Historische Grenzsteine stehen zwischen Birkenbringhausen und Ernsthausen

Stumme Zeugen aus Stein

Auf gute Nachbarschaft: Beim ersten Grenzgang der Gemeinde Burgwald 1992 trafen sich am Allendorfer Gedenk-Grenzstein „HD No. 89“ von links Routenplaner Detlef Engel, Grenzstein-Obmann Walter Sellmann, Burgwalds Ehrenbürgermeister Fritz Thiele, die Bürgermeister Lutz Klein (Battenberg), Robert Amend (Allendorf-Eder) und Adam Daume (Burgwald) sowie Ortsvorsteher Helmut Arnold (Berghofen).

Ernsthausen. Vor 20 Jahren nahm die Gemeinde Burgwald eine seit vielen Jahrzehnten verloren gegangene Tradition auf, als sie zum ersten Mal wieder zu einem Grenzgang einlud und viele hundert Einwohner drei Tage lang bei Traumwetter unterwegs waren.

Auch für Bottendorf gab es eine Premiere: Das erste „Dorfbrückenfest“ wurde zum Abschluss der Wanderung gefeiert mit 400 Gästen, getragen von allen Vereinen und mit einem Auftritt der „Burgwald Boys“. Mit dabei war erstmals auch nach DDR-Grenzöffnung eine Abordnung der Gemeinde Bottendorf/Thüringen mit Bürgermeisterin Margret Wenzel.

Bürgermeister Adam Daume und Erster Beigeordneter Karl Kamm als Initiatoren waren damals hochzufrieden über den „tollen Erfolg“, sodass die Burgwalder Gemeindevertretung am 28. Oktober 1992 beschloss, den Burgwalder Grenzgang alle fünf Jahre mit drei Etappen, unterschiedlichen Streckenvarianten, Frühstücksplatzen und Informationspunkten zu wiederholen.

Mit der Gebietsreform und dem Zusammenschluss von fünf Dörfern zwischen 1971 und 1974 zur Großgemeinde Burgwald hatten sich auch Außen- und Gemarkungsgrenzen verändert, und es gab für die Wanderer viele historische Entdeckungen zu machen. Insbesondere an der Grenze zwischen den alten Gemarkungsgrenzen von Ernsthausen, Rennertehausen, Berghofen, Münchhausen und Wollmar waren noch sehr gut erhaltene Grenzsteine aus dem 18. Jahrhundert vorhanden, die insbesondere von den traditionsbewussten Grenzgangsvereinen Münchhausen und Wollmar gepflegt worden waren.

Besonders markant besteint und mit entsprechender Beschilderung versehen ist die Grenze zwischen „Buchwaldskopf“ und „Langem Grund“, wo sich die Länder Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt berührten. Viele stummen Zeugen aus Stein sind durchgängig nummeriert und tragen die Jahreszahl 1754: Zu dieser Zeit war Wilhelm VIII. als Nachfolger von König Friedrich I. von Schweden, der 1751 gestorben war, Landgraf von „Hessen-Cassel“, wie auf den Steinen steht. Drei Jahre später begann der Siebenjährige Krieg, unter dem auch unsere Region zu leiden hatte.

Neue Sandstein-Wegmarke

Im Jahr 1989 nahm die Gemeinde Allendorf ihr Grenzgangsfest zum Anlass, an diesem „Dreiländereck“ (auch drei Ortsgemarkungen stoßen hier zusammen) den Grenzstein „HD No. 86“ durch eine neue Sandstein-Wegmarke mit der Inschrift „Grenzgang 1989 Allendorf/Eder“ zu ersetzen. Walter Sellmann (Allendorf/Eder), Obmann für historische Grenzsteine im Westteil des Landkreises, hat seitdem bei späteren Grenzwanderungen der Nachbargemeinden stets auf diesen historischen Punkt besonders hingewiesen und die Grenze mit Schilderungen, Skizzen und einem Rollenspiel bei der Bevölkerung in lebendiger Erinnerung gehalten.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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