Betreuerin half mit

Trotz Behinderung: Robin machte Praktikum im Chemielabor

Stolz auf seine Experimente: Robin Pletsch (15) machte im Rahmen der Inklusion im Marburger Chemikum ein Praktikum. Foto: Daher

Frankenberg. Zum Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember erzählen Florian Müller (28) aus Frankenberg und Robin Pletsch (15) aus Gemünden ihre besondere Lebensgeschichte.

Beide sind geistig behindert, sagen aber: „Wir sind ganz normal.“ Schon als kleiner Junge hat Robin Pletsch experimentiert, er mag Gewitter - eigentlich alles, was explodiert und laut knallt. Der 15-Jährige machte deshalb sein Schulpraktikum im Marburger Chemikum. Das Besondere: Robin hat Down-Syndrom und absolvierte das Praktikum trotz seiner geistigen Behinderung - und das erfolgreich.

Als seine Mutter Maria Pletsch ihn fragte, wo er sein Praktikum für die Kegelbergschule machen will, und Robin antworte „Irgendwo mit Experimenten!“, war sie erst etwas skeptisch. „Wir wussten nicht, ob das wegen seiner Behinderung möglich ist“, sagt sie.

Doch dann schrieb Maria Pletsch eine E-Mail an das Marburger Chemikum und fragte, ob ihr Sohn kommen könnte. Und tatsächlich: Sie erhielten eine Zusage. Nur um die Betreuung musste sich Robins Familie selber kümmern.

So stand entweder eine Studentin oder Robins Betreuerin Adelheid Seipp an seiner Seite, wenn er die vielen Experimente durchführte. Gemeinsam gestalteten sie dann seine Praktikumsmappe, in der er alles mitprotokollierte. Sein Lieblingsversuch: „In einer Flasche ist Trockeneis und oben ein Ballon drauf. Der explodiert dann“, sagt Robin zufrieden.

Das Praktikum verlief für ihn sehr erfolgreich. „Sie haben sich dort wirklich bemüht und wollen ihm sogar noch ein Zeugnis schreiben“, sagt Maria Pletsch dankbar. Sein Vater Martin fügte hinzu: „Es ist schön zu sehen, dass sich manche Betriebe für die Inklusion öffnen.“

Wenn Robin Pletsch mal nicht experimentiert, probiert er verschiedene Vereine aus, um Kontakt zu anderen Jugendlichen zu bekommen. So war der Gemündener in der Feuerwehr, geht zum Hip-Hop-Tanzen und will Keyboard lernen. Dabei läuft das Tanzen ebenfalls über die Inklusion, da es eine „normale“ Tanzschule ist, wie Maria Pletsch erzählt.

Oft spielt er auch mit seinen Brüdern, einer drei Jahre älter, der andere ein Jahr jünger. Beide haben keine Behinderung und mögen Robin so, wie er ist. Ansonsten hat sich gezeigt: Robin kann wirklich gut schwimmen. So hat er bereits das Silberne Abzeichen gemacht, bald ist das Goldene dran. Fahrrad fährt er auch gerne, aber nicht mehr alleine. „Er hat als Kind mal drei Unfälle damit gebaut“, erzählt Martin Pletsch. Deshalb haben sie ein Tandem gekauft und radeln mit ihm gemeinsam.

Wie fast jeder Teenager in seinem Alter ist auch Robin in sozialen Netzwerken aktiv. „Ich schreibe mit meinen Freunden immer auf Facebook“, erzählt er. Robin kann lesen und schreiben und habe es durch sein Handy sogar gelernt: „Er hat gemerkt, dass die Wörter richtig geschreiben werden müssen, damit das Internet sie findet“, sagt sein Vater.

Anfangs habe er das Programm „Siri“ verwendet. Es erkennt die Sprache und macht und schreibt dementsprechend alles, was Robin ihm vorgibt. Dadurch habe er immer deutlich reden müssen, erzählt Martin Pletsch weiter. „Er hat sich wirklich toll entwickelt“, ergänzt Adelheid Seipp, die ihn seit acht Jahren betreut.

Seitdem der Jugendliche den Film „Free Willy“ gesehen hat, wuchs ein Wunsch in ihm: „Ich möchte Schwertwale sehen“, sagt Robin. Seine Mutter schaute daraufhin im Internet nach. Die Tiere leben im Atlantik bei den Azoren, einer Inselgruppe bei Portugal. Vielleicht fährt die Familie dort bald hin.

Beim Weihnachtswunsch ist Robin dafür bescheidener: „Es ist im Winter immer kalt, deshalb ein Unterhemd“, sagt er schmunzelnd.

Ein Interview mit Florian Müller, der trotz seiner Behinderung allein in einer Wohnung der Lebenshilfe lebt, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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