Hainaer steht in Marburg vor Gericht

Uneinsichtiger "Bewährungsversager" muss ins Gefängnis

Haina/Marburg - Lange dauerte sie nicht, die Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht. Von Beginn an zeigte sich der Angeklagte aus Haina geständig und gab den Besitz von großen Mengen Rauschmittel zu. Wirklich einsichtig schien er dennoch nicht.

Viele kleine Tütchen, Dosen und Schachteln mit Marihuana-Stängeln und zerkleinerten Blättern der Pflanze fand die Polizei zufällig bei einer spontanen Hausdurchsuchung des 27-jährigen Angeklagten. Auch geringe Mengen einer weißlichen kristallinen Substanz, einem Amphetamin, stellten die Beamten sicher. „Hauptsächlich zum Eigenenbedarf“ lautete die Erklärung des Arbeitslosen. Bereits seit etwa vier Jahren rauche er solche Joints, meist zwei bis drei Gramm am Tag. Ein Vorrat von rund 103 Gramm „Gras“ war vor dem Gesetz allerdings zu viel.

Dieser hielt an der Aussage fest, er habe bloß einen kleinen Teil des Marihuanas weiterverkaufen wollen - „zum Freundschaftspreis“. Der Rest sei für den eigenen Gebrauch gewesen. Ganze 800 Joints hätte der Angeklagte mit dieser Menge drehen können, rechnete der Staatsanwalt vor.

Der Besuch im Gerichtssaal war für den Angeklagten keine Premiere. Zuvor war er vor den Amtsgerichten in Frankenberg, Kassel und Marburg bereits wegen anderer Delikte verurteilt worden. Vor erst fünf Monaten stand er in Marburg ebenfalls wegen Besitzes von und Handels mit Rauschmitteln vor Gericht. Obwohl der Arbeitslose sich damals uneinsichtig zeigte und sich keiner Schuld bewusst zu sein schien, erhoffte sich das Gericht durch einen möglicherweise bevorstehenden Abschluss der Ausbildung Besserung und setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Das Vertrauen des Gerichts wurde enttäuscht: Der Angeklagte stand wegen des gleichen Vergehens wieder vor dem Marburger Amtsgericht. Sein Mandant sehe inzwischen jedoch die Therapienotwendigkeit, erklärte der Verteidiger des jungen Mannes im Laufe der Verhandlung. So uneinsichtig er sich vor fünf Monaten auch gezeigt habe: heute sei ihm bewusst, dass die Abhängigkeit ihn zu seinen Taten verleite. Diese Erklärung wirkt jedoch wenig überzeugend, sondern mehr wie eine Taktik. Der Angeklagte selbst gab sich wortkarg und nuschelte leise: „Eine Nummer habe ich schon rausgesucht“. „Von was?“, fragte der Staatsanwalt. „Na, von so einer Suchtberatung. Die haben eine Zweigstelle in Frankenberg“, sagte der 27-Jährige. Da müsse er nicht so weit fahren.

Die Richterin erläuterte in ihrem Urteilsspruch, sie sehe keine positiven Fortschritte. Weder habe der 27-Jährige bereits seine Ausbildung abgeschlossen, noch habe er eine Therapie begonnen. Zudem seien die vorherigen Taten ähnliche gewesen, eine Wiederholung sei also keinesfalls ausgeschlossen. Ein Jahr und sechs Monate wird der Hainaer deshalb nun im Gefängnis verbringen müssen. (cwd)

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