Umleitung in Gemünden: Schild darf ignoriert werden, aber nicht von allen

Gemünden. Wer derzeit auf der Landesstraße aus Richtung Marburg und Wohratal kommend nach Gemünden fährt, stößt am Abzweig Rosenthal/Langendorf auf das Schild „Durchfahrt verboten" mit Hinweis auf eine Umleitung.

Der Grund: Aktuell wird die Wohrarer Straße in Gemünden saniert, im nächsten Jahr steht die Instandsetzung des Steinwegs auf dem Programm. Am Montagabend berichtete Gastronom Klaus Obermann vom Alten Bahnhof in Gemünden, dass viele seiner Kunden genervt seien von der weiträumigen Umleitung.

„Wir haben auch zahlreiche Gäste, die aus Gießen oder Marburg kommen. Und denen habe ich bislang immer gesagt, dass sie die Umleitung über Rosenthal nehmen müssen, um zu uns zu kommen. Das heißt für sie eine längere Fahrzeit von 20 Minuten. Das gefällt unseren Gästen natürlich nicht“, sagte Obermann.

Petra Persy vom Erlebnisladen wies Obermann darauf hin, dass sie ihren Kunden stets empfehle, die Umleitung nicht zu fahren. „Ich sage ihnen, dass sie bis nach Gemünden durchfahren und anschließend die innerörtliche Umleitung durch das Gewerbegebiet nehmen sollen.“ Schließlich seien ihre Kunden Anlieger und daher berechtigt, den direkten Weg zu nehmen.

Doch ist das tatsächlich so? Die HNA fragte bei Hessen Mobil nach. Die Straßenverkehrsbehörde hatte die weiträumige Umleitung eingerichtet.

Darf die weiträumige Umleitung ignoriert werden? 

Ja, aber nur von bestimmten Verkehrsteilnehmern. Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus sagte, dass Kunden und Gäste der Gemündener Gewerbebetriebe und der Gastronomie die Schilder umfahren und danach die innerörtliche Umleitung in Gemünden nutzen dürfen - auch in umgekehrter Richtung. Das gelte auch für den Anlieferungsverkehr der örtlichen Geschäfte. Alle diese Verkehrsteilnehmer sind nach geltender Rechtsprechung Anlieger. Die HNA fragte auch beim ADAC nach und erhielt folgende Antwort: „Anlieger sind Personen, die mit Bewohnern oder Grundstückseigentümern in eine Beziehung treten wollen. Dabei ist es unerheblich, ob die Beziehung zustande kommt. Die Absicht ist ausreichend.“

Wer muss die weiträumige Umleitung fahren? 

Alle übrigen Verkehrsteilnehmer, die Gemünden nur im Zuge eine Durchfahrt passieren. Wenn also Pkw-, Motorrad- oder Lkw-Fahrer lediglich über Gemünden fahren wollen, weil dieser Weg für sie der kürzeste ist, müssen sie die weiträumige Umleitung nehmen. Bei Verstößen droht ein Bußgeld zwischen 15 und 35 Euro - für Lkw-Fahrer sogar eines in Höhe von 75 Euro.

Warum wird weiträumig umgeleitet, um Gemünden zu umfahren? 

Man will während der Straßensanierungen den Durchgangs- und Schwerlastverkehr aus Gemünden heraushalten. Zugleich will Hessen-Mobil im Baustellenbereich für die Sicherheit der dort arbeitenden Personen und der Verkehrsteilnehmer sorgen. Der Durchgangs- und Schwerlastverkehr darf wegen der Beschilderung nun nicht mehr durch Gemünden fahren. Das Straßennetz der innerörtlichen Umleitung ist an vielen Stellen ohnehin nicht für einen solch starken Umleitungsverkehr ausgelegt.

Quelle: HNA

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