TV-Comedian Abdelkarim begeistert Frankenberger Publikum

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Salafistischer Blick: Abdelkarim kann, wenn er will, ganz böse aussehen. 

Frankenberg. Jeder kennt ihn als TV-Moderator, der in seiner Sendung vier „StandUpMigranten" präsentiert, häppchenweise, „mit allem und scharf".

In Frankenberg steht Abdelkarim als Gast des Kulturrings ganz allein auf der Bühne der Ederberglandhalle, liefert ein abendfüllendes Menü aus Comedy und Kabarett mit seinem ersten Solo-Liveprogramm, das ihn derzeit durch Deutschland führt.

Nun ganz er selbst: mit allem und scharf. Etwa 230 Zuhörer und Fans schnappen nach Luft und kringeln sich vor Lachen.

Abdelkarim, der prominente Deutsch-Marokkaner aus Duisburg, der am Nachmittag mit Bus und Zug durchs Sauerland nach Frankenberg angereist ist, findet mit dieser realen Abenteuerstory gleich beim ersten Auftritt ein verständnisvolles Publikum. Erst recht mit der Frage, ob es denn hier auch eine Dönerbude gebe. Und dann lässt er in hohem Sprechtempo keines der Reizthemen aus zwischen Terroristenangst und Flüchtlingen, Salafisten und Amokläufern, Vorurteilen „zwischen hellweiß und dunkelschwarz“, Stress mit der Polizei oder unbeaufsichtigten Koffern.

Obwohl Abdelkarim mit all diesen modernen Angstauslösern irritiert, nach Schillers „Glocke“ hieß das früher „mit Entsetzen Scherz spielt“, nimmt ihm das niemand übel. Er kann es sich mit seiner Biografie leisten, den eigenen Migrationshintergrund aufzugreifen, seine Hautfarbe, das böse Augenrollen, den alltäglich gefühlten Rassismus, den Generalverdacht, seit Silvester als „der Deutsche, gefangen im Körper eines Grapschers“, zu gelten.

Nicht alles ist Pointe, manches scheint wirklich erlebte Kindheit zu sein. Wie er statt Markenklamotten eine „Vier-Jahreszeiten-Kollektion“ mit einer Cordhose tragen musste, „von der alle hässlichen Cordhosen abstammen“. Und auf dem Rücken klebte immer der Ranzen, „ein sehr schlimmes Wort für eine Schultasche für Kinder“, schlimmer nur noch das Wort „Tornister“. Abdelkarim kann noch Kinderreime, schildert die Ratschläge seines Vaters, gibt Tipps für richtige Bewerbungen. Und er beobachtet, wie sich Jugend heute verhält: „facebookish“ spricht oder den Gangsta-Rapper Bushido cool findet.

So scharf sein Blickwinkel auch sein mag, als Typ zwischen den Welten kriegt es Abdelkarim bei seinem Frankenberger Gastspiel immer wieder hin, bei aller Kritik an der fremdenfeindlichen Gesellschaft auch - scheinbar - versöhnliche Töne anzuschlagen: „Wenn es darauf ankommt, können sich die Deutschen von ihrer besten Seite zeigen.“

Das Frankenberger Publikum tat es und bedankte sich am Ende herzlich für einen niveauvollen, wenn auch manchmal bitterbös gepfefferten Abend, der aber auch viel Gelegenheit für befreiendes Lachen bot. (zve)

Quelle: HNA

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