800 begeisterte Zuhörer bei Weihnachtsoratorium der Kantorei und des Oberstufenchors der Edertalschule

Von tiefer Vorfreude auf das Fest geprägt

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Frankenberg - „Jauchzet, frohlocket ...“ diese berühmten Anfangsworte aus dem wohl bekanntesten Weihnachtsoratorium stehen sinnbildlich für die zwei Aufführungen der Kantorei der Liebfrauenkirche unter Daniel Gárdonyi am Wochenende.

Mit frischen Ideen und engagierten Tempi interpretierte Gárdonyi die barocke Musik neu und zeigte seine Handschrift deutlich. Die rund zweistündige Aufführung war geprägt von tiefer Vorfreude auf das Weihnachtsfest und schenkte den Zuhörern Entspannung und Besinnlichkeit in der hektischsten Zeit des Jahres.

Ausgewogenes Klangbild

Aus den sechs Kantaten Johann Sebastian Bachs hatte Gardonyi die erste, dritte und sechste ausgewählt, welche den inhaltlichen Rahmen des Oratoriums bilden. Sie sind mit Flöten, Oboen und Trompeten besetzt, was sie sehr feierlich klingen lässt. Der Chor hat eine kommentierende Funktion, er gestaltet stets eine große Eingangsnummer, die Choräle sowie den Schlusschoral „Nun seid ihr wohl gerochen, an Eurer Feinde Schar“. Hierin fasst Bach noch einmal die Weihnachtsbotschaft zusammen und schlägt eine Brücke zu Karfreitag und Ostern, in dem er singen lässt „Denn Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war.“

Die Kantorei zeigte sich akribisch vorbereitet, zahlenmäßig stark und sehr willens und auch fähig, ihrem Leiter zu folgten. Der wählte richtigerweise sehr flotte Tempi für die anspruchsvollen Eingangschöre, so dass die Kantorei langen Phrasen ausgezeichnet singen konnte. Die versetzten Einsätze fielen ihr leicht, insgesamt erzielte die Kantorei ein ausgewogenes Klangbild, mit ganz leichten Vorteilen für die tiefen Männerstimmen. Für die sechste Kantate verstärkte der Oberstufenchor der Edertalschule das Ensemble. Dies verstärkte in erster Linie die Frauenstimmen und verjüngte das Stimmbild.

Das Kammerorchester Matthias Erbe begleitete die Kantorei. Es musizierte herausragend. Die Streicher waren zwar klein besetzt, aufgrund ihrer Qualität hatten sie jedoch in der Gesamtbalance keine Probleme. Im Gegenteil, sie halfen die Aufführung transparent und flexibel zu halten. Und das war auch nötig, den die Continuo-Orgel hatte größte intonatorische Probleme. Ein Wunder, wie da die Instrumentalsolisten zurechtkamen. Sabine Nobis und Christopher Hilmes hatten ihre liebe Mühe die Oboen zu intonieren, meisterten dies aber bravourös. Nobis zeichnete sich noch durch ihre Soloparts an der Oboe d´Amore aus. Die drei Trompeten zusammen mit den Pauken hatten einen sehr anspruchsvollen Part zu bewältigen. Manfred Bockschweiger spielte mit einer souveränen Leichtigkeit der heikelsten Parts und konnte sich in hohen Stellen sogar zurücknehmen.

Das Gesangsquartett war sehr ausgewogen. Leider schien Sopranistin Marie-Pierre Roy gesundheitlich stark angeschlagen zu sein, was vor allem Barbara Bräckelmann hervortreten ließ. Ihre Altarie war ein Traum. Auch der Bass war mit Johannes Weinhuber glänzend besetzt. Christian Georg führte als Evangelist (Tenor) quasi durch das Konzert. Butterweiche, zart schmelzende Höhen, lockere Koloraturen - so wünscht man sich diese exponierte Partie.

Dies alles unter der Leitung von Kantor Daniel Gárdonyi: Er zeigte mit dieser Aufführung sehr deutlich seine neue und frische Handschrift: ein Profiorchester, welches die Chöre hervorragend begleitete, und dazu eine sehr gut vorbereitete Kantorei, zusammen mit jungen Schülerstimmen. Ausgewogene, schnelle Tempi in den Eingangschören, flexible und affektenreiche Arien und Rezitative - ein wohltuender, neuer Klang. Einzig: So mancher Choral könnte ein wenig tiefer ausgearbeitet werden. Gárdonyi dirigierte sehr umsichtig und versprühte mit seiner Gestik viel Energie, getreu des Bach´schen Textes: „ ... auf, preiset die Tage, rühmet was heute der Höchste getan!“. Lang anhaltender Applaus war der Dank und für die Zuhörer die Vorfreude auf Weihnachten.

Von Markus Wagener

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