Darstellendes Spiel an der Edertalschule

Die Texte sind nur der "Steinbruch"

+
Der Kurs von Lehrerin Ingrid Obermann zeigte gestern Abend Auszüge aus Max Frischs „Andorra“ mit durchaus humorigen Aspekten. Eltern und Mitschüler verfolgten die Vorstellungen der vier Gruppen in der Kulturhalle.Foto: Mark Adel

Frankenberg - Woyzek mit Elementen aus Brechts epischem Theater und aggressive Schüler: Beim Kurs Darstellendes Spiel geht es an der Edertalschule bunt zu. Im Vordergrund stehen Entwicklung und Kreativität der Schüler. Das Fach wird bei den jungen Künstlern immer beliebter.

von Patricia Kutsch

Frankenberg. Darstellendes Spiel unterscheidet sich von den klassischen Unterrichtsfächern: Die Schüler müssen mit vollem Körpereinsatz dabei sein, Ideen entwickeln und sich auf kreative Prozesse einlassen. Theorie muss zwar auch sein - aber viel wichtiger sind in diesem Fach ideenreiche Projekte. „Anders als sonst im Unterricht müssen die Schüler beim Darstellenden Spiel den Kopf ausschalten, improvisieren und Ideen entwickeln“, erklärt Lehrer Paul Möllers. Dann erst dürfen sie wieder nachdenken und ihre spontanen Ideen weiterentwickeln, sich Kulissen und Spielarten überlegen.

Wer ganz klassische Schauspielerei lernen will ist bei Darstellendem Spiel fehl am Platz: „Wir bilden keine Schauspieler aus“, betont Möllers. Die Schüler sind in diesem Kurs Dramaturgen, Regisseure, manchmal auch selbst die Autoren - darum geht es Möllers aber nicht. „Der Prozess der Entwicklung ist das Entscheidende.“ Der Lehrer gibt nicht wie ein Regisseur Spielanweisungen. Er gibt Impulse, die Ideen für die Umsetzung von Themen müssen die Schüler schon selbst entwickeln. Möllers geht mit seinen Schülern beispielsweise das epische Theater von Brecht durch. Das dürfen die jungen Mimen aber nicht einfach vorlagengetreu auf die Bühne bringen. Sie nutzen es als „Steinbruch“ und entwickeln aus der Vorlage ganz eigen interpretierte Szenen, manchmal mit Stilelementen aus anderen Epochen, manchmal auch mit einem ganz neuen Ende. Für die Schüler hat das Schauspielen laut Möller auch im Privatleben Vorteile: „Allein die Körperübungen machen das eigene Auftreten bewusster.“

Die Entwicklung von Szenen und Ideen kann zeitfüllend sein: Die vier Kurse des zwölften Jahrgangs beschäftigen sich schon das gesamte Schuljahr mit einem selbstgewählten Thema. Gestern Abend veranstalteten sie eine Werksschau. Sie zeigten dem Publikum einzelne Ausschnitte aus dem Unterricht. Der Kurs von Möllers beschäftigte sich beispielsweise mit Aggressionen. Er ließ Schüler sich gegenseitig anbrüllen. Ungewöhnliche Einblicke in Max Frischs „Andorra“ gab der Kurs von Ingrid Obermann. Katrin Ortwein übte mit ihren Schülern Szenen aus dem Märchen vom „Struwwlpeter“. Shakespeares Sommernachtstraum bekam von den Schülern aus Antje Raus Kurs ein neues Gesicht.

Kommentare