Manfred Rogalle notiert seit 35 Jahren das Wetter in Ellershausen

Der tägliche Blick aufs Thermometer

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Manfred Rogalla nutzt seit 35 Jahren dasselbe Thermometer. Gemessen wird die Lufttemperatur im Schatten. Foto: A. Pauly

Frankenau-Ellershausen - Wie kalt war es in der Silvesternacht zum Jahrtausendwechsel? Wie warm am runden Geburtstag? Und wie hat sich die Durchschnittstemperatur in Ellershausen in den vergangenen 35 Jahren entwickelt? Manfred Rogalla kann all diese Fragen nach ein paar Mausklicks beantworten: Seit 35 Jahren protokolliert er täglich die Temperatur.

Der März dieses Jahres einer der bundesweit kältesten Märzmonate. Manfred Rogalla brauchte nur in seinen Listen nachzusehen, um zu erkennen, dass die Erkenntnis des Deutschen Wetterdienstes auch für sein Heimatdorf Ellershausen zutraf.

Die durchschnittliche Temperatur lag bei frostigen -0,82 Grad und damit deutlich unter dem März-Durchschnitt. Die Temperatur am Tag war teilweise sogar niedriger als die durchschnittliche Nachttemperatur im selben Monat in den vergangenen 35 Jahren.

Im Jahr 2012 war es noch anders herum: „Das war ein warmer März“, erinnert sich der 70-Jährige und zeigt auf die Tabelle: Der Mittelwert im März 2012 lag bei 7,06 Grad und lag damit als drittwärmster Märzdeutlich über dem langjährigen Monatsdurchschnitt.

Seit mehr als 35 Jahren protokollieren Manfred Rogalla und seine Ehefrau jeden Tag die Höchsttemperatur des Tages und die Tiefsttemperatur der Nacht. Eigentlich wollte der Ellershäuser anfangs ermitteln, in welcher Korrelation Temperatur und Verbrauch für die Stromheizung in seinem Haus stehen. Im Januar 1978 fing er deshalb an, die beiden Messpunkte aufzuschreiben.

Sein Thermometer hat Marker für die höchsten und tiefsten erreichten Temperaturen. Das Gerät sieht zwar nicht mehr ganz jung aus, hat aber schon ein moderneres Thermometer überlebt, das Rogalla einmal zur Überprüfung installiert hatte. Und weil es nie heruntergefallen ist, nie ersetzt wurde und von jeher an der gleichen Stelle hängt, geht Rogalla von verlässlichen Vergleichszahlen aus. „Für meine Zwecke war es immer ausreichend“, sagt der Ellershäuser.

Was einst ein praktischer Hintergrund war, ist längst ein Hobby geworden - und zwar eines mit Aussagekraft. Denn bis auf wenige Tage sind die Datenblätter vollständig.

Die Zahlen verwendet Manfred Rogalla für verschiedene Vergleiche: Die Jahresmitteltemperatur (die durchschnittliche Tages- und Nachttemperatur addiert und durch zwei geteilt) etwa lässt den Klimawandel deutlich erkennen: Seit 1978 ist sie konstant gestiegen, insgesamt um 0,408 Grad (siehe Grafik oben links). Für 2012 lag der Jahresmittelwert in Ellershausen bei 8 Grad.

Für Rogalla ist das mehr als eine abstrakte Zahl, nämlich ein Faktor, der in seinem zweiten Hobby - dem Obstanbau und der Beschäftigung vor allem mit alten Apfelsorten - von großer Bedeutung ist. „Für einen guten Obstertrag ist ein Mittelwert von 7,5 Grad nötig“, sagt er. Schon ein halbes Grad Unterschied bewirke eine zeitliche Verschiebung von Blüte, Vegetationszeitraum und Ernte.

Weil das Wetter eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Pflanzenwelt spielt, schreibt Rogalla nicht nur die Temperaturen nieder, sondern auch Anmerkungen zur Wetterlage und zur Entwicklung der Pflanzenwelt. So lässt sich in seinen Notizen ablesen, dass der Seidelbast in diesem Jahr fast sechs Wochen später dran ist als 2012.

In seinen Aufzeichnungen zeigt sich auch, dass die „Eisheiligen“ oder die „Schafskälte“ in den meisten Jahren tatsächlich mit Temperaturstürzen verbunden sind. Deutlich wird außerdem, dass die Differenz zwischen Tages- und Nachttemperaturen im Sommer deutlich höher sind als im Winter.

Auf die diesjährige Obsternte hat der kalte März übrigens laut Rogalla keine negativen Auswirkungen: Die Pflanzen waren im Vormonat noch in der Winterruhe. Die Kälte hat den noch geschlossenen Blüten also noch nicht schaden können.

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