Hatzfeld

Tourismus als zweite Einnahmequelle

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Leer stehende Häuser am Straßenrand verschandeln das Stadtbild. Bürgermeister Dirk Junker hofft, dass Hatzfeld attraktiver wird, und setzt unter anderem auf den Tourismus.Foto: Mark Adel

Hatzfeld - Es ist ein Spagat: Faktisch ohne Geld soll Hatzfeld weiter attraktiv bleiben. Bürgermeister Dirk Junker will unter anderem die Versorgung von Senioren sicherstellen und Gewerbebetriebe stärken.

Im Bürgerhaus stellte Junker, der seit knapp vier Monaten im Amt ist, am Mittwochabend vor zahlreichen Zuhörern, den Stadtverordneten und dem Magistrat seine kommunalpolitischen Ziele vor - und das in einer nicht gerade rosigen Zeit, in der Geld für Ziele fehlt. Hatzfeld spart an allen Ecken und Enden, eine Haushaltssperre lässt nur Raum für das Notwendigste. Wegen des Schutzschirmvertrags mit dem Land muss der Haushalt in diesem Jahr ausgeglichen werden

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„Die finanziellen Ressourcen und kommunalpolitischen Gestaltungsspielräume werden immer enger“, sagte Junker. Dennoch müsse Jugendlichen eine Perspektive geboten, die Stadt belebt werden. Eine größere Rolle spiele die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Fachkräfte am Ort zu halten. Daran seien auch die Unternehmen interessiert. Gespräche liefen, um beispielsweise die Betreuung in den Kindergärten an den Bedürfnissen auszurichten.

Allerdings: „Das darf für die Stadt kein Zuschussgeschäft sein“, betonte der Bürgermeister. Doch nicht nur Kinder stehen im Focus: In Hatzfeld fehlen auch Angebote für Senioren, beispielsweise ein Altenheim oder ein Mehrgenerationenhaus.

Um die Bevölkerung ins Boot zu holen, will Junker ein Bürgerprojekt ins Leben rufen - ähnlich wie in der Nachbarstadt Battenberg. „Zukunftssicherung Hatzfeld“ ist der Arbeitstitel, am 31. Oktober treffen sich interessierte Hatzfelder im Bürgerhaus. Leerstandsmanagement, „Jung und Alt“ und Tourismus sind unter anderem Punkte, die dort angegangen werden sollen.

Junker setzt auf den Tourismus und will unter anderem vom Erfolg des Ederradwegs profitieren - das hatte er bereits im FZ-Interview zur 100-Tage-Bilanz erläutert. „Ich sehe das als zweite Einnahmequelle“, sagte er am Mittwoch.

Er denkt über zusätzliche Restaurants und Unterkünfte nach. „Ich bin mir sicher, dass so etwas angenommen würde“, nennt er als Beispiel ein Restaurant an der Eder nahe der Brücke in der Kernstadt. Die erste Einnahmequelle ist die Gewerbesteuer. Allerdings würden einige Unternehmen Teile dieser Abgaben nicht in Hatzfeld zahlen. „Das ist Geld, was der Stadt verloren geht.“ Die Stadt sorge für die Infrastruktur, im Gegenzug müssten auch die Betriebe etwas tun: „Das ist ein Geben und nehmen.“

Außerdem sollen Unternehmen, Investoren und Existenzgründer verstärkt unterstützt werden. Junker hofft, dass die Stadt Teil des Pilotprojekts „Existenzgründung 2013“ wird - ob das so ist, stehe endgültig im September fest, sagte er. Am 10. Oktober wollen Stadt, IHK und Wirtschaftsfördferung Betriebe informieren, wie sie unterstützt werden können. Der Bürgermeister schlägt außerdem vor, den Gewerbeverein neu ins Leben zu rufen.

Allerdings fehle für einiges auch das Geld. „Wir werden teilweise Abstriche machen müssen“, sagte Junker. So seien die Ausgaben für Straßenbau „auf das Notwendigste“ reduziert worden.

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