Kein Fehlverhalten nachgewiesen

Freispruch: 4800 Euro vom Konto eines 90-Jährigen abgeholt

Frankenberg. Freigesprochen hat das Amtsgericht eine 41 Jahre alte Frau vom Vorwurf der Untreue. Sie hatte drei Tage vor dessen Tod 4800 Euro vom Konto eines 90-jährigen Mannes abgehoben.

Die Staatsanwaltschaft hatte der 41-Jährigen vorgeworfen, mit einer ihr erteilten Kontovollmacht drei Tage vor dem Tod eines 90-jährigen Mannes 4800 Euro von dessen Konto abgeholt bzw. auf ihr Konto überwiesen zu haben.

Damit sollten vermeintliche Mietrückstände für das Jahr 2014 ausgeglichen werden. Der 90-Jährige war der Lebensgefährte der verstorbenen Großmutter der Angeklagten.

Nach der Aussage der 41-Jährigen und der Vernehmung von fünf Zeugen stand für Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst nur eines fest: Der Angeklagten könne kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Es sei ein großes Prinzip des Rechtsstaates, dass eine Verurteilung nur dann erfolgen könne, wenn ein Sachverhalt „zweifelsfrei festgestellt“ worden sei, betonte die Richterin.

Der Tatvorwurf reicht in das Jahr 2014 zurück. Die Angeklagte räumte ein, mit einer ihr erteilten Kontovollmacht 4800 Euro vom Konto des 90-jährigen Mannes abgeholt zu haben. Der ehemalige Lebensgefährte ihrer Großmutter habe wenige Tage vor seinem Tod darum gebeten. Das Geld habe sie auf Wunsch des 90-Jährigen an ihre Eltern als Wohnungseigentümer weitergegeben und sich dies auch quittieren lassen.

Während der Beweisaufnahme versuchte Richterin Hülshorst, Licht in die etwas komplizierten Umstände zu bringen. Demnach hat die verstorbene Großmutter der Angeklagten früher wohl Miete gezahlt. Dann aber gab es eine teure Heizungsreparatur. Der 90-Jährige streckte dafür 8000 Euro vor und wollte diese Summe „abwohnen“. Die Rede war von 400 Euro im Monat und weiteren 200 Euro für Wäsche und Verköstigung.

Während der Verhandlung wurde deutlich, dass sich die Angeklagte regelmäßig um den 90-Jährigen gekümmert hatte, während dessen Tochter und dessen Enkel offenbar nur selten aus dem Ruhrgebiet zu Besuch kamen.

Ausgelöst hatte das ganze Verfahren der heute 48-jährige Enkel des Verstorbenen mit einem „Gedächtnisprotokoll“, in dem von „monatlichen“ Mietzahlungen die Rede ist. Ob es eine solche Vereinbarung gab, war jedoch nicht sicher festzustellen. Weder der Enkel noch ein weiterer Zeuge konnten sich klar erinnern. Angaben über den Gesundheitszustand des 90-Jährigen kurz vor dessen Tod blieben vage.

Der Vorwurf der Untreue jedenfalls war laut Plädoyer auch aus Sicht der Vertreterin der Staatsanwaltschaft nicht zu halten.

Quelle: HNA

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