Einige Einwohner sind ausgewählt, um Kompetenzen im Alltag zu untersuchen

Studie mit Gemündenern

Zufällig ausgewählt: Einige Gemündener machen bei einer Studie mit, die untersucht, welche Fertigkeiten und Kompetenzen Erwachsene im Alltag nutzen. Foto:  nh

Gemünden. Wie lese ich einen Beipackzettel? Wie finde ich im Stadtplan den kürzesten Weg zu einem Restaurant? Ist das Sonderangebot wirklich ein Schnäppchen? Und hilft mir dieser Link im Internet wirklich weiter? Solche Aufgaben aus dem täglichen Leben müssen 30 Gemündener für eine Studie über Alltagsfertigkeiten Erwachsener lösen. Sie wurden zufällig für die so genannte PIAAC-Studie ausgewählt, die weltweit in 25 Ländern stattfindet.

„PIAAC ist eine Art Pisa-Studie für Erwachsene“, erklärt Prof. Dr. Beatrice Rammstedt, die das Projekt in Deutschland leitet. Es gehe dabei um eine Kompetenzmessung, aber nicht bloß darum, am Ende ein Ranking der Länder zu erhalten: „Wir wollen herausfinden, wie sich Kompetenzen im Laufe unseres Lebens entwickeln und welchen Einfluss soziale, familiäre und berufliche Hintergründe darauf haben.“

Die Ergebnisse sollen Informationen für Entscheidungen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik liefern. „Wir wollen wissen, was wir verbessern und vielleicht von anderen Ländern lernen können“, sagt Rammstedt.

„PIAAC ist eine Art Pisa-Studie für Erwachsene.“

Projektleiterin Beatrice Rammstedt

Dass Gemünden für diese Studie ausgewählt wurde, sei ein Zufall. „Wir haben in Deutschland blind 320 Orte gezogen“, sagt die Psychologie-Professorin. Auch die etwa 30 Gemündener, die dann im einzelnen für die Studie herangezogen wurden, wurden zufällig über das Einwohnermeldeamt ausgewählt. Voraussetzung: Sie müssen zwischen 16 und 65 Jahre alt sein.

50 Euro für jeden Teilnehmer

Die Befragung selbst, die zwischen August 2011 und März 2012 stattfindet, sei relativ einfach, erklärt Beatrice Rammstedt: Die Teilnehmer werden angeschrieben, dass sie ausgewählt wurden. Dann kommt ein Interviewer vorbei, der zunächst persönliche Daten und  Fakten abfragt, wie Alter, Ausbildung, Beruf, Hobbys und Familienverhältnisse.

Im zweiten Teil arbeiten die Teilnehmer an einem Laptop die Alltagsaufgaben durch, mit denen ihre Kompetenzen und Fertigkeiten überprüft werden. „Das macht den Leuten in der Regel richtig Spaß“, sagt Rammstedt. Anderthalb Stunden etwa dauern Befragung und Test, 50 Euro bekommen die Teilnehmer als Aufwandsentschädigung.

Die Aufgaben gliedern sich in drei Bereiche:

• Zahlen: Dabei geht es zum Beispiel darum, Angebote eines Supermarkts zu vergleichen und eine Grafik zu interpretieren.

• Texte: Eine Aufgabe ist, den Beipackzettel eines Medikaments zu lesen und zu verstehen.

• Neue Technologien: Wie recherchiere ich im Internet? Ist ein Link, den mir Google vorschlägt, wirklich sinnvoll?

Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig, die personenbezogenen Daten würden streng vertraulich behandelt, versichern die Organisatoren. Und aus den Daten und Ergebnissen sei nicht ersichtlich, von welcher Person die Angaben stammen.

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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