Rosenthaler Elektrofahrzeug bekommt Nachfolger

Mit dem Twike durch ganz Europa

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Martin Möscheid und sein Team verkaufen Twikes von Rosenthal aus in die Welt. Das aktuelle Modell hat seit wenigen Wochen eine europaweite Zulassung – und fährt seither auch in Frankreich.Foto: Patricia Kutsch

Rosenthal - Aus Rosenthal nach ganz Europa und nach Kuala Lumpur gehen die dreirädrigen Twikes der Firma „Fine Mobile“. Die Elektrowagen mit Pedalantrieb haben seit wenigen Wochen eine Zulassung für Europa. Das hat die Verkaufszahlen bereits gesteigert. Derweil arbeiten die Entwickler schon an einem Nachfolger.

„Die EU-Zulassung ist für uns ein entscheidender Schritt“, sagt Martin Möscheid von „Fine Mobile“. Das Rosenthaler Unternehmen will damit seinen Markt ausweiten: Von Deutschland und Schweiz künftig vermehrt bis in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich. Kunden aus anderen Ländern mussten die Fahrgenehmigung für ein solches Twike bisher über eine Einzelzulassung erwirken - das ist laut Möscheid möglich, bedeutet aber viel bürokratischen Aufwand. „Das schreckt viele Kunden ab.“

Die Idee, mit dem Twike in den europäischen Markt zu gehen, kam dem kleinen Rosenthaler Betrieb 2009 während der Wirtschaftskrise. Laut Möscheid war damals eine staatliche Förderung für Elektrofahrzeuge im Gespräch. „Dadurch hatten wir in dem Jahr keine Bestellungen. Denn die potentiellen Kunden haben abgewartet, ob eine Förderung kommt.“ Dem Team wurde klar, dass es nicht mvon einem einzigen Markt abhängig sein darf - der „EU-Gedanke war geboren“.

Bis dahin ist das Unternehmen aber noch einen weiten Weg gegangen, begann 2013 dann mit der Arbeit für die EU-Zulassung: Entwicklungsprozesse mussten dokumentiert, Gutachten vorgelegt werden. Das hat knapp ein Jahr gedauert. Ende August kam dann die Belohnung für die Anstrengungen. „Diese Zulassung sichert die bisherigen 15 Arbeitsplätze ab“, ist sich Möscheid sicher. Die hat sich bereits gelohnt: „Wir haben bereits zwei Twikes nach Frankreich verkauft.“ Das Land solle ein wichtiger Markt für das heimische Unternehmen werden - denn es biete einen ähnlich großen Markt wie Deutschland.

Durch die europaweite Zulassung sei es laut Möscheid zudem leichter, die Fahrzeuge auch außerhalb von Europa zuzulassen. „Die Papiere haben in anderen Ländern Gewicht“, sagt der Geschäftsführer. So habe er nun eine Bestellung aus Japan. Für einen neuen Kunden in Kuala Lumpur entwickelte das Team zudem ein Modell für Rechtslenker.

Auf dem Erfolg und dem Verkauf des aktuellen Twike ruhen die Rosenthaler sich nicht aus: Sie arbeiten an einem Nachfolger. 2009 hatte das Team die Idee für den Nachfolger, dann gab es eine kleine Entwicklungspause. Seit knapp zwei Jahren arbeiten die Rosenthaler mit fünf Mitarbeitern auf Hochtouren an dem neuen Elektro-Dreirad. Laut Möscheid wurden dafür eigens drei Entwickler und zwei studentische Mitarbeiter, die ihre Abschlussarbeit über das Twike schreiben, eingestellt.

Vorgestellt werden die geplanten Daten des Twike laut Möscheid Anfang des nächsten Jahres. Dann solle es so schnell wie möglich auf den Markt - „idealerweise noch 2015“. Möscheid und sein Team planen eine Serie von 500 neuen Twikes. In dem Elektrofahrzeug können wieder zwei Personen nebeneinander sitzen, es ist Platz für Gepäck. „Wir sind dem Twike-Konzept treu geblieben“, sagt Möscheid. Neu seien ein Pedalgenerator und eine Lenkhebelsteuerung. Zwei gegenläufige Handgriffe sollen die Steuerung des Twikes intuitiver gestalten. Bei dem aktuellen Twike müssten die Kunden laut Möscheid mit den Erbauern auf dem Hof die Steuerung üben - „das wird jetzt viel einfacher“.

Auch in der Entwicklung des Fahrwerks steckt laut Möscheid viel Hirnschmalz. „Das neue Twike hat die gleiche Stabilität wie der 5er BMW“, erklärt Möscheid. „Wir zeigen, wie stabil und sportlich ein Dreirad sein kann. Mit diesem Fahrzeug der neuen Generation brechen wir Eis und geben Denkgewohnheiten über Stabilität der Dreiräder einen neuen Rahmen.“

Wichtig ist die EU-Zulassung auch für das neue Twike: Da die Arbeitsprozesse in Bau und Entwicklung ähnlich sind wie bei dem Vorgänger, ist es laut Möscheid weniger aufwändig und kurzfristiger möglich, die EU-Zulassung auch für dieses Fahrzeug zu bekommen.

Die Entwicklung läuft in Rosenthal zunächst hauptsächlich digital mit einem speziellen Computerprogramm. „Bevor etwas physisch in Bau geht, können wir die Entwicklung der einzelnen Bauteile am Computer ausreizen und austesten“, sagt Möscheid. Das spare enorme Kosten und sei gerade für einen so kleinen Betrieb wie „Fine Mobile“ wichtig. Gebaut haben die Rosenthaler bisher nur ein Holzmodell in der geplanten Größe - um ein Gefühl für das räumliche Verhältnis zu bekommen. Der Rest der Ideen steckt noch im Computer.

„Der Dreiradmarkt ist ein Nischenmarkt“, erklärt Möscheid. Daher sei er für große Fahrzeughersteller nicht interessant. „Twikes wiederum sind so exotisch - das ist die Nische in der Nische.“ Der Kundenkreis sei so exklusiv, dass das Unternehmen sich nicht dauerhaft auf Deutschland beschränken könne. „Unsere Kunden sind ein kleiner Kreis, der sich auf der ganzen Welt verteilt.“ Daher wollen die Rosenthaler ihr neues Twike so entwickeln, dass es in möglichst vielen Orten der Welt auch zugelassen werden kann.

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