Burgwald

Über Stock und Stein zum Ort der Ruhe

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- Frankenau (apa). Ein idyllischer Blick auf den Edersee, Kletterpfade und Bachläufe, die übersprungen werden wollen: Die Wanderwege im und rund um den Nationalpark haben viel zu bieten. WLZ-FZ stellen jeden Feriensamstag eine Tour vor. Heute: Der Quernstweg.

Wann immer man an den Parkplatz „Euler“ oberhalb des Feriendorfes kommt – es stehen fast immer Autos dort. Der südliche Eingang in den Nationalpark wird gern und oft genutzt. Während Rad­fahrer und Pferde­kutschen den geschotterten Hauptweg zur Quernst nutzen können, bietet sich für Wanderer eine idyllischere Alternative: Statt links in den Hauptweg einzubiegen, nehmen sie den Wildnispfad an der Stirnseite des Parkplatzes.

An diesem Nachmittag trifft sich dort eine Wandergruppe: Nationalparkführerin Rita Wilhelmi aus Asel-Süd führt eine Wanderung auf dem 3,4 Kilometer langen Quernstweg – auf Niederländisch. Zwölf Niederländer, die derzeit im Frankenauer Feriendorf Urlaub machen, haben sich eingefunden, darunter zwei Familien mit Kindern. Der Quernstweg ist auch für sie kein Problem: Es geht nur leicht bergan und bergab. Über Wurzeln und umgefallene Baumstämme Der Quernstweg, der mit einer Skizze des kleinen Kirchleins gekennzeichnet ist, führt gleich zu Beginn im halboffenen Gelände über Wurzeln und umgefallene Baumstämme, an jungen Buchen und Totholz vorbei und unter tief hängenden Ästen hindurch.

Wer dort wandert, sollte festes Schuhwerk und lange Hosen tragen. Der Boden ist teilweise rutschig und uneben, außerdem wachsen Brennnesseln und andere Pflanzen über den Wanderpfad. Der Sturm Kyrill im Januar 2007 hat den Wald dort neu gestaltet. Der Wanderweg ist den Folgen des Sturms angepasst und schlängelt sich um Wurzelteller, Baumstämme und Totholz herum.

Allmählich wird der Wald um die Wanderer herum dichter. Rita Wilhelmi bleibt immer wieder stehen, erklärt, erzählt Anekdoten oder Historisches und bietet Spiele an. So wird es den Kindern nicht langweilig, und die Teilnehmer erfahren in ihrer Landessprache vieles über die heimischen Buchenwälder und ihre Besonderheiten.

Der nächste Teil der Strecke führt durch hohes Gras – wer jetzt lange Hosen anhat, ist sicher froh wegen der Zecken, die dort lauern können. Rita Wilhelmi führt die Gruppe nach links, unter einigen Kastanien hindurch geht der Weg weiter – schon schaut die Spitze der Quernstkapelle zwischen den Baumspitzen hervor. Die 2006 erbaute Kirche sollte – so die Idee des Architekten – an einen Hirten erinnern, der seinen Mantel schützend ausbreitet. Statt dem Quernstweg direkt zur Kirche zu folgen, biegt die Nationalparkführerin mit ihrer Gruppe nach links auf den Hauptweg ab und führt sie von dort zu den alten Mauerresten der ursprünglichen Quernstkirche, die einst von den Menschen aus den umliegenden Dörfern genutzt wurde. Erst danach geht es weiter über die Hochebene zur Quernstkapelle. Dort ruhen die Wanderer kurz aus.

Ein Blick in das aufgeschlagene Buch in der Kirche lohnt: Dort haben Menschen ihre Eindrücke von den Wanderungen in der Südspitze des Nationalparks niedergeschrieben. Es ist bereits der 16. Band mit Einträgen von Besuchern aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland. Im bunten Licht der farbigen Fenster Die einen verweisen auf anstrengende Radtouren, andere auf schöne Wandertage mit ihren Vereinen, wieder andere suchen (und finden) in den frühen Abendstunden Stille und Andacht in dem von farbigem Fensterglas in buntes Licht getauchten Kirchlein.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Samstag,16. Juli

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