Dorferneuerung von Geismar und Dörnholzhausen

Überlegungen für eine gute Zukunft

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Frankenberg-Geismar - Was sind die Stärken unseres Dorfes, was die Schwächen? Wo sehen wir Risiken und wo Chancen? Knapp 90 Minuten haben Geismarer und Dörnholzhäuser über diese Fragen nachgedacht - als Leitlinie für die Dorferneuerung.

„Früher haben die Menschen ein Wunschprojekt gehabt, das wurde dann gemacht und genutzt hat es wenig“, sagt Bernd Wecker vom Planungsbüro „Bio-line“. Er begleitet Geismar und Dörnholzhausen in die Dorferneuerung und möchte verhindern, dass sich das Schicksal vieler hessischer Dörfer in den beiden Frankenberger Stadtteilen wiederholt. Gemeinsam sollen die Dorfbewohner Konzepte und Projekte für die Zukunft entwickeln - im Hinterkopf immer die Frage: „Wie soll unser Dorf in 15 bis 25 Jahren aussehen?“

Den Anfang machten die Einwohner der beiden Dörfer nach der Auftaktveranstaltung Anfang des Monats (FZ berichtete) am Mittwochabend im Geismarer Dorfgemeinschaftshaus mit einer sogenannten SWOT-Analyse - Englisch für: Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. In vier Gruppen dachten die Teilnehmer - deutlich weniger als beim Auftakt - intensiv über ihre Dörfer nach. Jeweils rund 20 Minuten blieben ihnen, um über die Themenfelder „Gemeinschaft/Dorfleben“, „Ortsbild“, „Infrastruktur/Energie/Mobilität“ und „Kinder/Jugendliche/Senioren“ zu sprechen.

„Am meisten erfolgversprechend ist es, wenn wir mit den Projekten die Stärken stärken, statt die Schwächen zu reduzieren“, hatte Wecker zuvor erklärt und den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben: „Lassen Sie die äußeren Einflüsse nicht unberücksichtigt“. Dazu gehören etwa der unausweichliche demografische Wandel, die große Entfernung zum Autobahnnetz und die Nähe zum Mittelzentrum Frankenberg.

Positives und Negatives

Schnell wurden in den Runden einige Stärken, aber auch deutliche Defizite aufgedeckt. So wurde gerade von den Geismarern die durch das Dorf führende Bundesstraße nicht nur als Vorteil gesehen, sondern auch als Schwäche des Dorfes, zerschneidet sie es doch. Der Blick fiel in mehreren Themenfeldern zudem auf den Dorfmittelpunkt Geismars, der zwar „schön“ sei, aber offenbar nicht angenommen werde - auch für Wecker ein Punkt, bei dem mit gezielten Projekten gegengesteuert werden könne.

Derartige Kombinationen von Stärken und Schwächen gab es häufiger: Geismar hat viele Vereine, aber die arbeiten nicht zusammen. Als „Chance“ folgerten die Besucher daraus, lohne es sich, eine Vereinsgemeinschaft zu gründen. Auch die Idee einer Energiegenossenschaft zwischen Geismar und Dörnholzhausen kam auf. Letzteres hatte Wecker in Sachen erneuerbarer Energien als „ganz weit vorne“ bezeichnet.

Die Risiken, die die Dorfbewohner identifizierten, hängen mit wenigen Ausnahmen direkt mit dem demografischen Wandel zusammen. So standen am Schluss auf den Arbeitsblättern Stichpunkte wie „schwindende Angebote“ in Bezug auf die Vereine, „sich wandelnde Freizeitinteressen“, „keine Baugebiete“, „Verlust des Schulstandortes“, oder „Schließung der Disco“, die als große Stärke Geismars im Themengebiet „Kinder/Jugendliche/Senioren“ identifiziert worden war.

Die Ergebnisse wurden nicht mehr am Mittwochabend vorgestellt. Die Präsentation soll bei dem nächsten Termin folgen (siehe Kasten). Mit den Ergebnissen sollen auch die Dorfsteckbriefe erweitert werden, die Wecker und seine Mitarbeiterin Anna Krist im Geismarer Dorfgemeinschaftshaus ausgehängt hatten. Sie können im Internet unter der Adresse www.de-geismar-doernholzhausen.de angeschaut werden und sollen regelmäßig aktualisiert werden.

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