Frau verursacht Schaden und fährt weiter – Körperverletzung, aber kein Verkehrsdelikt

Unfall einfach übersehen

Frankenberger Land. Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht ist sie freigesprochen worden. Der fahrlässigen Körperverletzung hat sichdie 55-jährige Beamtin aber schuldig gemacht, urteilte das Frankenberger Amtsgericht. Nun muss sie 30 Tagessätze zu je 50 Euro zahlen.

Der Frau wurde vorgeworfen, beim Überholen auf der Bundesstraße 253 den Gegenverkehr nicht beachtet, einen Unfall verursacht und sich vom Unfallort entfernt zu haben. Ein 25-Jähriger aus dem Frankenberger Land, der ihr entgegenkam, musste nach eigener Aussage nach rechts ausweichen und sei in die Planke gefahren. An seinem Auto sei ein wirtschaftlicher Totalschaden entstanden, er selbst sei leicht verletzt worden. Die vermeintliche Unfallverursacherin habe sich nicht um den Schaden gekümmert und sei weitergefahren.

Der Geschädigte und ein Zeuge, der ebenfalls vor Gericht aussagte, sind ihr anschließend hinterhergefahren, haben sie wenig später zum Anhalten gedrängt und die Polizei gerufen. Das Ganze ereignete sich im Oktober vergangenen Jahres.

Ein Auto sei ihr zwar entgegengekommen und hätte auf gleicher Höhe gehupt. Von einem Unfall habe sie aber nichts mitbekommen, sagte die Angeklagte.

„Sie ist einfach weitergefahren, obwohl sie den Unfall aus meiner Sicht ganz klar gesehen haben muss“, entgegnete der 25-jährige Geschädigte. Es sei völlig ausgeschlossen, das sie nicht bemerkt habe, was passiert sei.

Der Zeuge, der das Tatgeschehen gesehen und der Frau auch hinterhergefahren ist, sagte, sie sei zuerst mal nach links, mal nach rechts gependelt. Anschließend sei sie auf die Gegenspur gekommen. Ein Überholmanöver habe es aber dabei nicht gegeben. Der LKW, den sie laut dem Geschädigten überholt haben soll, als es zu dem Unfall kam, sei schon längst hinter ihr gewesen. Nach dem Unfall sei sie wieder ganz ruhig in ihre Fahrbahn zurückgefahren.

„Ich denke schon, dass es für eine Verurteilung ausreicht“, sagte Richterin Andrea Hülshorst bei der Urteilsverkündung. Es hätte einen Unfall gegeben, bei dem der der junge Mann verletzt worden sei. Es sei unwahrscheinlich, dass es auf dieser Straße ein zweites Ereignis gegeben hätte, bei dem der Angeklagten ein hupendes Auto entgegengekommen wäre. „Es gab nur dieses eine Hupen, das Sie und der Zeuge gehört haben“, sagte die Richterin.

Der Zeuge sagte jedoch auch aus, er glaube nicht, dass die Frau den Unfall bemerkt habe. Daher wurde sie vom Vorwurf der Fahrerflucht freigesprochen. Ohne ein nachgewiesenes Überholmanöver gebe es auch keine Gefährdung des Straßenverkehrs – so hatte auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft argumentiert. (ema)

Quelle: HNA

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