Battenhäuserin rettet Pferde vor dem Schlachter

Tierschutz als Lebensaufgabe

Haina - Battenhausen - Es gibt Menschen, die über Tanja Kaiser den Kopf schütteln: Sie hat zehn Pferde und Ponys, von denen nur zwei überhaupt reitbar sind. Doch sie hat die Tiere nicht für Sport und Spaß, sondern weil ihnen niemand anders eine Chance gab. Zum ersten Mal hat sie nun ein Pferd auf dem Hof, für das jede Hilfe zu spät kommt.

In Offenställen, Boxen und Ausläufen auf dem Hof von Tanja Kaiser leben Pferde und Ponys, von denen die meisten längst nicht mehr leben sollten. Ein zweijähriger Palomino zum Beispiel. Der Kleine ist aus neurologischen Gründen wackelig auf den Beinen, und ihm fehlt jedes soziale Herdenverhalten. „Aber sonst geht es ihm gut“, sagt Tanja Kaiser. So weit sie weiß, war das junge Pferd eingepfercht, bis es zu ihr kam.

Auch, wenn sie Tiere aufnimmt, die ansonsten sterben würden: Sie betreibt keinen Gnadenhof, betont die 43-Jährige. Ihr Ziel ist es immer, die Tiere aufzupäppeln und dann weiterzuvermitteln, allein schon aus Kostengründen.

Ihren bisher schwersten Fall hat die Battenhäuserin erst vor wenigen Tagen auf den Hof bekommen: eine abgemagerte und ungepflegte Araberstute.

Vor allem die Hufe verrieten, dass das Tier jahrelang vernachlässigt worden sein muss. „Meine Tierärzte schätzen, dass sich ungefähr seit sieben Jahren niemand um die Hufe gekümmert hat“, berichtet sie fassungslos. Normalerweise müssen Hufe alle acht bis zehn Wochen ausgeschnitten werden.

Durch die verkrümmte Trittfläche und die Schmerzen hat das Tier sein Gewicht über Jahre hinweg so sehr verlagert, dass sich zudem die Knochen verformt haben. Die Tierärzte hätten ihr keine Hoffnung gemacht, sagt Tanja Kaiser: Das rechte Vorderbein des Arabers sei so verkrümmt, dass es bei einem einzigen falschen Tritt brechen könne. Laufen ist für das Pferd nur noch unter dem Einfluss von Schmerzmitteln möglich. In der nächsten Woche werde sie es in die Tierklinik bringen müssen, um es einschläfern zu lassen, sagt Tanja Kaiser.

Wie kann es so weit kommen?, fragt sie sich. Wie kann es sein, dass ein Pferd jahrelang irgendwo lebt und niemandem auffällt, dass es nicht ausreichend versorgt wird? Warum schaffen sich Menschen Pferde an, die nicht alle zwei Monate 30 Euro für die Hufpflege ausgeben können oder wollen? Warum hat der Tierschutz nicht eingegriffen? Und sie fragt sich, warum in Deutschland jeder Tiere halten darf, ohne nachweisen zu müssen, dass er die nötige Sachkenntnis und die entsprechenden Voraussetzungen hat. (apa)

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