FZ-Wahlforum zur Bürgermeisterwahl

Tourismus, Discobus und Kläranlage

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Auf dem Podium beim FZ-Wahlforum (von links) Redaktionsleiter Malte Glotz, die Bürgermeisterkandidaten Rainer Hesse und Frank Gleim sowie Redakteurin Andrea Pauly.Foto: Patricia Kutsch

Gemünden - Frank Gleim und Rainer Hesse mögen den fairen Wahlkampf und würden auch ein Bier miteinander trinken. Doch wer ist der bessere Bürgermeister? Davon wollten sich rund 200 Gemündener beim FZ-Wahlforum überzeugen.

Netzwerk als Qualifikation? Aus Rainer Hesses Sicht ist seine CDU-Zugehörigkeit ein Punkt, der ihn fürs Bürgermeisteramt qualifiziert, weil er Kontakte über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus hat. Zudem verfüge er über eine lange kommunalpolitischen Erfahrung. Hesse wird bei der Wahl von der CDU unterstützt.

Amtsinhaber Frank Gleim ist seit fast sechs Jahren Bürgermeister „und ich habe in dieser Zeit Gutes für Gemünden getan“. Außerdem sei es seine Heimatstadt. Parteiliche Netzwerke sieht er als weniger wichtig an.

Am 6. Juli sind die Gemündener aufgerufen, den Bürgermeister zu wählen. Aber wen? Unentschlossenen gab das FZ-Wahlforum am Donnerstagabend darüber Aufschluss. FZ-Redaktionsleiter Malte Glotz und Redakteurin Andrea Pauly fühlten beiden Kandidaten auf den Zahn.

Erstes Thema: die Haushaltslage. Rainer Hesse will 2016 den Haushalt ausgleichen, ab 2017 Schulden tilgen. Malte Glotz wollte wissen, wie. „Ich will die größeren Kostenfaktoren überprüfen“, entgegnete Hesse. Auch mit interkommunaler Zusammenarbeit will er Geld sparen. Die Zusammenarbeit zwischen Städten und Gemeinden will auch Frank Gleim aktiver gestalten. Er wies zudem darauf hin, dass in diesem Jahr bereits mehr Schulden getilgt als neue Kredite aufgenommen würden. Im Wahlprogramm schreibt er von „kreativen Ideen“. Als Beispiel nannte er am Donnerstag die geplante Versorgung öffentlicher Gebäude mit Nahwärme.

Auch der umstrittene Bau der Kläranlage wird von den FZ-Redakteuren angesprochen. Vor allem die geplante Finanzierung über Beiträge erhitzt die Gemüter. Reiner Hesse spricht sich beim Forum dafür aus, die Gebühren über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren „moderat“ zu erhöhen, statt einmalig „Bescheide in vierstelliger Höhe“ zu verschicken.

Eine weitere Aussage aus Hesses Wahlprogramm: Förderprogramme sollten besser genutzt werden. Malte Glotz wollte das genauer wissen. Der CDU-Kandidat verwies auf die Leader-Region und auf das Programm „Soziale Stadt“. „Da besteht die Möglichkeit, das noch mehr zu nutzen.“

Auf der einen Seite sieht Hesse seine Parteizugehörigkeit und die damit einhergehenden Kontakte in die „große“ Politik als Vorteil - auf der anderen Seite „spielt die Parteimitgliedschaft in einer kleinen Kommune keine große Rolle und sollte nicht ausschlaggebend sein“, gab er zu: „Es geht um die Sache.“

„Mehr Arbeit vor Ort, Kaufkraft binden, Energiewende nachhaltig fördern“: So heißt es in Rainer Hesses Wahlprogramm. „Ich sehe den Bürgermeister als Wirtschaftsförderer“, erklärte er auf Nachfrage von Andrea Pauly.

Die Dorfgemeinschaftshäuser in den kleinen Orten erhalten wollen beide Bewerber. Beide wollen zudem die Ortskerne weiter aufwerten. Frank Gleim erklärte, sollte eine Schließung der Gemeinschaftseinrichtungen auferlegt werden, müsse man sich mit Bürgern und Vereinen „an einen Tisch setzen“.

Frank Gleim will außerdem die Versorgung mit schnellem Internet und mit Handynetzen ausbauen. Dabei setzt er auf den geplanten Windpark, dann stünden die dafür erforderlichen hohen Masten zur Verfügung.

Der Amtsinhaber hat sich auch den Tourismus auf die Fahnen geschrieben: Zwischen Gemünden und Grüsen soll ein Radweg gebaut werden - zwar nicht asphaltiert, aber zumindest mit einer befestigten Decke. In Richtung Hertingshausen und Wohra seien Wander- und Radwege entstanden. Rainer Hesse hofft auf mehr Fremdenzimmer. „Das ist ein Defizit, auf das ich angesprochen wurde.“ Die Initiative müsse aber von Privatpersonen kommen. Der Rad- und Wandertourismus werde zunehmen.

Rainer Hesse verspricht in seinem Wahlprogramm die Einführung eines Discobusses, um Jugendliche abends nach Frankenberg oder Marburg zu bringen. „Wer bezahlt den?“, fragte Malte Glotz. „Da müsste man auch mit den Discobetreibern sprechen, und es muss ja nicht kostenlos sein“, entgegnete Hesse. Eine Fahrt gebe es noch vor der Wahl.

Frank Gleim will neue Projekte durch das Leader-Programm fördern lassen. Konkreter wollte er nicht werden. „Es gibt Gespräche mit Betrieben und Vereinen“, sagte er und ergänzte: „Es liegen einige kleine Projekte in der Schwebe - und ein großes.“ Beim Wahlforum ging es aber nicht nur um Politik: Redakteure und Besucher wollten auch etwas über die Persönlichkeit der beiden Kandidaten erfahren.

Andrea Pauly und Malte Glotz hatten deshalb einige Bücher dabei, aus denen Hesse und Gleim je einen Favoriten herausziehen sollten. Frank Gleim entschied sich für Harry Potter, Rainer Hesse für eine Biografie des verstorbenen Bundesliga-Torwarts Robert Enke.

Der Spaß stand auch beim Bilderrätsel im Vordergrund: Die Kandidaten mussten anhand von Ausschnitten verschiedene­ Orte im Stadtgebiet erraten, beispielsweise die alte Schule in Lehnhausen, den Judenfriedhof in Grüsen oder einen Schuppen in Ellnrode. Frank Gleim hatte dabei die Nase vorn. Keiner erkannte allerdings den Galgenberg am Rande eines Wanderwegs.

Auch beim zweiten Bilderrätsel war Frank Gleim meistens schneller: Es galt, Bürgermeister aus der Region auf Bildern zu erkennen. Lediglich beim Gilserberger Rathauschef Rainer Barth mussten beide passen.

Mitglieder des Herbelhäuser Schützenvereins versorgten die Besucher des Forums mit kühlen Getränken. (da)

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