzuerleben, als ausnahmslos sicher würde ich es im Getümmel nicht bezeichnen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine/HNA Waldeckische Allgemeine.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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