Frankenberg

Theater-AG feiert kein „Fest“ der Liebe

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- Frankenberg-Schreufa (apa). Die Theater-AG der Edertalschule spielt „Das Fest“ nach einem Film von Thomas Vinterberg im Dampfmaschinenmuseum in Schreufa. Einen vergnüglichen Abend verbringen aber weder die Gäste der Geburtstagsfeier auf der Bühne, noch das Publikum, das dabei zuschaut. Denn die Inszenierung handelt von zwei Themen, die zerstörerischer kaum sein könnten: Missbrauch und Selbstmord.

Fassaden und Abgründe, Wahrheit und Lüge, Verzweiflung und Schuld kommen auf den Festtagstisch. Anfangs erscheint alles ganz normal: Helge feiert seinen 60. Geburtstag. Zur Feier versammeln sich Familie und Freunde. Darunter finden sich neben Helene (Isabelle Kutting), Michael (Patrick Wetter) und Christian (Benedikt Krämer) auch einige bewusst überzeichnetet Charaktere: der schwadronierende Opa, die tattrige Oma Schröder (herausragend: Kira Drössler), der grunzende Onkel, der stets übertreibende Stimmungsmacher Helmut und die tussige Susi.

Schnell wird klar, dass dies keine Bilderbuchfamilie ist. Christians Zwillingsschwester Linda hat sich umgebracht, und Michael scheint das schwarze Schaf der Familie zu sein, beruflich erfolglos und respektlos seiner Frau gegenüber. Über allem stehen der freundliche Patriarch Helge (Thomas Wachtenfeld) und seine immer auf Perfektion bedachte Ehefrau Else, deren zweiter Vorname Contenance lauten müsste. Charlotte Finger meisterte in dieser Rolle eine schwierige Aufgabe: Sie musste auch dann noch unbeteiligt lächeln, wenn jeder andere schockiert und fassungslos wäre. Denn so falsch wie die Töne im Geburtstagsständchen der völlig über- und aufgedrehten Landfrauentruppe sind auch die Eindrücke, die die Gratulanten und Gäste der Geburtstagsfeier von Familienoberhaupt Helge haben und das Bild, das dieser von sich selbst zeichnet.

Mehr als eine Dreiviertelstunde nimmt sich die Theater-AG, um ein umfassendes Bild dieser scheinbar normalen Familie zu zeichnen, bevor ausgerechnet Christian, der introvertierte, höfliche, beruflich erfolgreiche Sohn, die Bombe platzen lässt. Er wirft seinem Vater vor allen Gästen vor, ihn und seine Schwester Linda sexuell missbraucht zu haben. Lindas Geist (Larissa Stark) steht dabei neben ihm. Sie leidet sichtlich, aber stumm, als Christian am Ende der Rede zynisch das Glas auf seinen Vater erhebt. Weitere Aufführungen finden am 13., 14.und 15 Mai jeweils ab 20 Uhr statt.

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