Herzlichen Glückwunsch, Joy Thonet

Täler durchschreiten, Höhen genießen

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Jolanda „Joy“ Thonet, geborene Momberger, feiert am Sonntag – nach der Messe in der katholischen Kirche – ihren 95. Geburtstag im Kreise der Familie, von Freunden und guten Bekannten.Foto: Malte Glotz

Frankenberg - Es ist ein Leben, das ein Stück deutscher Geschichte erzählt, von Aufstieg, Fall und Wiederbelebung eines Familienunternehmens und von der Kunst, weiterzumachen: Joy Thonet, "Grande Dame" des heimischen Traditionsunternehmens, begeht am Sonntag ihren Geburtstag.

Es lag alles in Trümmern 1945. „Das war einfach nur furchtbar“, erinnert sich Jolantha „Joy“ Thonet. Sie gestaltete den Wiederaufbau des zerbrochenen, geteilten, ausgebombten und enteigneten Familienunternehmens maßgeblich mit. Und wurde heimisch in einer Stadt, die eigentlich nur ein Standort unter vielen war und heute Hauptsitz eines Unternehmens von Weltrang ist. Joy Thonet, geborene Momberger, feiert am Sonntag ihren 95. Geburtstag; geistig frisch, körperlich fit.

Die Wiege des heutigen Familienoberhauptes der Thonets stand in Freiburg. Große Städte prägten ihre frühen Jahre: In Frankfurt absolvierte sie ihre Ausbildung, in Wien heiratete sie 1942 ihren Mann, den Ingenieur Georg Thonet. Und die österreichische Hauptstadt spielt bis heute eine große Rolle in ihrem Leben: „Ein Sohn vertritt unsere Firma dort und es freut mich, dass er in Wien so viele Kontakte hat“, sagt sie: Noch immer gibt es viel Familie in und um die Hauptstadt der Alpen-republik. Auch kirchliche Bindungen nach Wien pflegt die gläubige Katholikin.

Doch heimisch werden musste sie nach dem Krieg in Frankenberg. Seit 1942 lebte sie an der Eder und vertrat das Unternehmen. „Mein Mann ist vorher nie in Frankenberg gewesen“, erinnert sie sich. Die Familie lud Menschen aus der Region ein, engagierte sich für den Neubau des katholischen Gotteshauses. „Hier gab es ja damals fast nur Protestanten“, erinnert sich Thonet, die selber protestantisch getauft wurde und später aus Liebe zu ihrem Gatten konvertierte.

So baute sich die Familie ein Netz auf, in das 1943, 1947 und 1957 die Söhne Claus, Peter und Philipp geboren wurden. „Ich bin froh, dass sie das Unternehmen inzwischen in sechster Generation führen“, sagt Joy Thonet und ein verschmitztes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Nach turbulenten Jahren sei die Firma jetzt in ausgesprochen fähigen Händen, merkt sie erleichtert an.

Es ist nicht so, dass sie selbst noch jeden Tag im Werk unterwegs ist. Doch wird sie dort erkannt, begrüßt. „Wir haben sehr loyale Mitarbeiter“, freut sie sich - das sei nach dem Krieg so gewesen und es ist bis heute so geblieben. Sie würden dafür sorgen, dass Thonet bis heute einen guten Namen hat.

Joy Thonets Interesse gilt zu Beginn ihres 96. Lebensjahres weniger dem Möbelbau als dem Lesen: „Ich lese viel Altes noch einmal und merke, dass man doch im Laufe der Zeit einiges vergisst“, gibt sie zu. Gerade war ein Buch über die Familie Ribbentrops Lektüre, zu der sie freundschaftliche Bande unterhält. „Ganz ehrlich, heute wird nicht mehr so viel Gutes geschrieben wie früher“, sagt Joy Thonet mit der Kenntnis von 95 Jahren. Dennoch füllt auch moderne Literatur ihr gut bestücktes Bücherregal. Daneben gilt ihr Interesse dem Hund - „wir hatten immer Hunde“, sagt sie. Poldi, ein Mischling aus dem Tierheim, ist der aktuelle Liebling von Joy Thonet.

Er darf dabei sein, wenn am Wochenende gefeiert wird. Viele Bekannte aus der Kirche, gute Freunde, die Familie aus der Region und aus Wien sind eingeladen. Die Donau-Metropole, aber auch Rom stehen auf der Liste der Ziele, die Joy Thonet mit 95 Jahren ansteuern möchte. Die Frankenberger Zeitung wünscht dafür nur das Beste.

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