Weihnachtseinkauf in Frankenberg

Trend zu hochwertigen Geschenken

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Das Buch ist immer noch ein beliebtes Geschenk. In diesem Jahr verkaufte Inge Jakobi etwa Ken Folletts „Winter der Welt“ sehr oft.

Frankenberg - Verspätet hat das Weihnachtsgeschäft für die Händler gestartet - erst Anfang Dezember. Doch eine starke Vorweihnachtswoche hat für einen versöhnlichen Jahresabschluss gesorgt.

„So dürfte es gerne weitergehen“, sagt André Kreisz. Die Frankenberger Fußgängerzone ist voll, obwohl der Donnerstag eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag ist. Der Vorsitzende des Frankenberger Kaufmännischen Vereins erklärt: „Die Einkaufstage ‚zwischen den Jahren‘ gehören mittlerweile zum Weihnachtsgeschäft. Es werden Gutscheine und Geld geschenkt, was dann nach der langen Zeit des Schlemmens und Sitzens gerne umgesetzt wird.“ Zudem seien viele Urlauber in der Region, besonders solche, die ihre Familien besuchen. „Für den Handel ist jetzt die fünfte Adventswoche“, fasst Kreisz zusammen.

Einen Trend hat der Geschäftsführer des Modehauses Eitzenhöfer durch Gespräche mit den Mitgliedern der Kaufmannschaft feststellen können: „Da die Kinder und Jugendlichen im Fokus des Weihnachtsgeschäfts stehen, sind Elektronikartikel der Renner.“

Ein ganz klassisches Weihnachtsgeschenk hingegen erfreut sich auch weiterhin großer Beliebtheit: das Buch. „Das Weihnachtsgeschäft lief kolossal gut“, fasst Buchhändlerin Inge Jakobi kurz und knapp zusammen. Bereits einen Monat vor dem Fest ging für sie und ihr Team das Weihnachtsgeschäft los - in früheren Jahren nur an den Adventssamstagen, diesmal kontinuierlich, jeden Tag. Ab Mitte des Monats habe der Verkauf weiter zugenommen. Eine „Tradition“ hätten die Kunden im Weihnachtsgeschäft zudem gebrochen: „Am 24. sind normalerweise fast nur Männer unterwegs“, erzählt Jakobi. Nicht so in diesem Jahr: Frauen und ganze Familien füllten den Laden schon am Morgen.

Einige Bücher hat die Händlerin gestern schon wieder umgetauscht - jedoch weniger als sonst; denn in diesem Jahr seien Gutscheine sehr beliebt gewesen. Ein Buch sei oftmals nicht das Hauptgeschenk, sondern eine persönliche Beigabe,sagt Jakobi. Dennoch gab es laut Jakobi eindeutige Renner im Geschäft: Der neue Krimi „BöserWolf“ von Nele Neuhaus, „Winter der Welt“ von Ken Follett oder die zehnteilige Fantasy-Serie von George Martin und die Panem-Trilogie seien sehr beliebt gewesen. Angeschubst durch die Verfilmung sei auch der Verkauf des kleinen Hobbitgestiegen. Das neue Werk vom Komiker und Arzt Eckhardt von Hirschhausen sei vor Weihnachten sogar nicht mehr lieferbar gewesen, die 30-Minuten-Küche von Jamie Oliver schon zwei Wochen vor Weihnachten ausverkauft und nicht mehr lieferbar.

Überhaupt erfreute sich das Thema Kochen im Weihnachtsgeschäft großer Beliebtheit: „Die Kochsendungen wirken sich gut auf das Geschäft aus“, sagt Birgit Müller. Sie führt ein Geschäft für Haushaltswaren und Dekorationsartikel in Frankenberg. Kochen sei nicht mehr „Sache der Mütterchen“, sondern gehe in eine gehobene Richtung: So seien etwa Brenner für Crème brulée beliebt gewesen. Mit dem Weihnachtsgeschäft ist so auch sie zufrieden: „Heim & Herd“ gibt es seit drei Jahren in Frankenberg, so gut wie in diesem Jahr sei das Geschäft noch nie gelaufen. „Unsere Kunden haben was Praktisches gesucht und überlegter gekauft“, fasst sie zusammen. Zu einem Kochtopf für die Ehefrau würde Müller dennoch niemals raten. Ohnehin seien es meist Familien gewesen, die für junge Angehörige hochwertige Geschenke gesucht haben. „Vor allem die Männer sind auf dem Vormarsch: Sie kaufen gerne Messer, Küchenschürzen und Pfannen für Steaks“, sagt die Geschäftsführerin.

Nicht nur für Männer, sondern ein persönliches Geschenk für jedermann sind Fotos und Fotoprodukte - ein Weihnachtsklassiker. Das hat in den vergangenen Wochen auch Fotohändler Harald Hörl gemerkt: „Mit dem Weihnachtsgeschäft bin ich zufrieden. Das Niveau war sehr ähnlich wie im vergangenen Jahr“, bilanziert er. Er stellt allerdings eine Tendenz fest: „Der Trend geht zu edleren Sachen“, erklärt er. Das Foto im Bilderrahmen sei weniger gefragt - Fotos auf Aluminiumplatte oder sogar auf einer Schiefertafel, aber auch ausgefallene Foto-Geschenke hingegen seien ein Renner gewesen. „Außerdem wollen die Kunden zunehmend Bilder aus dem Studio“, sagt er - Urlaubsbilder als Präsent kommen offensichtlich nicht gut an.

Obwohl wenn das Fest vorbei ist, ist auch für Hörl das Weihnachtsgeschäft noch nicht gelaufen: Neben dem üblichen Umtausch stehen zwischen den Jahren insbesondere Beratungen an. „Viele Kunden haben jetzt Zeit, haben vielleicht ein Geschenk von der Oma bekommen und überlegen dann, eine größere Kamera anzuschaffen“, sagt der Fotohändler. Dafür bräuchten die Menschen Ruhe, nicht den vorweihnachtlichen Stress. Und Hörl merkt noch eines ganz deutlich: „Auch wir profitieren von der starken Frequenz der Modehäuser“.

Die erfreuen sich gerade jetzt wieder eines großen Zuspruchs und locken mit Rabatten. Wenig Probleme haben sie - wie offensichtlich der überwiegende Teil der Händler in der Neustädter Straße - mit der zumindest zu Anfang des Weihnachtsgeschäfts noch bestehenden Baustelle in der Bahnhofstraße. Die sei zwar ungewohnt gewesen, inzwischen hätten sich aber die meisten Kunden bereits daran gewöhnt, weiß André Kreisz als direkter Anlieger: „Die Kunden haben sich zunächst schon sehr über die neue Verkehrsführung gewundert, insbesondere am Bahnhof. Aber das ist normal und heute weiß schon kaum einer, wie die Straßenführung vorher aussah“, sagt er.

Die Kaufleute seien froh, dass die Bauarbeiten abgeschlossen sind: „Der Bereich hat sehr gewonnen und wir sind häufig auf die gelungenen Veränderungen angesprochen worden“, sagt er. So hat das Jahr, das viele Kaufleute gerade wegen der Baustelle anstrengend fanden, für die meisten doch einen versöhnlichen Abschluss gefunden - auch in der Kasse.

Von Patricia Kutschund Malte Glotz

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