Tradition am 27. Dezember: Peitschenknaller zogen durchs Dorf

Geburtstagsständchen am 3. Weihnachtstag: Zum 80. Geburtstag von Opa Walter Löber (Mitte) ließ Enkelsohn Patrick Werner (rechts) mit seinen Rennertehäuser Platzern (von links) Jan-Hendrik Koch, Jörg Clemens und Carsten Schäfer in Röddenau die Peitschen knallen. Foto:  Arnold

Frankenberger Land. Es wurde wieder eifrig „geplatzt" und „geknallt" am dritten Weihnachtstag im Frankenberger Land: Traditionell am 27. Dezember zogen die Peitschenknaller durch die Dörfer, in denen es diesen Brauch noch gibt.

"Geplatzt" wird zum Beispiel noch in Laisa, Berghofen, Rennertehausen, Wollmar und Ernsthausen. In Birkenbringhausen wurde es in diesem Jahr ausnahmsweise auf den 28. Dezember verlegt.

Hintergrund des Brauchs: Früher gingen am dritten Weihnachtstag die Dienstmädchen aus ihren Stellungen - entweder um zu heiraten oder ab Neujahr ein anderes Dienstverhältnis zu beginnen. Wo eine Magd ausging, wurde von den Burschen mit der Peitsche geknallt, um böse Geister zu vertreiben und Unheil fernzuhalten. Dieser Brauch hat sich bis heute in einigen Dörfern erhalten, nur werden jetzt keine Mägde mehr ausgeplatzt, sondern die Mädchen, die konfirmiert aber noch nicht verheiratet sind.

Auch in Rennertehausen zogen am Sonntag die Platzer durchs Dorf, um den unverheirateten jungen Frauen mit ihren „Geßeln“ (Peitschen) im Vierer-Takt ein „Peitschen-Knaller-Ständchen“ zu bringen. Als Gegenleistung, bekommen die Burschen dafür eine Geldspende, rote Wurst oder Eier. Dazu ziehen die Spendensammler hinter den Platzern her und sammeln Spenden und schenken als Dankeschön einen „Original Dreschmaschinenschnaps“ ein.

Mit der Zeit hat sich diese Tradition in Rennertehausen etwas gewandelt, wie Carsten Schäfer, der dienstälteste Platzer, erklärt: „Wir haben 71 Stationen, an denen wir in Rennertehausen und bei Geschäftsleuten mit Rennertehäuser Wurzeln in Allendorf, Battenfeld und Battenberg auf Wunsch ebenfalls platzen.“

In diesem Jahr bekam auch Walter Löber in Röddenau zu seinem 80. Geburtstag ein „Platzerständchen“, denn sein Rennertehäuser Enkelsohn Patrick Werner gehört seit zwölf Jahren zum Stammpersonal der „Platzer“. (wi)

Warum sich Frauen "ausplatzen" lassen? Wir haben eine junge Frau in Laisa gefragt. Das Interview lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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