Frankenberger Kulturring lud ein zur Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“

Todsichere Theatermixtur

Zwölf Leichen im Keller: Das hätte man den beiden liebenswerten Tanten Martha (Thomas Streibig) und Abby Brewster (Michael Köckritz) nun wirklich nicht zugetraut. Fotos:  Völker

Frankenberg. Kleinbürgerliche Behaglichkeit und nacktes Entsetzen, „Arsen und Spitzenhäubchen“, selbstgemachter Holunderwein und die „klitzekleine Prise Zyankali“ – diese todsichere Theatermixtur schäumte in der Ederberglandhalle in voller Dosierung, als das Hessische Landestheater Marburg auf Einladung des Frankenberger Kulturrings zu Gast war. Joseph Kesselrings Kriminalgroteske von 1941 erlebte in der Inszenierung von David Gerlach ein gelungenes Comeback.

Die skurrile Handlung von „Arsen und Spitzenhäubchen“ lebt im Wesentlichen davon, dass in der biederen Kulisse eines spießigen Hauses mit zwei liebenswerten, aber mörderischen Tanten jede Menge Leichen versteckt und begraben werden müssen. Abgründe tun sich auf im Keller und in den Köpfen, zwischen verrückt und normal lässt sich nur schwer unterscheiden.

Viel schwarzer Humor

So viel schwarzer Humor ist raumgreifend, braucht Treppen, Kellerstiegen, Winkel – die kleine Bühne der Ederberglandhalle reichte nicht, darum etablierte das Marburger Theater sein Horrorkabinett auf einer Plattform mitten im Zuschauerraum. Da saß das Publikum, anfangs durch die kurzfristig aufgehobene Platznummerierung etwas irritiert, plötzlich mittendrin in der quirligen Mischung von überraschenden Seitenauftritten, turbulenten Parallelhandlungen und übersteigerten Slapstick-Einlagen und fühlte sich von dem glänzend aufgelegten Ensemble bestens unterhalten.

Michael Köckritz und Thomas Streibig als die beiden Tanten, die so gern einsame alte Herrn ins Jenseits befördern, wirkten überhaupt nicht tuntig, sondern höchst pragmatisch und beherzt. Torsten Stoll jonglierte als Neffe Mortimer Brewster am Abgrund des Nervenzusammenbruchs, seine Braut Elaine Harper (Anne Margarete Greis) war erfrischend gefasst. Jürgen Helmut Keuchel verlieh dem Onkel „Teddy“ Roosevelt mit Trompete und Grabschaufel staatsmännische Genialität. Stefan Gille als Jonathan Brewster mit der Frankenstein-Visage und Stefan Piskorz als nervös-alkoholisierter Dr. Einstein verbreiteten bis zum Schluss Gänsehaut.

Es gab Klamauk und einstürzende Bühnenbauten, aber immer wieder auch herrliche Szenen, etwa wenn die korpulente Polizistin und verkappte Theaterautorin O’Hara zum Song „Big Spender“ ihre eigene Show, sprich: Uniform, abzieht. In weiteren Rollen sorgten Peter Meyer (Pastor Harper), Daniel Sempf (Polizist Brophy), Bernd Kruse (Mr. Gibbs), Markus Klauk (Mr. Witherspoon), Uta Eisold (Nervenärztin Gilchrist) und Florian Federl (Richter Cullmann) für Amüsement. Der herzliche Beifall galt am Ende dem gesamten Ensemble, aber auch der Technik, die die Ederberglandhalle aufwändig zum Horrorkabinett umgebaut hatte.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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