Der Schreufaer Karl-Heinz Hartmann gab Buch über lächelnde Lyrik heraus

Über wen lacht Mona Lisa?

Nicht nur die Mona Lisa: Das Lächeln in hunderten von Gedichten hat den Schreufaer Karl-Heinz Hartmann fasziniert, der jetzt mit literarischer Akribie, aber auch viel Vergnügen einen kleinen Lyrikband mit dem Titel „Ein Lächeln zum Weiterreichen“ bei Reclam herausgegeben hat. Foto: Völker

Frankenberg. „Warum lacht die Mona Lisa?“ hat Kurt Tucholsky in einem Gedicht gefragt. „Lacht sie über uns, trotz uns, mit uns, gegen uns - oder wie?“ Karl-Heinz Hartmann, ehemaliger Rektor der Frankenberger Friedrich-Trost-Schule und begeisterter Literat im Ruhestand, hat sich vom rätselhaften Lächeln der gemalten Dame ebenso inspirieren lassen wie von vielen hundert anderen Gedichten, die er gesichtet, analysiert, verworfen, ausgewählt und schließlich in einem Büchlein mit dem Titel „Ein Lächeln zum Weiterreichen“ im Reclam-Verlag herausgegeben hat.

Pünktlich zum Frühling

Mit frischem Grün und leuchtendem Tulpenrot auf dem Titelblatt ist Hartmanns fast hundertseitige Anthologie des lyrischen Lächelns pünktlich zum Frühling erschienen. „Meine Absicht war es, in unserer rational durchorganisierten, prosaischen Welt der humoristischen, lustig-lächelnden Lyrik eine Gasse zu bahnen“, sagt der Autor, der sich bereits seit vielen Jahren mit dem literarischen Humor befasst, neue Gedichte aus Tageszeitungen gesammelt, alte Werke tradiert und damit die Erfahrung gemacht hat: „Gedichte können das Leben ungemein verschönern, bereichern und auch - trösten.“

Das hat er bereits erfolgreich mit einem anderen Bändchen „Wilhelm Busch zum Vergnügen“ bewiesen. Eine andere Textsammlung von Hartmann erschien unter dem Titel „Sei heiter! Es ist gescheiter…“. Bewusst wollte der Literaturfreund damit den lyrischen Humor, der in Deutschland eher gern ein wenig hilflos dem Komischen zugeordnet wird, aus seinem Schattendasein herausholen.

Suche nach neuen Texten

Karl-Heinz Hartmann durchstöberte für sein jüngstes Lyrikbuch die Bibliothek der Germanisten in Marburg, immer auf der Suche nach neuen, eher unbekannten Texten, und er schöpfte die schönsten ironisch-witzigen Gedichte aus dem druckerschwarzen Meer von 2500 Heften der satirischen Zeitschrift Simplicissimus, erschienen 1896-1944 mit bekannten Autoren wie Tucholsky, Morgenstern, Ringelnatz, Kästner und vielen anderen.

Mit lächelnder Lyrik melden sich in Hartmanns soeben erschienener Anthologie 53 Dichter zu Wort, darunter „leider nur vier Frauen“, wie er bedauert. Besonders die sprachphilosophischen Gedichte von Otto Heinrich Kühner (1921-1996), der an der Seite von Christine Brückner sehr viel Sinn für das Komische und Widersprüchliche im Leben hatte, interessierten Hartmann.

Mit Lächeln nie geizen

„Dieses Lächel-Buch ist auch eine Hommage an ihn, der dem Bändchen durch eine Gedichtüberschrift den Titel gegeben hat“, sagt der Autor. Und er plädiert im Nachwort dafür, gerade im Alter mit Lächeln nie zu geizen. „Eine Altersgrenze, jenseits derer ein Lächeln nichts mehr bewirkt, gibt es nicht“, zitiert er Christine Brückner.

Und warum lacht nun die Mona Lisa? Der Schreufaer Lyrikfreund lässt schmunzelnd Tucholsky die Antwort geben: „Du lehrst uns still, was zu geschehen hat. Weil uns dein Bildnis, Lieschen, zeigt: Wer viel von dieser Welt gesehen hat, der lächelt, legt die Hände auf den Bauch und - schweigt.“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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