100 Jahre TSV Battenberg

Vom Tennisboom ist wenig geblieben

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Zwei Plätze und ein schmuckes Vereinsheim zeugen von den guten Zeiten der Tennissparte. Geblieben sind nur Aktive im Rentenalter wie Werner Wickenhöfer. „Der Tennissport ist in den Hintergrund geraten“, sagt der 75-Jährige.Foto: Mark Adel

Battenberg - Der TSV Battenberg feiert in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen. Höhepunkt ist das Sport- und Heimatfest von 8. bis 11. Juni. Die Frankenberger Zeitung stellt in den nächsten Wochen die Sparten vor - heute die Tennisabteilung.

Als die Battenberger das Tennisspielen lernten, war von Boris Becker oder Steffi Graf noch keine Rede. Werner Wickenhöfer erinnert sich gerne an diese Zeiten, an die 70er und 80er, als der „weiße Sport“ in Battenberg boomte. Geblieben ist davon nicht viel.

Wickenhöfer spielt noch heute regelmäßig und mit großer Begeisterung Tennis. Mit seinen 75 Jahren gehört er zu den Aktivposten der Sparte, die mal eines der Aushängeschilder des TSV Battenberg war. Ein schmuckes Vereinsheim, eine Tennisanlage in bester Lage, aber immer weniger Spieler: Die Abteilung teilt das Schicksal vieler Tennisvereine.

1973 war die Sparte gegründet worden. Werner Wickenhöfer stieß fünf Jahre später dazu. Er hatte gerade mit dem Fußballspielen aufgehört und suchte nach anderer sportlicher Betätigung. Damals gab es noch keine Tennisplätze. Wie andere Sparten des TSV auch, nahm das Tennisspiel seinen Beginn in der Festhalle. Dort malten einige Sportler die Spielfelder auf und schlugen einige Bälle.

1973 schlug die Geburtsstunde der Sparte: Im Hotel Rohde gründeten 21 Frauen und Männer die Tennisabteilung des TSV. Erster Spartenleiter war Klaus Czeczatka. Die Sparte wuchs, begeisterte Jugendliche für den Tennissport, und so wurde schnell der Wunsch nach einem Vereinsgelände laut. Die Stadt bewilligte 1976 den Bau von zwei Plätzen und stellte das Gelände zur Verfügung. Die Anlage wurde schon wenige Monate später eröffnet.

Auch sportliche Erfolge stellten sich schnell ein, der Verein wuchs zudem und hatte 1978 schon 117 Mitglieder, die auch fast alle aktiv spielen wollten. „Da war ein mächtiges Gedränge auf den Plätzen.“

Es sei eine schöne, bewegte Zeit gewesen, erinnert sich Wickenhöfer. Die Getränke wurden im Bach gekühlt, und auf den Wiesen oberhalb der beiden Plätze wurde manche wilde Party gefeiert. „Da wurden auch schon mal Kühe geritten.“

Dem Verein ging es gut. 1983 wurden das Vereinsheim fertiggestellt und das zehnjährige Bestehen gefeiert - mit dem ehemaligen Fußball-Nationaltorwart Sepp Meier als Stargast.

„Anfang der 80er Jahre herrschte eine regelrechte Aufbruchstimmung“, erzählt Werner Wickenhöfer. „Es gab einen Boom.“ Um abends länger spielen zu können, wurde eine Flutlichtanlage installiert. Die war für das Training nach der Einführung der Sommerzeit zwar bald schon wieder überflüssig, die „Flutlichtturniere“ waren aber bald bei Tennisspielern in ganz Nordhessen bekannt.

„Das hat sich als Volltreffer erwiesen“, sagt Werner Wickenhöfer. Bis 2008 fanden die ungewöhnlichen Wettkämpfe statt. 1985 wurden zwei weitere Tennisplätze gebaut, weil die Mitgliederzahl immer weiter wuchs. Auch sportlich feierte die Sparte Erfolge.

Doch geblieben sind fast nur Erinnerungen an diese großen Zeiten. „Mit dem Tennisleben bei uns geht es gravierend bergab“, sagt Wickenhöfer. Gute Nachwuchsspieler haben aus beruflichen Gründen Battenberg verlassen. „Die Generation, die jetzt für Vorstandsarbeit und den Sport da sein müsste, ist verlorengegangen. Wir haben den sportlichen Unterbau verloren.“

Derzeit gibt es noch zusammen mit dem SV Allendorf eine Mannschaft mit Sportlern über 50, eine 40er-Mannschaft musste den Betrieb wieder einstellen. „Die Jugendlichen fehlen“, sagt Werner Wickenhöfer. „Wir sind auf einem absteigenden Ast.“ Spartenleiter Siegfried Franke sucht schon lange vergeblich nach einem Nachfolger. Zu den besten Zeiten hatte die Gruppe 220 Mitglieder, heute sind es noch 87, von denen die meisten gar nicht mehr spielen. Darunter hat auch die Pflege der Vereinsanlage gelitten.

Immerhin: Noch treffen sich einige Mitglieder regelmäßig zum Spielen, noch ist immer mal wieder Leben im gemütlichen Tennisheim. Die zwei neueren Plätze liegen brach und werden nicht mehr gepflegt. Siegfried Franke hofft, andere Nutzer zu finden und damit vielleicht auch das Vereinsheim wiederzubeleben.

Werner Wickenhöfer ist kein Pessimist, doch an eine Zukunft der Tennissparte glaubt er nicht. „Man kann nicht erwarten, dass es ein gutes Ende nimmt“, sagt er. „Der Tennissport ist in den Hintergrund geraten.“ Auch wenn die Battenberger schon vor Boris Becker und Steffi Graf die Bälle übers Netz schlugen.

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